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Liebe lernen: «Sex ist nichts zum auswendig lernen»
Aus Input vom 16.05.2021.
abspielen. Laufzeit 36:02 Minuten.
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Sexualaufklärung Liebe Eltern, so wollen eure Kinder aufgeklärt werden

Offen und ehrlich über Sex zu sprechen, fällt nicht allen leicht - erst recht nicht mit den eigenen Kindern. Darum haben wir Jugendliche gefragt, was sie sich wünschen, wenn es um Aufklärung geht.

Es kann sich rächen, wenn Eltern nicht oder zu spät mit ihren Kindern über Sexualität zu sprechen. Via Handy sind explizite und pornografische Inhalte nur einen Klick entfernt. Aber wie sagt man es Kindern und Jugendlichen? Wir haben junge Menschen gefragt, wie sie es gerne hätten.

1. Hört auf, wie aus einem Sachbuch zu rezitieren

André (18) findet, dass Sexualkunde auch den emotionalen Aspekt näherbringen muss und nicht nur biologisch erklären soll: «Es ist wie aus einem Sachbuch, wenn wir darüber reden. Sex ist nichts, was wir auswendig lernen. Es ist viel mehr – etwas, vom Schönsten, das es gibt. Trotzdem lernen wir es so, wie wir etwas über einen Baum lernen. Ein Baum ist auch toll, aber es ist trotzdem etwas anderes, cheggsch?»

Laura (22) wünscht sich, dass in der Schule Themen rund um Liebe, Beziehung und Sexualität als etwas ganz Normales behandelt werden:

«Die ideale Sexualaufklärung müsste nicht einmal als Sexualaufklärung betitelt werden und liesse sich so einfach in Unterricht einbauen. Einen Aufsatz schreiben? Warum kein Aufsatz über Emotionen! Ein Buch lesen? Warum nicht eines, in dem queere Leute involviert sind oder Masturbation benannt wird! Warum nicht im Englisch darüber reden? Oder gar in Mathe? Warum nicht mal statt Herrn Sowieso eine non-binäre Person fünf Äpfel kaufen lassen?»

2. Sprecht es an, wenn bei eurem Kind ein Thema akut ist

Vera (23) ist Teil des Jugendnetzwerks von Sexuelle Gesundheit Schweiz und klärt selbst junge Menschen auf. Sie empfiehlt, dringende Gespräche unbedingt zu führen: «Mich hat neulich eine Mutter um Rat gefragt, die von ihrer Tochter beim Sex erwischt worden ist und meint, ihre Tochter sei nun traumatisiert. Die Tochter ist 13 - sie weiss, dass es Sex gibt. Die Frage ist aber: Was hat sie mitbekommen?»

Das Jugendnetzwerk

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Das Jugendnetzwerk

Vera, Sofia und Laura engagieren sich beim Jugendnetzwerk , Link öffnet in einem neuen Fenstervon Sexuelle Gesundheit Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Beim Jugendnetzwerk engagieren sich junge Menschen unter 25 Jahren und setzen Projekte zur Förderung der sexuellen Gesundheit um. In der aktuellen Inputfolge erklären sie, wie sie sich aufgeklärten Sexualkunde vorstellen.

Pornografie etwa kann junge Menschen sehr fest prägen und Angst machen. Macht meine Mutter das, was ich im Film gesehen habe? Wenn die ersten Kontakte mit Pornografie sind, kann es schädlich sein für das Bild von Sexualität. Dann muss man es unbedingt ansprechen, auch wenn es unangenehm ist: «Es fühlt sich seltsam an, mit dir darüber zu sprechen. Aber ich möchte, dass du weisst, dass es meine Lust ist, dass ich es schön finde», meint Vera. Ich möchte nicht generalisieren, wie Kinder aufgeklärt werden sollen. Aber akute Situationen nicht zu thematisieren, ist gefährlich.»

3. Was sollen die veralteten Rollenbilder?

Luca (23) wünscht sich modernere Ansätze: «Etwa, dass Verhütung nicht nur Sache der Frau ist». Vera findet, Aufklärung sei heteronormativ: «Brauche ein Kondom, dann wirst du nicht schwanger! Toll, aber wie sollen sich zwei Frauen schützen, die gemeinsam Sex haben wollen?»

