Weihnachten: Muss es immer Fleisch sein?

Unter dem Baum die Geschenke, auf dem Tisch das Fleisch. So sieht wohl bei vielen der Weihnachtsabend aus. Ein Gericht mit Fleisch ist für viele Tradition. Doch auch diese könne man mit Nachsicht leben.

Eine Auslage beim Metzger Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Fleischverkäufer haben zu Weihnachten alle Hände voll zu tun. Keystone

«Filet Wellington, Fondue Chinoise, Poulet, Truthahn, Steak - ich brauch schon Fleisch.» Die Umfrage bei den Leuten im Laden zeigt die Vorliebe zum Fleisch deutlich. Tradition spiele an Weihnachten eine grosse Rolle, sagt Roland Frefel. Er ist bei Coop Schweiz zuständig für Frischprodukte wie Fleisch. «Rindfleisch ist derzeit gefragt, auch knochengereifte Stücke. Der Kunde gibt gerne etwas mehr aus für die Festtage.» Während des Jahres steht hingegen das günstigere Schweinefleisch an der Verkaufsspitze. Darauf folgt Hühnerfleisch. Und erst auf Platz 3 das Rindfleisch.

Weniger, aber immer noch viel

Kampf fürs Fleisch

2:37 min, aus Tagesschau vom 13.4.2016

Im letzten Jahr ist der Fleischkonsum in der Schweiz leicht zurückgegangen. Er bleibt aber mit über 51 Kilogramm pro Person auf hohem Niveau. Jede Person isst also fast 1 Kilogramm Fleisch pro Woche. Bei vielen ist es noch mehr, da es ja auch noch etliche Vegetarierinnen und Vegetarier gibt. Die Konsumentinnen und Konsumenten bevorzugen Fleisch aus der Schweiz. Laut Branchenorganisation Pro Viande ist dessen Verkaufsanteil auf 80 Prozent gestiegen. An den Festtagen können die Detailhändler aber nicht immer genügend Edelstücke aus dem Inland anbieten, bestätigt Coop. Das Filet oder das Huft-Entercote komme dann aus Südamerika.

Marianne Botta hat an der ETH Zürich Lebensmittelwissenschaften studiert. Die Ernährungsberaterin und Buchautorin bevorzugt Biofleisch. Je kürzer der Weg sei von der Produktion bis auf den Teller, desto besser könne man überprüfen, ob die Tiere gut gehalten und ob ihnen nicht zu viele Medikamente verabreicht wurden.

Futter kommt von weit her

Bernd Steimann ist beim Hilfswerk Helvetas zuständig für Entwicklungspolitik. Es spiele eben auch eine Rolle, wo die Nahrung für die Tiere herkomme. Oft sei es Soja aus Brasilien oder Argentinien. «Das bringt den Wald und die landwirtschaftlichen Nutzflächen in diesen Ländern unter Druck.» Steinmann findet, jedes Land sollte nur so viel Fleisch produzieren, wie es für die Tiere Futtermittel anbauen kann. In der Schweiz sei dem überhaupt nicht so. Die Schweiz importiere sehr viel Futter. «Würde die Schweiz alles Futter im Inland anbauen wollen, müsste man eine Fläche von der Grösse des Kantons Tessins dafür hergeben.»

Sollte man also besser auf Fleisch verzichten an Weihnachten? Nein, nicht unbedingt, sind sich Bernd Steimann und Marianne Botta einig. Sie raten hingegen, bewusst zu konsumieren. Zum Beispiel nicht nur das Steak, sondern auch die billigeren Stücke des Tieres zu essen, also das ganze Tier verwerten.

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