Die Bahnhofsuhr: So Kult, dass sie gar Apple kopiert

Ein kurzer Blick und der Reisende weiss, ob er sich sputen muss. Die Schweizer Bahnhofsuhr zeigt die Zeit so deutlich wie keine zweite Uhr auf der Welt. Die Bahnhofsuhr fürs Handgelenk stellt die Firma Mondaine her. «Swiss Made» in einer globalisierten Welt? «Das geht», sagen die Inhaber.

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Mondaine

Mondaine

Mondaine ist noch heute ein Schweizer Familienbetrieb. Das Unternehmen wurde von Vater Erwin Bernheim in den 1950er-Jahren gegründet. Heute führen es seine beiden Söhne, Ronnie und André Bernheim.

Die Mondaine-Uhren sind ein Stück Schweizer Identität. Das weisse Zifferblatt mit den schwarzen Stundenzeigern und dem roten Sekundenzeiger ist weltweit bekannt. Sogar der amerikanische Computerkonzern Apple hat sie kopiert und damit kurzzeitig die SBB und die Firma Mondaine verärgert. Heute nutzt Apple ein sehr ähnliches Design für die Uhr auf den Handys und Tablets.

Mondaine stellt die Bahnhofsuhr fürs Handgelenk in Biberst her. Doch die Uhrenbranche hat schon bessere Zeiten erlebt. Im letzten Jahr sind die Uhrenexporte erstmals seit 2009 wieder gesunken. Zwar nur leicht, aber für die Branche, die jahrelang nur Marktwachstum erlebte, sind es harte Zeiten. Mitschuld: Der teure Franken. Das spüren auch die Gebrüder Bernheim, die Mondaine heute besitzen.

«  Machen wir einen Fehler, wenn wir hier in der Schweiz rund 10 Millionen Franken investieren? »

Ronnie Bernheim
Mitinhaber Mondaine

«Als wir mitten in der Wirtschaftskrise in Biberist den Spatenstich für unser neues Gebäude tätigten, haben wir uns gefragt: Machen wir einen Fehler, wenn wir hier in der Schweiz rund 10 Millionen Franken investieren?», sagt Ronnie Bernheim. Denn wie so viele andere exportorientiere Unternehmen stehen auch sie in steter Konkurrenz mit den Herausforderern aus billigeren Ländern.

Werte vs. Zahlen

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Mondaine exportiert heute den grössten Teil seiner Uhren. Das Unternehmen ist zwar in der Schweiz verankert, aber global tätig. Das zeigt sich nicht nur an den rund 100 Abnahmeländern, sondern auch an der durchmischten Belegschaft. Dahinter stecke eine Idee, sagt Ronnie Bernheim: «Wenn es uns [bei der Arbeit] nicht gelingt, die verschiedenen Ethnien und Religionen zusammenzubringen, wie können wir dann erwarten, dass es auf der Welt irgendwann friedlicher und vernünftiger zu und her geht?»

Doch der Arbeitsplatz in der Schweiz ist gefährdet. Der teure Franken erschwert die Produktion im Heimatland. Eine Antwort auf die wirtschaftlichen Herausforderungen suchen die Mondaine-Besitzer wie so viele andere in der Automatisierung der Arbeiten. Roboter statt Menschen. «Wir sind ein wirtschaftlich orientierter Betrieb. Wir rationalisieren, was wir können», sagt Ronnie Bernheim.

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