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Trotz Drohnen Was macht die Schweiz zum Helikopterland?

Sie versorgen Hütten, fliegen Rettungseinsätze und transportieren Lasten dorthin, wo keine Strasse hinführt: Helikopter sind aus den Schweizer Bergen nicht wegzudenken. Doch wie nachhaltig ist das System – und was kommt danach?

Schon seit Stunden hängen sie in der Felswand fest – verzweifelt und abgeschnitten. Dabei hatten sie doch an alles gedacht. Ein abrupter Wetterumschwung machte den beiden Bergsteigern einen Strich durch die Rechnung.

Die Hoffnung naht per Helikopter. Das Rettungsteam greift ein: professionell geschult, beherzt – und mit einem Quäntchen Risiko im Hinterkopf.

Die Lastesel der Alpen

Die Luftrettung ist eine der wichtigsten Aufgaben der Helikopter. Ebenso versorgen sie im Sommer SAC-Hütten mit Lebensmitteln und Material, im Winter bringen sie Nachschub in Skigebiete. Auch bei Lawinenverbauungen oder beim Holztransport in schwer zugänglichen Wäldern sind sie unverzichtbar.

Fakt ist: Viele Regionen der Schweiz wären ohne sie schlicht aufgeschmissen. Nicht zuletzt gelten Helikopter deshalb als «Lastesel der Alpen».

Weltspitze dank Training und Technik

Dass die Schweiz in der Helikopterbranche zur Weltspitze gehört, hat viel mit Ausbildung und Innovation zu tun. Pilotinnen und Piloten trainieren heute auf hochmodernen Simulatoren.

Der Aufwand zahlt sich aus: Schweizer Crews gelten international als besonders präzise und sicher – gerade bei anspruchsvollen Rettungs- und Lastenflügen.

Ein Schweizer Helikopter ist in Planung

Erstaunlich ist, dass in der Schweiz bislang keine Helikopter in Serie gebaut wurden. Das könnte sich bald ändern. In Mollis im Kanton Glarus arbeitet die Firma Kopter seit über zehn Jahren an einem neuen Leichthubschrauber.

Mehrere Prototypen wurden bereits entwickelt, noch dieses Jahr soll das Modell serienreif sein. Der Weg dorthin ist anspruchsvoll: Maschinen und Bauteile werden bis an – und über – ihre Belastungsgrenzen getestet, von extremen Vibrationen bis zu simulierten Vogelschlägen.

Sind Helikopter ein Auslaufmodell?

Angesichts von Drohnen und unbemannten Fluggeräten stellt sich dennoch die Frage, ob Helikopter in Zukunft überhaupt noch gebraucht werden. Auch hier wird in der Schweiz geforscht.

Autonome Drohnen könnten künftig als Ersthelfer ausrücken, wenn bemannte Helikopter wegen Wetter oder Dunkelheit noch nicht starten können – etwa um Hilfspakete abzuwerfen oder Lawinenkegel abzusuchen.

Grenzen der Automatisierung

Trotz aller Technik bleibt Skepsis. Wie Menschen bei starkem Wind, schlechter Sicht und komplexem Gelände per Seilwinde gerettet werden sollen, ist mit unbemannten Systemen bislang offen. Erfahrung, Kommunikation und situatives Entscheiden lassen sich nicht einfach automatisieren.

Die Zukunft der Helikopterfliegerei dürfte deshalb hybrid sein: effizientere Maschinen, ergänzende Drohnen – aber weiterhin Menschen im Cockpit, wenn es ernst wird. Denn in den Bergen zählt am Ende nicht nur Innovation, sondern Vertrauen.

SRF 1 «Morgengast», 08.01.2026 07:00 Uhr; SRF 1 Einstein 08.01.2026 21:00 Uhr ; 

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