«Chill dini Base»: Unsere Sprache, unsere Identität

Die Schweiz lebt von der sprachlichen Vielfalt. Und die hat mehr zu bieten als die vier Landessprachen: Dialekte, Fremdsprachen und Slang-Ausdrücke. Politisch sorgt das für Ärger: In welcher Sprache sollen wir miteinander kommunizieren, wenn wir alle anders sprechen? Antworten aus dem Schulzimmer.

Einerseits gibt es die vier Landessprachen. Deutsch sprechen über 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung, Französisch noch knapp 25 Prozent und Italienisch nicht mal mehr 10 Prozent, ganz abgesehen von Rätoromanisch (0,5 Prozent).

Aber in der Schweiz hört man auch Englisch (4,6 Prozent), Portugiesisch (3,6 Prozent), Albanisch (3 Prozent) oder Serbisch/Kroatisch (2,5 Prozent) – von allen weiteren Sprachen ganz zu schweigen.

Eine sprachliche Identität existiert in der Schweiz also gar nicht. Und wenn man die Deutschschweiz isoliert betrachtet, zeigen sich bereits im Dialekt unzählige Unterschiede. «Wenn wir ein einziges Schweizerdeutsch hätten, würde es uns wie den Holländern gehen. Wir hätten auch ein geschriebenes Schweizerdeutsch», sagt Jürg Brühlmann. Er bildet seit Jahrzehnten junge Lehrerinnen und Lehrer aus und ist als Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz (LCH) ständig mit sprachlichen Fragen konfrontiert.

«  In einer neuen Studie sagen 38 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, ihre Identität definiere sich über die Sprache. »

Jürg Brühlmann
Oberster Lehrerausbildner

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«Wir sind die Schweiz»

«DOK», «Tagesgespräch» und die «Regionaljournale» zeigen in ihren Sommerserien, was die Identität der Schweiz ausmacht – im Radio, Fernsehen und online. Zum Web-Special.

«In einer neuen Studie sagen 38 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, ihre Identität definiere sich über die Sprache», sagt Brühlmann. Er plädiert deshalb dafür, dass alle Kinder in der Schweiz eine Mundart lernen sollten. «Sonst ist das Kind benachteiligt im schweizerischen Alltag, weil es als Zugezogenes erkennbar ist», so der Fachmann.

«  Chill dini Base heisst so viel wie: Entspanne dich mal! »

Sekundarschülerin
Amriswil (TG)

Auf dem Pausenplatz sprechen die Schülerinnen und Schüler dann aber oft, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Englisch vermischt sich dabei immer stärker mit der Muttersprache. «Chill dini Base heisst so viel wie: Entspanne dich mal!», erklärt eine Sekundarschülerin aus Amriswil (TG). Die Jugendsprache als weitere Form einer Identität zeigt, dass sich unsere sprachliche Identität während unseres Lebens stetig verändert.