Die Servicetreppe für die Standseilbahn am Niesen ist für die Öffentlichkeit normalerweise gesperrt und wird im Guinness-Buch der Rekorde als längste Treppe aufgeführt. Jonathan Schmid aus Adelboden erklimmt am vergangenen Samstag die 11'674 Treppenstufen am Niesen-Treppenlauf in 55 Minuten und 26 Sekunden und bricht damit den bisherigen Rekord.
SRF: Sie haben den Rekord egalisiert, wie geht es Ihnen heute? Liegen Sie mit Muskelkater im Bett?
Jonathan Schmid: Es geht mir sehr gut. Ich habe keinen Muskelkater. Es war ein super Rennen und ich war schnell erholt.
Die Strecke ist nicht für die Öffentlichkeit. Das heisst, Sie können nicht sechs Mal pro Woche trainieren. Wo trainieren Sie?
Also ich trainiere in Adelboden, wo es bergauf geht oder auch mal querfeldein, irgendwo Richtung Spitz oder Berge. Das ist ein super Training fürs Treppenlaufen.
Beim Treppenlaufen muss man sich bis zum letzten Schritt konzentrieren.
Aber Treppen und Berg-Gelände ist doch etwas anderes?
Die Konzentration ist ganz anders, wenn man einfach bergauf geht und vielleicht mal rechts und links schaut. Beim Treppenlaufen muss man sich bis zum letzten Schritt konzentrieren. Wenn man auf die Seite guckt, kommt man direkt ins Stottern.
Was haben Sie für eine Taktik? Nimmt man am Anfang drei Stufen aufs Mal und am Schluss nur noch eine?
Ich habe den Lauf 2011 das erste Mal gestartet. Das war eine Challenge. Mittlerweile war ich sieben, acht Mal dort. Man probiert immer etwas zu optimieren. Am Anfang bin ich zuerst gelaufen und habe drei Tritte aufs Mal genommen. Vor zwei Jahren bin ich die Strecke in 57 Minuten gelaufen und bin fast alles gejoggt und habe teils zwei Tritte genommen.
Ich habe schon immer die Challenge gesucht.
Dieses Mal bin ich mit hoher Frequenz und schnell ins Rennen gestartet und habe jeden Tritt fast einzeln genommen. Ausser an den Stellen, an denen die an denen die Stufen enger beieinanderlagen.
Sie haben 55 Minuten und 26 Sekunden gebraucht. Also sich 55 Minuten lang konzentriert. Was ist der Reiz an dieser Niesen-Treppe?
Ich habe schon immer die Challenge gesucht. Mit 18 habe ich die 100 Kilometer von Biel gemacht und den Ultra Trail vom Mont Blanc mit 179 Kilometern und 9'900 Höhenmetern. Beim Niesen waren es die 11'000 Tritte, die mich gereizt haben. Das kann man sonst nie machen.
Beruflich sind Sie Pöstler. Sind Sie also der schweizweit schnellste Pöstler?
(schmunzelt) Es gibt sicher auch andere schnelle Pöstler, aber ich denke, wenn man der Wettkampf-Typ ist, spielt das auch eine Rolle. Und ich steige berufsbedingt jeden Morgen 140 Mal aus dem Auto. Das ist immer eine Kniebeuge! Das hilft vielleicht auch beim Treppenlaufen.
Aber das ist nicht so, dass Ihr Beruf Ihnen noch hilft bei Ihrem Hobby, oder?
Alles, wo man sich bewegt, hilft sicher, wenn man Sport macht.
Was ist Ihr nächstes Ziel?
Den Zermatt-Marathon mache ich am 4. Juli. Der ist schon lange mal auf meiner To-Do-Liste. Und natürlich den Vogellisi-Berglauf am 12. Juli in Adelboden. Dort findet dann auch das EM-Rennen statt.
Das Gespräch führte Adrian Küpfer.