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Tatort – Der Elefant im Raum
Aus Schweizer Film vom 27.10.2019.
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Letzter «Tatort» aus Luzern Flückiger und Ritschard verabschieden sich mit einem Knall

Wer beim letzten «Tatort» aus Luzern auf einen leisen Abgang des Ermittlerduos gehofft hat, wird nach «Der Elefant im Raum» enttäuscht sein. Die finale Folge aus der Zentralschweiz setzt die Latte für die Nachfolger aus Zürich hoch.

Was macht eigentlich einen guten «Tatort» aus? Ist es die Suche nach dem Mörder? Sind es die verschiedenen Fährten, die das Drehbuch immer wieder legt, um den Zuschauer schliesslich doch zu einem komplett anderen Ziel führen zu können? Ist es die verstrickte Beziehung innerhalb des Ermittlungsduos, wie wir es von den Kollegen aus Deutschland kennen (und lieben)?

Das Patentrezept gefunden

Dem Schweizer «Tatort» hat man oft vorgeworfen, dass er auf der Handlungsebene zu lange rumeiert, dass sich Dialoge hinziehen wie Kaugummis und dass sich die Regie eher auf möglichst spektakuläre Beziehungsmuster als auf Spektakel auf dem Bildschirm fokussiert. Tom Gerber (u.A. «Der Bestatter») hat für die letzte Episode um Flückiger/Ritschard das Patentrezept für einen packenden «Tatort» gefunden: Direkt hinein in die Handlung. Keine Tabus. Und keine Scheu vor aktuellen Themen. Das macht als Zuschauer Lust auf die kommenden 90 Minuten.

Die DS Unterwalden brennt schon zu Beginn. Die Handlung ist lanciert.
Legende: Direkt rein ins Geschehen: Die DS Unterwalden brennt schon zu Beginn. Die Handlung ist lanciert. SRF/Daniel Winkler

Gerber startet seinen ersten «Tatort» mit einem bekannten Krimimotiv: Eine illustre Gesellschaft ranghoher Polit-Tiere aus der Rüstungsindustrie trifft sich auf einem Raddampfer zum Diner, als nach einer Auseinandersetzung zwischen dem Patron und seinem Widersacher, einem Kantonsrat, plötzlich der Strom ausfällt und der unbekannte Täter mittels Leuchtpetarden das Schiff in Brand setzt. Der Kantonsrat verschwindet. Die Story ist lanciert. Bereits kurz nach dem Anschlag taucht die Redaktion des alternativen Nachrichtenmagazins «Veritas News» in der Nähe des Tatorts auf. Wieso so schnell? Kommisar Reto Flückiger wird misstrauisch.

Gubser
Legende: Auffallend schnell: Bereits kurz nach dem Anschlag erscheint ein Reporter-Team des Alternative-Fakten-Magazin «Veritas News» am Tatort. SRF/Daniel Winkler

Wem kann man heute noch trauen?

Rüstungsindustrie, ein Kommisar, der selbst am Tatort ist und ein «Wikileaks»-ähnliches Medium - was auf den ersten Blick als verworrenes Durcheinander wirken mag, macht spätestens auf den zweiten Blick durchaus Sinn. Die grosse Frage, die «Der Elefant im Raum» stellt: Wem kann man eigentlich noch trauen? Der Polizei, den Medien, der Politik - oder schliesslich nur noch dem eigenen Menschenverstand? Die Wahl fällt auf Letzteres. Kommisar Flückiger ist es schliesslich, der gemeinsam mit der wunderbar aufspielenden Assistentin Corinna Haas Licht ins Dunkel bringt. In Eigenregie - und natürlich nicht, ohne seinen Job vor der eigentlichen Entschlüsselung des Falls ein für alle Mal an den Nagel zu hängen.

Die SRG fördert den Schweizer Film

Die SRG unterstützt den Schweizer Film jährlich mit 27,5 Millionen Schweizer Franken. SRF hat unter anderem «Wolkenbruch», «Zwingli», «Platzspitzbaby» und «Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes» koproduziert.

Ein Cast, an dem man sich aufreiben kann

Zum Patentrezept einer mehr als gelungenen Abschiedsode an Luzern gehört ein charakterstarker Cast. Auch hier hat Regisseur Gerber ein gutes Händchen bewiesen: Während der arrogante «Veritas News»-Chef Frédéric Roux noch etwas überzeichnet ist (was nicht zuletzt aber für maximales, erfüllendes Unbehagen beim Zuschauer führt), brilliert vor allem das Duo Andrea Zogg/Manuel Löwensberg alias Planker Sr. und Jr. als Vater-Sohn-Gespann aus der dunklen Elite der Schweizer Rüstungsindustrie. Zwei herrlich-widerwertige Gesellen, die während der gesamtem Folge auf dem schmalen Grad der Legalität tanzen und sich hüten müssen, dass weder Presse noch Polizei von ihren dunklen Machenschaften Wind bekommen.

