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Radio SRF 1 Wer gesund lebt, soll weniger Krankenkasse zahlen – ist das fair?

Fitness-Armbänder und Gesundheits-Apps messen Gesundheit und Lebensstil. Die Krankenkassen sind an diesen Daten brennend interessiert. Doch würden Sie Ihre Gesundheits-Daten preisgeben – für einen Prämien-Rabatt? Soll, wer ungesund lebt, auch mehr Prämie bezahlen? Die «Forum»-Diskussion zum Thema.

Legende: Audio Wer gesund lebt, soll weniger zahlen? abspielen. Laufzeit 53:00 Minuten.
53 min, aus Forum vom 17.09.2015.

Schrittzähler, Fitness-Armbänder und Smartwatches liegen voll im Trend. Neben dem Puls zählen diese Geräte Schritte und Kalorien, messen den Blutdruck und die Schlafqualität oder zeichnen die Jogging-Distanz auf. Und der Trend ist nicht aufzuhalten: Bald wird es möglich sein, mittels Sensoren unter der Haut das Blut zu analysieren, ohne eine Blutprobe nehmen zu müssen.

Wer gesund lebt, erhält Rabatte

Mit diesen neuen Technologien kommen die Krankenkassen erstmals ohne grossen Aufwand an Daten über unseren Lebensstil und Gesundheitszustand. Ein erster Schritt in Richtung Überwachung ist bereits getan: Als erste Versicherung Europas sammelt die CSS in einem Pilotprojekt mittels Schrittzähler die Bewegungsfreudigkeit von 2000 Kunden. In Deutschland sind ähnliche Projekte in Planung.

Die längerfristige Idee dahinter: Künftig könnten unsere Gesundheitsdaten Einfluss auf die Höhe der Prämie haben. Wer gesund lebt, kriegt Rabatte. Wer keine Gesundheitsdaten preisgibt oder ungesund lebt, riskiert dereinst eine höhere Prämie. Obwohl in der Schweiz die Nutzung solcher Gesundheitsdaten erst in der Zusatzversicherung erlaubt sind, ist absehbar, dass die Kassen diese auch in der Grundversicherung nutzen wollen.

«Persönliches Gesundheitsmonitoring mit digitalen Tools macht durchaus Sinn. Doch dass mir eine Versicherung vorschreibt, was «gesundes» Verhalten ist und was nicht, zeugt von einem veralteten Menschenbild.»

Pro und Kontra: Die Experten

Felix Schneuwly.
Legende: Krankenkassen-Experte: Felix Schneuwly. zvg

Einer der Experten im «Forum» ist der Krankenkassenexperte Felix Schneuwly, der die Abteilung Public Affairs bei Comparis leitet. Er befürwortet die Idee, dass ein gesunder Lebensstil belohnt werden soll: «Ein Prämienrabatt für gesundes Verhalten oder eine höhere Kostenbeteiligung bei ungesundem Verhalten ist für mich der richtige Weg – das sollte künftig auch in der Grundversicherung möglich sein.»

Generell sind Befürworter der Meinung, dass es unsolidarisch sei, wenn jemand, der sich sportlich betätigt und auf seine Gesundheit achtet, für jene zahlen muss, die rauchen, trinken und keinen Sport treiben. Der Druck, Eigenverantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen, werde künftig massiv steigen.

Ruth Baumann-Hölzle.
Legende: Ethikerin Ruth Baumann-Hölzle. zvg

Anderer Meinung ist Ruth Baumann-Hölzle, Medizin-Ethikerin in der Stiftung Dialog Ethik und Theologin: «Krankheit darf nicht zur Schuld werden», sagt sie. Die Solidarität zwischen Gesunden und Kranken sei ein Grundstein unseres Gesundheitssystems.

Auch andere Ethiker und Soziologen befürchten gesellschaftliche Folgen: Mit der Datensammelwut würden kranke, gebrechliche Menschen diskriminiert. Entweder wären sie gezwungen, dem Fitness-Wahn zu folgen, oder sie müssten mit einer höheren Prämie rechnen. Zudem werde masslos überschätzt, wie viel wir durch unser eigenes Verhalten steuern können.

Andrea Belliger Krieger.
Legende: Expertin für Digitale Gesundheit: Andrea Belliger Krieger. zvg

Ebenfalls am «Forum»-Diskussionstisch steht Andrea Belliger Krieger, Expertin für digitale Gesundheit an der PH Luzern. Ihre Meinung: «Persönliches Gesundheitsmonitoring mit digitalen Tools macht durchaus Sinn. Doch dass mir eine Versicherung vorschreibt, was ‹gesundes› Verhalten ist und was nicht, zeugt von einem veralteten Menschenbild.»

60 Kommentare

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  • Kommentar von Maja Kuhn, Eglisau
    "Wir sind alle krank, wir müssen nur unser Genom genau anschauen". Was für eine Aussage von Andrea Belliger Krieger! Es ist für unsere Gesundheit kaum förderlich sich darauf zu konzentrieren, woran ich allenfalls einmal erkranken könnte. Ich möchte meine Gedanken damit nicht belasten und fokussiere lieber darauf, dass es mir gut geht.
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  • Kommentar von Hans Bächler, Hochdorf
    Felix Schneuwly hat schon recht, dass das ein Problem der Normen sei. Aber mit welcher Arroganz nimmt sich der Krankenversicherer das Recht, die Normen zu setzen? wieviele Schritte müssen es denn sein, welcher Rotwein ist noch gesund und welcher nicht? darf es Kalbfleisch sein? - Und was vor allem nicht gilt, ist das Argument, dass das Ganze ja freiwillig sei. Wer dann in diesem Strom nicht mitmachen will, zahlt dann trotzdem drauf...
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  • Kommentar von Verena Fischer, 8755 Ennenda
    Nur schon die Ernährungslehre hinkt Den neuesten Erkenntnissen hinterher! Siehe China Study! Ausserdem profitiert meine KK schon davon, dass meine beidseitige Kniearthrose als Krankheit anstatt als Unfall gemeldet wurde. Ausserdem kann beisp. Trauer auch Krankheiten fördern Oder unerkannt verlaufen Lassen. Beisp. Trauernde sollten nur das tun was ihnen gut tut. Auf Sofa liegen beispielsweise! Trauer dauert normalerweise 1-2 Jahre. Chip sind ungesund!
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