Zum Inhalt springen

Header

Audio
Sandra Lutz Hochreutener, Musiktherapeutin
Aus Gast am Mittag vom 12.05.2021.
abspielen. Laufzeit 27:29 Minuten.
Inhalt

Wie uns Musik heilen kann Die Macht der Musik hilft bei psychischen Problemen

Musiktherapeutin Sandra Lutz Hochreutener nutzt die Energie der Musik, um Menschen in Krisen oder mit Herausforderungen zu helfen.

Melodien bleiben im Gedächtnis haften. Sie können mit Erinnerungen an Personen oder Ereignisse verknüpft sein oder mit Stimmungen und Gefühlen. Diese Kraft der Musik nützt Sandra Lutz in ihren Musiktherapien gezielt aus. «Dank Musik kommt man mit eigenen Gefühlen in Kontakt», sagt Lutz. Musik weckt Bilder im Kopf und kann verschüttete Ressourcen wieder freilegen.

Mithilfe von Musik aus der Lebenskrise raus

Musiktherapie kann in unterschiedlichen Situationen helfen: Wenn Menschen in einer momentanen Krise stecken, wenn sie eine schwere körperliche oder psychische Erkrankung haben oder wenn eine grosse Herausforderung im Leben ansteht, die man mit einer anderen Person reflektieren will.

Musiktherapeutin Sandra Lutz macht mit Maiskörnern in einer Kalabasse Geräusche und Rhythmus.
Legende: In der Musiktherapie spielt man mit der Musiktherapeutin oder dem Musiktherapeuten auf diversen Instrument, je nach Situation. Im Bild: Ein Kalabasse, mit Maiskörnern gefüllt, dient als Perkussionsinstrument. ZVG

Musik kann ein Therapiegespräch ergänzen. In Fällen, wo ein Gespräch nicht möglich ist, übernimmt die Musik auch die Funktion der Kommunikation; zum Beispiel bei Kindern, die nur in ihrem engsten Familienkreis sprechen, bei Menschen, die Mühe haben sich auszudrücken, bei Menschen mit Demenz, die nicht mehr sprechen können, bei Menschen, die nach einer Hirnverletzung im Koma liegen oder auch bei Menschen, die im Sterben liegen.

Musiktherapeutin Sandra Lutz spielt auf einer grossen aufgehängten Trommel.
Legende: Mit Musikinstrumenten lässt sich jede Stimmung ausdrücken. ZVG

«Als Musiktherapeutin gehe ich nicht mit einem fixen Konzept in eine Therapiestunde», sagt Sandra Lutz. «Ich hole Patientinnen und Patienten dort ab, wo sie emotional stehen.» Wenn jemand sehr aufgewühlt sei, eigne sich als Einstieg eine Trommelimprovisation besser als ein ruhiges Lied. Wie dann der weitere Verlauf einer Sitzung abläuft, lässt sich gemäss der Therapeutin nicht planen. «Ich begleite und gehe mit, gebe Struktur, wo notwendig, konfrontiere, spiegle, verstärke und stütze.»

«Mit Musiktherapie bin ich schon sehr lange unterwegs»

Als Sandra Lutz im Alter von vier Jahren eine Blockflöte geschenkt bekam, hatte sie keine Ahnung davon, dass sie eines Tages eine der führenden Musiktherapeutinnen der Schweiz werden würde. Beim Blockflötenspielen ist es nicht geblieben. Sie lernte Klavier, Geige, Gitarre und Perkussionsinstrumente. Heute spielt sie beruflich und privat Klavier und Trommel und singt leidenschaftlich gerne.

Sandra Lutz kniet vor einem gelben Strauch in ihrem Garten.
Legende: Sandra Lutz, Musik- und Psychotherapeutin, Supervisorin, Forscherin, Fachbuchautorin und Mutter dreier erwachsener Söhne. ZVG

Nach der Matura stieg Sandra Lutz direkt ins Berufsleben ein und arbeitete eine Zeitlang in der Heilpädagogik. Später liess sie sich zur Lehrerin ausbilden. Die Leidenschaft zur Musik liess sie aber nicht los und sie beschloss, sich zur Musiktherapeutin auszubilden. Ihr Studium absolvierte sie von 1978 bis 1981 in Wien. In der Schweiz gab es damals noch keine Ausbildung.

Musiktherapie war in Ansätzen bereits vorhanden, aber noch wenig strukturiert. In der Schweiz der 60er und 70er Jahre gab es Musikerinnen und Musiker, die in psychiatrischen Kliniken sangen und Musik machten. Ebenso brachten Fachleute aus der Sonder- und Heilpädagogik Musik in ihre Bereiche. Aus diesen ersten Ansätzen heraus entwickelte sich dann nach und nach das, was heute die Musiktherapie ausmacht.

Ausbildung in der Schweiz aufgebaut

Sandra Lutz gehört zu den Pionierinnen, die die Musiktherapieausbildung in der Schweiz entwickelt und etabliert hatten. Zurück von der Ausbildung in Wien im Jahre 1981, gab es noch nichts. Im Jahr 1984 begann sie, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen, die Berufsbegleitende Ausbildung Musiktherapie (bam) aufzubauen, die 2003 in die Hochschule Musik und Theater, später Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), integriert wurde. Die Musiktherapie ist in der Schweiz damit seit vielen Jahren etabliert.

Sendung «Gast am Mittag», 13.05.2021, Radio SRF 1

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen