Was ist das Problem? Überlastete und überfüllte Notfallaufnahmen in den Spitälern sorgen seit Jahren für Schlagzeilen. Die Rede ist von stundenlangen Wartezeiten und überlastetem Personal. Ein Grund: Viele Patientinnen und Patienten gehen wegen Bagatellen oder auch einer simplen Grippe direkt in den Notfall. Ein Vorstoss der GLP will Abhilfe schaffen.
50-Franken-Gebühr soll Notfallstationen entlasten: In der aktuellen Frühlingssession diskutiert der Nationalrat über einen Vorschlag seiner Gesundheitskommission: Wer in der Schweiz eine Notfallstation beansprucht, soll pauschal 50 Franken zusätzlich zum Selbstbehalt bezahlen. Die Gebühr soll Patientinnen und Patienten abschrecken, wegen Kleinigkeiten in eine Notaufnahme zu gehen – und so die Stationen entlasten.
Wer bezahlt eine Notfall-Gebühr? Wer direkt in den Notfall geht, soll einen Zuschlag von bis zu 50 Franken auf den Selbstbehalt zahlen – ausser es liegt eine schriftliche Überweisung durch eine Ärztin, eine Apotheke, ein Telemedizin-Zentrum oder eine kantonale Notfallnummer vor. Ausgenommen wären Schwangere, Kinder und Jugendliche sowie Personen, die mit dem Krankenwagen oder Rettungsdienst eingeliefert werden.
Wäre der Zuschlag obligatorisch? Nein. Die Vorlage sieht keinen schweizweiten Zwang vor. Die Kantone könnten freiwillig darüber entscheiden. Besonders Bern und Zürich hätten in der Vernehmlassung Interesse signalisiert, sagt GLP-Nationalrat und Pflegefachmann Patrick Hässig gegenüber SRF.
Was sagen Befürworter des Vorstosses? Die Notfallstation zähle zu den teuersten Einrichtungen unseres Gesundheitswesens. Sie sollte nur bei schweren Verletzungen und Erkrankungen aufgesucht werden – nicht bei jedem «Bobo». Die Gebühr solle Betroffene auf die Frage sensibilisieren, ob der Notfall für ihr medizinisches Problem wirklich die richtige Adresse ist. So könnten jene Patientinnen schneller behandelt werden, die den Notfall wirklich dringend brauchen.
Was sagen die Gegner? Aus der Gesundheitsbranche kommt breiter Widerstand. Die Gebühr sei «Pflästerlipolitik»: Die Gebühr würde einen zusätzlichen administrativen Aufwand und Mehrkosten bedeuten. Zudem dürfte die Massnahme lediglich eine bescheidene Wirksamkeit haben. Der Anteil der Bagatellfälle sei von rund 10 Prozent im Jahr 2014 auf 6,4 Prozent im Jahr 2024 gesunken. Das zeige eine Erhebung der Krankenkasse Helsana. Viele Versicherte hätten zudem ein alternatives Versicherungsmodell (Telemedizin, Hausarzt etc.) gewählt und dürften mit Bagatellen gar nicht direkt ins Spital gehen.