Nebst Stefan Gubser als Kommisar Reto Flückiger muss man aber vorallem Aaron Hitz als Christian Streuli hervorheben. Als unzufriedener, sich als betrogen fühlender, einfacher Bürger und Steuerzahler ist er es schliesslich, der sowohl der der letzten Folge aus Luzern Sinn und eine gehörige Portion Punch verleiht. So sehr, dass sich das Ermittlerduo schliesslich mit einem waschechten Knall von der «Tatort»-Bühne verabschieden und in den Ruhestand verabschieden kann.

Aaron Hitz als Christian Streuli (rechts).
Legende: Gibt dem «Tatort» den letzten Punch: Aaron Hitz als Christian Streuli (rechts). SRF/Daniel Winkler

Das finale Urteil

«Der Elefant im Raum» hat mit seinen vielen Handlungssträngen, seinem unbedingten Willen hin zur Aktualität und dem Fakt, die letzte Folge eines Ermittlerduos zu sein, viel versprochen - und alles gehalten. Wer sich über die (unbeantwortete) Frage aufregt, wem man denn nun eigentlich trauen könne - der Politik, der Polizei oder den Medien - der soll sich ruhig weiter aufregen. Denn: Wir werden es nie wissen. Worüber wir uns aber sicher sein können: Die Latte für das kommende Duo Tessa Ott/Isabelle Grandjean liegt sehr hoch.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Jonas Gloor  (diskursanalyse)
    Er geht ihm wiederholt auf den Leim. Fällt auf die gleiche Masche rein. Zwischen einer unfehlbaren Instanz und einem Trottel gäbe es noch reichlich Spielraum. Ich wollte sie nicht beleidigen und habe aus einem Unglauben heraus meine erste Replik formuliert.
    Unglauben darüber, dass dieser Text auf der Seite erscheint.
    Beste Grüsse und machen Sie es das nächste Mal besser
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  • Kommentar von Jonas Gloor  (diskursanalyse)
    DIe Komissare führen ohne Not einen verfahrenstechnischen Blödsinn nach dem Anderen vor (Einbrechen, dem Guerillajourni wiederholt auf den Leim kriechen, den Verdächtigen Ohrfeigen, ohne Partner auf Verbrecherjagd gehen, Ermittlungsakten aushändigen), Sie verlieren dadurch jede Gravitas und erscheinen als Witzfiguren. Der böse Guerillajourni overacted dermassen ins Unermessliche, (maliziöse Blicke in Richtung Zuschauer hehe), dass es comedy Potential hat. uvm. der Platz wird knapp...
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    1. Antwort von Laszlo Schneider (SRF 3) (SRF)
      Lieber Jonas, bitte entschuldige, das Aufschalten von Kommentaren dauert manchmal eine kurze Weile. Zu Deinen handlungstechnischen Beanstandungen: Wieso darf ein Kommissar einem Journi nicht auf den Leim gehen? Muss er für den Tatort stets als unfehlbare Instanz gelten? Man darf (und soll!) sich an Flückiger/Ritschard ja bitte auch reiben können, eben gerade WEIL sie (in Bezug auf den gestrigen Tatort) teilweise von allen guten Geistern verlassen sind. Und beispielsweise in Eigenregie auf Verbrecherjagd gehen. Ich glaube, den Tatort kann man schlecht mit der Realität vergleichen. Da hält sich die Justiz hoffentlich an die Regeln;) Und zu guter Letzt zu Journalist Roux: Ich schreibe in meiner Kritik ja auch, dass ich ihn als einzigen Charakter überzeichnet finde. Ich glaube, das stimmt mit Deiner Wahrnehmung überein, oder? Liebe Grüsse, Laszlo Schneider
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  • Kommentar von Jonas Gloor  (diskursanalyse)
    Etwas vom Lausigsten, ein schlechter Tatort ginge ja noch, aber ein Hofberichterstatter, der den Leser hinters Licht führt und von einem gelungenen Tatort spricht, finde ich unwürdig für ein SRF. Dann lieber nichts schreiben. (Bitte unabhängige Kritiken zu Rate ziehen und mit dieser Kritik vergleichen.)
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    1. Antwort von Laszlo Schneider (SRF 3) (SRF)
      Lieber Jonas, danke für Deinen Kommentar. Ich erlaube mir, ihn als Autor der Kritik gerade selbst zu beantworten. Ob ein «Tatort» (oder ein Film, eine Serie) gelungen ist, liegt meines Erachtens immer noch im Auge des Betrachters, oder? Dass ich selbst beim Co-Produzenten der letzten Folge arbeite, hat – das kann ich Dir gerne versichern – nichts mit meiner Bewertung zu tun. Gibt es denn objektive Gründe, wieso diese Folge schlecht gewesen sein soll? Liebe Grüsse, Laszlo Schneider
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