Best of 2013: «World Music Special»

Jeden Donnerstag hören wir im World Music Special Musik aus der weiten Welt. Zum Jahresende haben wir die drei schönsten Alben noch einmal für euch ausgegraben. Unsere Liebsten sind: Oum, Mad Manoush, Canzoniere Grecanico Salentino.

Oum - «Soul of Morocco»

Ein Album wie ein Weckruf! Die Marokkanerin Oum schafft, was vor ihr niemand geschafft hat: Die vollkommene Synthese von Westpop und Orient. Und das nicht nur musikalisch, sondern auch visuell. Das Album des Jahres 2013 schlechthin. Nur: es ist ausschliesslich in Marokko und Frankreich überhaupt zu finden. Und im World Music Special auf SRF 3.

Dass Marokko sich mehr und mehr zum interkontinentalen Musik-Hotspot entwickelt, das war uns im World Music Special schon lange klar. In dem Land zwischen Atlantik und Mittelmeer, zwischen Wüste und Hochgebirge, am Kreuzweg von Nord und Süd, Ost und West beherrscht man die Kunst des Verschmelzens von Gegensätzen wie nirgends sonst, und das zeigt Oum aufs Eindrücklichste. Irgendwo zwischen Neneh Cherry, Katie Melua und Oum Kalsoum, ist Oum aber auch voll und ganz ein Kind der Videogeneration. Mit Erscheinung und Kostümen spielt sie so stilsicher wie mit ihrer unglaublich ausdrucksstarken Stimme. Bis hin zum perfekten Albumtitel: Soul aus Marokko - aber auch Seele Marokkos.

Mad Manoush - «Train to New Orleans»

Mit fast allen Musikwassern gewaschen zeigt sich Egon Egemann mit seinen spinnerten Zigeunern (=Mad Manoush) von der buntesten Seite. Der World Music Special wartet nur darauf, dass sich ein Mad Manoush-Titel zum weltweiten Superhit entwickelt. Das Zeug dazu haben diverse dieser Songs.

Ob fetziger Latino-Tanzhit, ob swingiger Zigeunerjazz, gmögige Poprhythmen, Songs zum Mitträllern oder gar südafrikanisch inspirierte Kabinettsstückchen auf der Geige – hier wird’s einem nie langweilig. Eine sexy Frauenstimme hier und da tut das ihre. Der Perfektionist Egemann hat das Album selbst produziert, und beherrscht auch diese Kunst bis zum Punkt, wo die Perfektion spielerisch-beiläufig daherkommt. Das Album nicht nur für den fröhlichen Feierabend, sondern auch für die Tanzparty!

Canzoniere Grecanico Salentino - «Pizzica indiavolata»

Italien, wie wir es lieben und verabscheuen, heiss, archaisch, dreckig, voll uralter Kultur. Und betörend schön. An dem unmöglichen Namen der Band haben wir uns im World Music Special auch beim 20. Mal die Zunge verstaucht. Aber irgendwie passt er trotzdem. Aus dem Lautsprecher quillt eine Welt, auf die wir nicht mehr verzichten können.

Nirgends ist Afrika Europa näher als in Süditalien. Wen wundert’s, dass man dort noch wilde Zaubertänze zur Bannung der giftigen Spinne vollführt? Vor verratener Liebe stirbt? Dem Feind den bösen Blick anwirft? Die Canzoniere gibt es seit Jahrzehnten. Die neue Generation versteht es, Poesie, Leidenschaften, Traditionen des Stiefelabsatzes (=Salentino) im dritten Jahrtausend wachzuhalten und weiterzuentwickeln. In all ihrer Schönheit!