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Radio SRF 1 Video: Wer kann heute noch das SBB-Kursbuch lesen?

Kursbuch lesen ist eine aussterbende Kunst. Heute hat der elektronische Fahrplan den Klassiker weitgehend abgelöst. Können wir heute überhaupt noch Kursbuch lesen? Mike La Marr hat am Bahnhof Oerlikon die Probe aufs Exempel gemacht.

Strassenumfrage: Wer kann heute noch Kursbuch lesen?

Plante man seine Reise früher noch ganz selbstverständlich mit dem guten alten Kursbuch, ist dies heute gar nicht mehr so einfach. Denn die elektronischen Fahrpläne haben den Klassiker weitgehend abgelöst.

Wer kann heute überhaupt noch Kursbuch lesen? Radio SRF 1-Moderator Mike La Marr will von Oerlikon nach Burgdorf reisen und bittet Passanten um Hilfe. Beim Anblick des Buchs sind die Reaktionen ganz verschieden: «Von diesem Buch hab ich noch nie etwas gehört» oder «Ich cha das nümm, ich muess zruggbuechstabiere» – im Zeitalter des Internets ist das Lesen des Kursbuchs eine Herausforderung.

Ein Plädoyer fürs Kursbuch

Das Kursbuch hat drei Bände und wiegt insgesamt rund zweieinhalb Kilos. Kein Wunder, dass die meisten heute die App auf dem Handy bevorzugen. Aber das Kursbuch sei nicht nur für Nostalgiker, sagt Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn Schweiz. Das Kursbuch verrate spezielle Verbindungen, die man über die Internetsuche nicht finden könne, zum Beispiel die schöne Strecke von Zürich nach Moutier über Solothurn und Gänsbrunnen. Dass es dort besonders schön ist, steht allerdings weder im Internet noch im Kursbuch. Da hilft einem nur die persönliche Erfahrung oder der gute Tipp von Freunden.

2800 Seiten öffentlicher Verkehr

Wenn der Fahrplan wechselt, muss auch das Kursbuch überarbeitet werden. 1906 ist das Kursbuch erstmals erschienen. Auch heute kann man es noch am Bahnhof-Schalter kaufen. 16 Franken kosten die drei Bände, die auf 2800 Seiten alle Verbindungen von Bahn, Bus, Schiff und Seilbahn beinhalten. Erschien er 1987 noch mit einer Auflage von fast 400'000 Exemplaren, wurde er letztes Jahr nur noch knapp 40'000 mal gedruckt.

Kursbuch lesen: der Profi erklärt's

Täglich mit dem Kursbuch gearbeitet hat früher auch Hansjörg Höhener. «Vor 40 Jahren konnte ich mit zweimal Blättern eine Schweizerrundfahrt planen», sagt der heutige Geschäftsführer des Bahnhofs Oerlikon. Heute muss er etwas länger studieren, sucht Mike La Marr dennoch die passenden Verbindungen heraus.

Neuer Fahrplan

Am Dienstag, 26. Mai wird der neue Fahrplan ab Dezember 2015 vorgestellt. Es wird der grösste Fahrplanwechsel seit mehr als zehn Jahren.

3 Kommentare

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  • Kommentar von M. Bolder, Muhen
    Obwohl ich durchaus technikaffin bin, vermisse ich manchmal die Zeit, wo man noch in aller Ruhe die beste Verbindung herausgesucht hat und dabei immer die Schweizer Karte vor Augen hatte. Heute geht zwar alles schneller, aber wissen noch alle, wo die Orte, die sie bereisen, liegen? Ich weiss es nicht, ich kann nur Vermutungen anstellen.
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  • Kommentar von cl.ravasio, n'lenz
    bei uns ist das Kursbuch die Bibel! Gehört immer in den Rucksack und immer benutzt - von meinen Mannen! Ich dagegen (sehbehindert) nutze das Internet! Unterwegs, in einem Empfangsloch ist so ein Kursbuch goldrichtig. ...und spannend ist es allemal! also bitte lasst es am Leben.
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  • Kommentar von Hans Vader, Luzern
    Ich verstehe nicht was daran so schwierig sein sollte. Natürlich wenn man es zu ersten Mal anschaut, wird man von den Daten erschlagen, aber so kompliziert ist dies bei weitem nicht.
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