Wo das Radio den Postboten ersetzt

Im Vergleich zum traditionellen Rundfunkempfänger mit Antenne sind die neuen Formen des Radios für noch weniger Menschen erschwinglich. Fast eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zum Radio, während in gewissen Randregionen lokale Radiostationen oft die einzige Informationsquelle sind.

Südamerika: Wo der Pöstler fehlt, gibt es ein Radio

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Welt-Radio-Tag am 13. Februar

Der Tag soll auf die Bedeutung des Mediums aufmerksam machen. Ohne das Radio wären viele Menschen von Informationen ausgeschlossen. Staaten werden an dem Tag dazu aufgerufen, den Zugang zur Informationen über Radio sicherzustellen und die internationale Zusammenarbeit von Radiosendern zu fördern.

In Südamerika sei das Radio ein Medium, das stark zwischen den Gesellschaftsschichten unterscheidet. Während es in den Grossstädten das urbane, meist junge Publikum, mit so genannter Interaktivität belämmert, erfülle es im Hochland Boliviens und Perus soziale Zwecke. In Gegenden, wo kein Pöstler je vorbeikommt, übernehmen Radiostationen eine Art Informationsdienst:

«Hallo Maria, auf dem Postamt soundso liegt ein Brief für dich. Hol ihn bitte ab.» Oder: «Dein Neffe Carlos ist in der Provinzhauptstadt eingetroffen, hol ihn bitte ab.» Diese Sender sind mitunter etwas werbefinanziert. Im Wesentlichen sei es aber ein Dienst am Nächsten, meint SRF-Südamerika-Korrespondent Ulrich Achermann.

Ulrich Achermann Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ulrich Achermann in der Chajnantor-Hochebene. SRF

Im Informationsbereich sind die Leistungen klein. Es gibt kaum investigativen Journalismus, lieber wird nachgebetet, was die Regierung sagt und allenfalls noch, was die Opposition dazu meint. Hier zeigten sich die Schwächen des Privatradios, so Achermann.

Indien: Community-Radio verbindet Menschen

In Indien sind sogenannte Community-Radios interessant, sagt SRF-Südasien-Korrespondent Thomas Gutersohn. Im südasiatischen Staat mit über 1,2 Milliarden Einwohner gibt es knapp fünfzig verschiedene Sprachen und hunderte von Dialekten. Ein Grossteil der Bevölkerung kann nicht lesen und da spiele das Medium Radio eine wichtige Rolle.

Porträt Thomas Gutersohn. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Thomas Gutersohn. SRF

«  In Indien sind Community-Radios ausschlaggebend für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft. »

Thomas Gutersohn
SRF Korrespondent, Südasien

USA: Kein Land von «Dampf und Nudel»-Radiostationen

Amerikaner schauen hauptsächlich Fernsehen. Weit gefehlt, sagt USA-Korrespondent Beat Soltermann. Radio ist in Amerika ein stark genutztes Medium und die Auswahl ist riesig. Vom reinen News-Sender über Radiostationen, die nur Rockmusik, Pop, Country, Bluegrass oder Klassik spielen, bis hin zu sogenannten Talk-Radios. Weniger verbreitet seien «Dampf und Nudel»-Radiostationen, die über alles berichten.

Talk-Radio – eine Spezialität in den USA

Talk-Radios seien eine Besonderheit im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten». In den Sendungen werde das Weltgeschehen jedoch meist einseitig diskutiert und analysiert. Ob links oder rechts – die Programme sind politisch gefärbt, sagt USA-Korrepondent Soltermann.

Podcast – das neue Radio in den USA

Beat Soltermann sitzt in seinem Büro am Schreibtisch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Beat Soltermann. SRF

Egal wo und wann – zeitunabhängig Radio hören boomt in den USA, so dass auch traditionelle Medien, wie die «New York Times» Inhalte als Audio im Netz anbieten. Sogar der ehemalige Chefberater von Barack Obama bringt seine Interviews mit berühmten Persönlichkeiten via Podcast unters Volk. Auffallend sei, dass ein Podcast in der Regel 30 bis 40 Minuten lang ist, sagt Beat Soltermann. Warum? So lang soll das Fitnessprogramm eines Durchschnittsamerikaners dauern.

«  Die Amerikaner versuchen immer alles gleichzeitig zu machen. »

Beat Soltermann
SRF-Korrespondent USA

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