US-Präsident Donald Trump zeigte Anfang der Woche bei einem Besuch einer Autofabrik in Michigan einem Arbeiter den Stinkefinger – begleitet von einem «f*** you». Der Mann soll ihn lauthals beleidigt haben, heisst es, und ihn als «pedophile protector», also Pädophilen-Beschützer bezeichnet haben. Trumps Reaktion kommentierte das Weisse Haus in einer Stellungnahme als «angemessen».
Nun, Trumps ausgestreckter Mittelfinger steht alles andere als alleine stramm. Eine ganze Reihe prominenter Persönlichkeiten haben diese nonverbale Beleidigungsform in der Öffentlichkeit bereits angewendet.
Robbie Williams singt «gratis» in Russland
Als Robbie Williams 2018 bei der Eröffnungsfeier der Fussball-WM in Russland aufgetreten ist, sorgte dies in seiner Heimat für einen medialen Shitstorm. Er «verkaufe seine Seele» an «Diktator» Putin, kritisierten beispielsweise Aktivisten. Robbie reagierte auf seine Art.
Der Entertainer reicherte eine Zeile im Song «Rock DJ» mit den Worten «I did this for free» an – er habe gratis gesungen. Daraufhin durften zehntausende Fans im Stadion und Abermillionen vor den TV-Geräten den ausgestreckten Mittelfinger seiner linken Hand bestaunen.
Mittelfinger sind im Pop-Sektor keine Seltenheit: Von Britney Spears über Eminem bis zu Rihanna und Adele sind zahlreiche Beispiele bekannt – teilweise inszeniert, teilweise spontan. Adressaten der Geste der Popstars sind meist Medien, Kritiker oder Paparazzi.
Viele Mittelfinger im Fussball
Sämtliche Stinkefinger im Zusammenhang mit Sport aufzuzählen, würde die Länge dieses Artikels sprengen. Wir beschränken uns daher auf den Fussball. Der ehemalige deutsche Mittelfeldspieler Stefan Effenberg hat seinen Mittelfinger an der WM 1994 den eigenen Fans gezeigt, da sie ihn ausgepfiffen hatten.
Er wurde daraufhin aus dem Kader geworfen. Alex Frei, vor zwei Jahren noch Aarau-Trainer, wurde für die gleiche Geste an die Adresse der FC Baden-Fans für drei Spiele gesperrt.
Auch Ottmar Hitzfeld hat seinen längsten Finger schon der Öffentlichkeit präsentiert. Beim 1:1 WM-Quali-Spiel gegen Norwegen 2012 – aus Wut und Frust über den Ausgleich und das Resultat.
Hitzfeld entschuldigte sich. «Die Geste von mir war unnötig und ist aus den Emotionen heraus passiert, weil ich stinksauer war.» Trotzdem: Die FIFA taxierte des Trainers Mittelfinger als Verstoss gegen die Fairplay-Regeln und sprach zwei Spielsperren aus.
Das sind Trumps Mittelfinger-Vorgänger
Zurück zur Politik: Deutschlands Ex-Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück liess sich 2013 im Vorfeld der Wahl gar mit ausgestrecktem Stinkefinger ablichten – fürs Cover des Magazins der Süddeutschen Zeitung. Der Finger, der seinen Kritikern galt, hievte Steinbrück allerdings nicht ins Kanzleramt.
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Bild 1 von 3. Geste in Richtung Kritiker: Peer Steinbrück auf der Titelseite des Magazins der Süddeutschen Zeitung. Bildquelle: Getty Images/Adam Berry.
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Bild 2 von 3. Finger gegen Rechts: Sigmar Gabriel reagiert auf Parolen von Vermummten. Bildquelle: twitter/@morgenpost.
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Bild 3 von 3. Meister der Provokation: Der ehemalige italienische Politiker Silvio Berlusconi zeigte sich mehrfach mit ausgestrecktem Mittelfinger in der Öffentlichkeit. Bildquelle: Keystone/OTHMAR SEEHAUSER.
2016 entgleiste dem damaligen deutschen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel der Mittelfinger. Vermummte störten einen öffentlichen Auftritt des Politikers mit rechten Parolen. Die Geste wurde im Netz einerseits mit viel Lob, andererseits auch mit Schimpf und Schande kommentiert.
Auch der 2023 verstorbene ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi packte den Mittelfinger hin und wieder aus. Auch er provozierte damit unter anderem seine Gegner.