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Aktuell 5 Fakten über Albaner, die ihr wissen müsst

Albaner hätten in der Schweiz einen schlechten Ruf, sagen die Albaner selbst, weil die Schweizer zu wenig über sie wissen. Es entstehen Missverständnisse und unvorteilhafte Klischees. Diese 5 Fakten aus der Input-Sendung helfen, Missverständnisse zwischen Albanern und Schweizern zu vermeiden.

Die Flaggen Albaniens und der Schweiz wehten im März 2015 aufgrund eines Besuches des albanischen Parlamentspräsidenten Ilir Meta an der Fassade des Bundeshauses.
Legende: Die Flaggen Albaniens und der Schweiz wehen an der Fassade des Bundeshauses. Keystone

Fakt 1: Albaner kommen nicht aus Albanien

In der Schweiz leben 2015 geschätzt zwischen 200'000 und 250'000 Albanerinnen und Albaner. Albaner sind eine Volksgruppe und keine Nationalität. Weil die Schweizerische Migrationsstatistik aber nach Nationen erstellt wird, weiss niemand genau, wie viele Albaner in der Schweiz leben und wie viele von ihnen eingebürgert sind. Die allermeisten der 200'000 bis 250'000 Albaner in der Schweiz stammen aus Kosovo (ca. 70 Prozent), Mazedonien (ca. 25 Prozent), Südserbien und Albanien selber. Im Jahr 2012 haben gerade mal 1300 Albaner aus Albanien in der Schweiz gelebt.

Fakt 2: Albaner haben Komplexe

Albaner wurden im ehemaligen Jugoslawien unterdrückt und unter der Milosevic-Regierung auch verfolgt. Der Kosovo gilt als Armenhaus des ehemaligen Jugoslawiens. Die Albaner fühlten sich darum bereits in ihrer Heimat minderwertig und diskriminiert. Dieses Gefühl begleitet sie auch heute in der Schweiz.

Hamit Zeqiri, Präsident der Kantonalen Integrationsfachstellen, fordert die Albaner auf, weniger empfindlich und weniger dünnhäutig zu sein. Nicht jede Absage oder Verneinung eines Schweizers an einen Albaner sei eine Diskriminierung.

Fakt 3: Schlechter Ruf der Albaner beginnt anfangs 1990er

Durch die Jugoslawien-Kriege kamen in den 1990er Jahren Zehntausende Albaner in die Schweiz. Dies war nur möglich, weil albanische Gastarbeiter seit den 1960er Jahren in der Schweiz auf dem Bau und in der Industrie tätig waren. Sie konnten ihre Familien in die Schweiz holen. Dieser Familiennachzug musste so plötzlich passieren, dass er nicht planbar war. Dies führte zu grossen Problemen: Sehr viele Albaner kamen auf einmal, Kinder und Jugendliche sprachen kein Deutsch, die albanischen Väter waren plötzlich zu Hause, nachdem sie jahrelang von der Familie, die im Kosovo lebte, getrennt waren. Als zusätzliche Belastung verloren viele albanische Gastarbeiter ihre Jobs durch die Rezession in der Schweiz.

Die Familien erlebten mehr Frust als Freude. Dadurch entstanden grosse Probleme für die Jugendlichen, die dann teilweise auch gewalttätig wurden. Der schlechte Ruf der Albaner geht also auf anfangs 1990er Jahre zurück. Grund sei das sehr unglückliche Zusammentreffen verschiedener negativer Faktoren, sagen der albanische Integrationsfachmann Hamit Zeqiri und Autorin Sarah Gretler, die ein Buch über die Migration der Albaner in die Schweiz geschrieben hat.

Fakt 4: Albaner bleiben definitiv in der Schweiz

Die Albaner, die heute zwischen 20 und 40 Jahre alt sind, wollen nicht mehr zurück nach Mazedonien oder Kosovo. Sie sehen die Schweiz als ihre Heimat, weil sie hier aufgewachsen oder gar geboren sind. Sie sind Teil der Schweizer Gesellschaft und wollen diese mitgestalten. Dieses Umdenken müsse auch bei den Schweizern einsetzen, damit sie die Albaner nicht mehr nur als Temporär-Einwohner dulden, sondern sie als Mitbewohner akzeptieren und nicht mehr diskriminieren würden, fordert Hamit Zeqiri, selbst Kosovare, bei Input.

Fakt 5: Kranke, alte Albaner – die Herausforderung der Zukunft

Alte Albaner sind kränker als alte Schweizer und häufiger pflegebedürftig. Die albanischen Männer haben ihre Körper als Saisonniers in den 1970er und 1980er Jahren geschunden. Die älteren albanischen Frauen sind wegen mangelnder Bewegung oft übergewichtig und haben entsprechende gesundheitliche Probleme. Zudem haben albanische Frauen und Männer häufig psychische Probleme, aufgrund ihrer Erlebnisse während der Kriege der 1990er Jahre. Dies schreibt das Bundesamt für Migration in einem Bericht zu den Kosovaren in der Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Weil die Albaner in der Schweiz nicht wie im Kosovo mit drei Generationen zusammenleben, brauchen die alten Albaner Pflege von Institutionen. Denn die Tochter in der Schweiz ist nicht die Spitex und der Sohn nicht die AHV-Kasse, wie das bei den Albanern in der Heimat üblich ist. Dies werde die Pflegeinstitutionen und sozialen Einrichtungen in der Schweiz fordern, ist der albanische Integrationsfachmann Hamit Zeqiri überzeugt.

KRESH – «De Albaner»

KRESH – «De Albaner 2»

12 Kommentare

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  • Kommentar von Blerim Bytyqi, Neuenhof
    Wir sollten aufhören ein so grosses Theater zu machen. Wenn ich alles auf die Waage lege, was bisher passiert ist, muss ich sagen dass auf beiden seiten übertrieben wird. Den meisten Albanern geht es hier nicht annähernd so schlecht, wie vereinzelte behaupten. Und umgekehrt gibt es auch viel weniger kriminelle Albaner, als oft behauptet wird. Der grösste Teil der Albaner lebt hier friedlich und ist integriert. Am lautesten schreien aber beidseitig Leute, die keine realistische Meinungen haben.
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  • Kommentar von B Salihi, Solothurn
    Schweiz danke! Ohni dich hätte ich zum anfangsauto nicht den neusten BMW 335i bekommen, ohne dich hätte ich nicht so ein neues Haus in albanien, auch nicht den ganzen grundatück den ich habe hätte ich nicht ohne dich! Trotzdem weiss ich heute noch nicht, wäre ich in Albanien aufgewachsen, würde ich heute mehr besitzen oder weniger? Deswegen binn ich nicht umbedingt sehr dankbar. Ich bedanke mich trotzdem für sie gute ernährung und das saubere leben in der Schweiz.
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  • Kommentar von Betim Kelmendi, Baden
    Das stimmt zum teil, man empfindet und/oder bekommt aber auch zu spüren dass die eigene Sprache "minderwertig" sei, und somit auch die eigene Kultur, dies auch von selbst, indem man der eigenen Kultur die schuld für historische, politische und wirtschaftliche Situation im herkunftsland gibt, ein allgemeines Syndrom bei Flüchtlingen. Es ist Komplex, was jedoch wichtig ist, dass man dran bleibt, den glauben nicht verliert und sich treu bleibt. Denn alles ändert sich immer, auch die menschen.
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