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Ritual Wieso suchen wir an Ostern Eier, anstatt sie zu verschenken?

Für viele Familien ist die Eiersuche fester Bestandteil des Osterfestes. Warum das Suchen von Osternestern für Kinder so wertvoll ist und auch Erwachsene berührt.

«Vorfreude spielt bei Kindern eine wichtige Rolle: Die Läden sind Wochen zuvor voll mit Ostersachen und in Kindergärten und Schulen wird gebastelt. Ausserdem ist es auch ein Stück kulturelle Identität, die mitspielt», sagt die Entwicklungspsychologin Lidia Truxius.

Beim Suchen des Verstecks erkunden Kinder ihre Umwelt. Das Verstecken der Nester hat viele spielerische Aspekte und fördert ihre Interaktion mit der Umgebung.

Kinder auf der Suche nach den Ostereiern.
Legende: Die Suche sollte dem Alter des Kindes angepasst sein, damit kein Frust aufkommt. IMAGO / imagebroker

Wichtig ist der richtige Schwierigkeitsgrad der Suche. Ein Nest, das sofort gefunden wird, macht ebenso wenig Spass wie eine stundenlange, erfolglose Suche. Die Herausforderung sollte altersgerecht sein und zu einem Erfolgserlebnis führen. «Der Erfolg ist wichtig», erklärt Truxius, «weil Kinder dadurch lernen, dass sie selber wirksam sind. Sie können selber etwas bewirken in ihrer Umwelt.» Dies motiviert sie, auch zukünftig neue Schritte zu wagen.

Ostereierjagd in Murten

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Bereits zum 15. Mal findet in Murten am Ostersonntag die Eierjagd statt. Kinder suchen in Wald und auf Wiesen auf dem Gelände des Centre Löwenberg bei Murten mehr als 6000 Oster- und Schokolade-Eier. Diese dürfen sie anschliessend nach Hause nehmen. 

Der Zauber des Osterhasen

Ostern regt auch die Fantasie der Kinder an. Die Geschichte vom Osterhasen, der die Nester kunstvoll versteckt, spricht besonders jüngere Kinder an. Diese Vorstellungskraft, in der ein magisches Wesen die Eier bringt, ist ein wunderschöner und spannender Aspekt der Kindheit. Auch wenn Erwachsene wissen, dass der Osterhase nicht existiert, ist es das Zulassen dieser Fantasie, das den Zauber ausmacht.

Warum wir an Ostern Eier verstecken

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Warum wir an Ostern Eier verstecken, weiss niemand so genau.

Es gibt verschiedene Vermutungen.

  • Im Mittelalter rief der Papst die Katholikinnen und Katholiken zu einer Fastenzeit auf. In den 40 Tagen vor Ostern sollten sie kein Fleisch und keine Eier essen. Allerdings legen Hennen im Frühling die meisten Eier. Deshalb gab es in der Oster- und Fastenzeit besonders viele Eier. Damit sie nicht faul wurden, kochten die Menschen sie und vergruben sie in der Erde.
  • Eier wurden früher wie Geld eingesetzt. Manche Bauern mussten im Mittelalter jedes Jahr an Ostern einen Teil ihrer Eier an den Landbesitzer abgeben. Einige schummelten dabei, indem sie Eier versteckten, um nicht so viele abgeben zu müssen.

Der Ursprung des Brauchs kann also auch in dieser kleinen Schummelei liegen.

Übrigens färbten die Menschen zu Ostern die Eier schon immer. Zwar nicht bunt, aber rot. Die Farbe half ihnen, die gekochten von den rohen Eiern zu unterscheiden.

Das Ei ist für viele Menschen in verschiedenen Ländern auch ein Symbol für neues Leben und passt auch deshalb gut zu Ostern und zum Frühling, wo Pflanzen und Tiere zu neuem Leben erwachen.

Ostern für Erwachsene: Nostalgie und Zugehörigkeit

Auch für Erwachsene hat Ostern eine grosse Bedeutung. Sie ist stark mit Erinnerungen, Familientraditionen und Ritualen verbunden. «Nostalgie spielt dabei eine grosse Rolle», so Truxius, «und löst sehr viele positive Gefühle aus.» Das Suchen basiert auf einer angeborenen menschlichen Neugier, die uns antreibt, die Welt zu verstehen und Neues zu entdecken. Wenn etwas gefunden wird, werden Glückshormone ausgeschüttet, was das Erlebnis zusätzlich positiv verstärkt.

Rituale wie die Ostereiersuche bieten Vorhersehbarkeit und Halt, indem sie meist ähnlich ablaufen. Besonders wichtig ist die soziale Zugehörigkeit: Ostern findet oft im Familienverbund statt und stärkt das Gefühl, Teil einer Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel zu sein.

Die Wichtigkeit von Ritualen

Für Kinder ist es nicht «schlimm», wenn grosse Rituale wie Ostern oder Weihnachten nicht mitgemacht werden, aber es kann das Gefühl der Zugehörigkeit beeinträchtigen, sagt Lidia Truxius.

Da diese Feste kulturell stark verankert sind und oft auch in Kindergärten oder Schulen vorbereitet werden, fragen Kinder, die diese Rituale nicht erleben, oft nach dem «Warum». Rituale sind somit ein wichtiger Bestandteil der kindlichen Entwicklung und des sozialen Miteinanders.

Tipp für eine besondere Ostereiersuche

Bei schlechtem Wetter bietet sich eine Schnitzeljagd an. Man versteckt Hinweise im ganzen Haus oder in der Wohnung und lässt die Kinder mit Ferngläsern nach ihnen suchen. So sind sie gut beschäftigt, bis sie ihr Osternest oder die Eier gefunden haben.

Die Osternest oder die Ostereiersuche ist somit ein vielschichtiges Erlebnis, das die kindliche Entwicklung fördert, die Fantasie anregt und für alle Generationen positive Emotionen und ein Gefühl der Verbundenheit schafft.

Radio SRF 1, 1.4.2026, 10 Uhr ; 

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