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5 Thesen Warum Männer nicht die schlechteren Mütter sind

Mit der linken Hand einen Bären erlegen und mit der rechten Windeln wechseln: Die Ansprüche an Männer sind hoch. Und der «Mama-Mythos» erlebt zurzeit eine erstaunliche Wiedergeburt. Es ist Zeit, unsere Bilder zu überprüfen.

Ein junger Mann mit Sonnenbrille und Kind auf dem Arm macht ein Selfie. Im Hintergrund ein Elefant im Zoo.
Legende: Daddy Cool: Antoine besucht mit seinem Sohn gerne den Zoo. zvg

These 1: Frauen sind Mütter – Männer müssen Väter werden

Frauen können sich dem Muttersein nur schwer entziehen, tragen sie ja das Kind im Bauch und stillen es teilweise auch nach der Geburt. Väter sind heute zwar häufig beim Geburtsvorbereitungskurs dabei und unterstützen ihre Partnerinnen nach Kräften. Diese Schritte gehen sie aber aus freien Stücken. Die Beziehung zum Neugeborenen müssen sie nach der Geburt aktiv aufbauen.

Diese Erfahrung machte auch Antoine Schnegg, Link öffnet in einem neuen Fenster. Er ist Vater eines bald zweijährigen Kindes. Gerade in der Anfangsphase, als die Frau nach dem Mutterschaftsurlaub die Eigenheiten ihres Sohnes besser kannte, habe er sich manchmal überwinden müssen.

«Ich musste ein paar Mal über meinen Schatten springen. Natürlich hätte ich sagen können: ‹Hey, sie macht das doch super! Warum soll ich mich da einbringen?› Aber damit wäre ich meinem Wunsch nach einem präsenten Vater nicht gerecht geworden.»

Der Mann muss sich dafür entscheiden, sich in die Kindererziehung einzubringen. Was zu einem bewussten und reflektierten Umgang mit dem Nachwuchs führt.

These 2: Männer eifern keinem Vatermythos nach

Ein Kind greift seinem Vater mit den Händen in die Haare.
Legende: Colourbox

Mama-Blogs und Mütterratgeber gibt es zuhauf. Die Literatur für Väter steckt da vergleichsweise noch in den Kinderschuhen. Was aber auch Vorteile hat. Denn die viele Lektüre für Mütter trägt dazu bei, dass der «Mama-Mythos» eine erstaunliche Wiedergeburt erlebt.

Für die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm, die im August das Buch «Neue Väter brauchen neue Mütter» veröffentlicht hat, eine gefährliche Entwicklung:

Die Emanzipation ist in den vergangenen Jahrzehnten weit fortgeschritten. Eigenartigerweise hat sich dabei das Bild der Mutterrolle kaum verändert.
Autor: Margrit StammErziehungswissenschaftlerin
Margrit Stamm eine blonde kurzhaarige Frau in blauem Kleid. Schlank.
Legende: Buchautorin Margrit Stamm befasst sich mit dem neuen Bewusstsein der Männer. zvg

Noch immer sei die Idee, die Frau sei von Natur aus die geeignetere Betreuungsperson für Kinder, tief verankert. Diese Überhöhung übt viel Druck auf die Mütter aus. Während Väter weit weniger stark von solchen Vorbildern, denen man nie gerecht werden kann, beeinflusst sind. Sie können ihre Rolle als Vater entsprechend freier interpretieren.

These 3: Väter haben rasant aufgeholt

Ein Mann sitzt lächelnd auf einem Stuhl und gibt seinem Baby, das er auf dem Arm hält, ein Fläschen.
Legende: Colourbox

Gemäss einer Erhebung des Bundesamtes für Statistik haben die Väter in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark aufgeholt, was die Kinderbetreuung anbelangt. 1997 verbrachte ein Schweizer Vater im Schnitt 8,3 Stunden pro Woche mit spielen oder der Körperpflege des Kindes. 2016 waren es bereits knapp 14 Stunden pro Woche.*

Die Männer haben also zugelegt, bestätigt auch Stamm: «Männer machen das meist neben einer Vollzeitstelle. Heute erbringen Väter eine viel grössere Leistung gemessen an der Zeit, als es ihre Väter früher machten.»

Es sei aber auch gesagt, dass die Mütter ebenfalls die Zeit für Kinderbetreuung erhöht haben. Von 13,6 Stunden pro Woche (1997) auf 22 Stunden. Frappant ist also vor allem die Gesamtzunahme; heute widmen sich Eltern viel stärker ihren Kindern als noch vor zwanzig Jahren. Zwar haben die Väter prozentual stärker zugelegt, verbringen pro Woche aber immer noch rund acht Stunden weniger mit dem Nachwuchs als die Mütter.

These 4: Job und Familie? Keiner jammert!

Ein Mann kniet auf der Strasse runter zu einem Kinderwagen und lächelt ein kleines Kind an.
Legende: Colourbox

Schweizer Männer sind Vollzeitarbeiter: 89 Prozent arbeiten fünf Tage die Woche. Was auf den ersten Blick kein Merkmal dafür ist, dass sie gute Väter sind. Aber es zeigt, dass sie Beruf und Familie unter einen Hut bringen – ohne grossen Aufschrei.

Ein guter Vater wird landläufig an der Präsenz gemessen. Die Forschung zeigt jedoch, dass auch ein Vater, der Vollzeit arbeitet, ein guter Vater sein kann.
Autor: Margrit StammProfessorin

Die Quantität sei nicht entscheidend. Wichtig sei, dass Väter eigene Herangehensweisen entwickeln in der Zeit, die sie mit dem Kind verbringen.

Männer jammern nicht über die Schwierigkeiten der Vereinbarkeit von Arbeit und Kindererziehung. Und haben auch weniger Mühe, sich abzugrenzen.

These 5: Loslassen leicht gemacht

Ein Mann mit langen Haaren und Sonnenbrille trägt einen kleinen Jungen im Tragtuch auf dem Bauch.
Legende: Colourbox

Während viele arbeitende Mütter, gefragt werden, ob es ihnen nicht das Herz breche, das Kind am Morgen zu verlassen, richtet sich diese Frage erstaunlich selten an Männer. In dieser Ungleichbehandlung zeigt sich erneut das traditionelle Bild, die Mutter sei die primäre Bezugsperson, der Vater Juniorpartner in der Erziehung.

Der Vorteil, den die Väter aus dieser überholten Vorstellung ziehen können? Sie hätten weniger Mühe, sich zu lösen, so Stamm. «Ein Mann kann offener sagen: ‹Ich brauche neben dem Haushalt eine intellektuelle Herausforderung.› Ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu bekommen.»

Es würde auch den Müttern helfen, wenn sie zuhause besser loslassen könnten und – statt den Mamamythos erfüllen zu wollen – einer erfüllenden Tätigkeit ausserhalb der Kindererziehung nachzugehen.

SRF-Redaktor Dominik Steiner befasst sich in der aktuellen Ausgabe unseres Podcasts «Input Kompakt» mit der Rolle des Vater-Daseins.

(*Quelle: Erhebung «Familien in der Schweiz. Statistischer Bericht 2017, Link öffnet in einem neuen Fenster» vom Bundesamt für Statistik.)

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