4. Kein Bock auf Tabus

Sofia (25) erklärt, dass sich bis heute gewisse Tabus hartnäckig halten: «Weibliche Lust ist ein Tabu. Wir hätten nie darüber geredet, dass auch wir Selbstbefriedigung machen». Auch queere Themen fänden zu wenig Platz: «Bei queeren Themen gibt es heute mehr Sichtbarkeit, aber sie ist immer noch zu wenig da. Man gilt noch immer als etwas anderes – und das wollen (queere) Kinder und Jugendliche nicht sein.»

Aufklärung beginnt daheim und ist mehr als das «eine Gespräch»

Kinder und Jugendliche müssen nicht mit ihren Eltern über alles reden wollen – aber es ist wichtig, dass sie wissen, dass sie es tun könnten. Aufklärung ist auch viel mehr als dieses eine Gespräch, in dem erklärt wird, wo die Babys herkommen. Aufklärung ist ein Kontinuum, weil jedes Alter andere Fragen mit sich bringt.

Lernen vom Profi

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Mathias Schörlin
Legende: Mathias Schörlin

«Der erste Ort, wo über Sexualität geredet werden muss, ist das Elternhaus», sagt Sexualpädagoge Mathias Schörlin, der als externe Fachperson Schülerinnen und Schüler ab der 6. Klasse aufklärt:

«Aufklärung ist nicht immer gleich Sex, Penis und Vagina. Aufklärung beginnt viel früher: Wie nehme ich meinen Körper wahr? Wie kann ich mich äussern? Wie kann ich mich abgrenzen?

Schörlin vergleicht, wie Eltern und Schule über Aufklärung sprechen mit der Art und Weise, wie wir mit Kindern und Jugendlichen über den Umgang mit digitalen Medien sprechen: «Man beginnt nicht bei Pornos, sondern steigt niederschwellig ein- etwa, was ein respektvoller Umgang in einem Klassenchat bedeutet. So geht es weiter bis zu sexuellen Themen – wie gehen wir respektvoll miteinander um?»

Wenn Sexualpädagoge Mathias Schörlin Schulklassen aufklärt, fällt er nicht mit der Tür ins Haus. Erst muss die Atmosphäre stimmen, bevor sich die Klasse traut, intime Fragen zu stellen.

Schörlin beginnt seinen dreistündigen Unterricht spielerisch, zum Beispiel, in dem er eine menschliche Silhouette auf ein Flipchart zeichnen, welche die Jugendlichen ergänzen – mit Körperteilen von Augen über Bauchnabel zu Genitalien bis hin zu Tattoos oder Lippenstift in einem Männergesicht. So kämen sie spielerisch auf Themen wie Rollenbilder, Penisgrösse oder den Umgang mit Pornografie, je nachdem, welche Fragen die jungen Menschen gerade beschäftigen.

In der aktuellen Inputsendung gibt der Sexualpädagoge Einblick in seine Arbeit.

Wie sagt ihr es den Kindern?

Was antwortet ihr euren Kindern, Nichten oder Göttibuben, wenn sie explizite Fragen stellen? Wenn sie im Zoo fragen, was die beiden Schildkröten aufeinander machen? Warum Mami manchmal Blut in der Unterhose hat? Oder was das für Geräusche waren, die in der Nacht aus dem Elternschlafzimmer kamen?

Eure Erfahrungen interessieren uns – die Kommentarspalte gehört euch!

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Aaron Dettwiler  (Aaron1984)
    Genau das ist Blödsinn. Aufklärung ist natürlich wichtig und eine Sexualmoral wie in den 50ern wird auch nicht mehr vermittelt. Aber nie
  • Kommentar von Hannes Wenger  (Lammfleisch)
    Der Titel des Artikels verspricht Antworten, welche nicht geliefert werden. Und "queere Themen" sehe ich nicht unbedingt als das Dringendste, was ich meiner 9-jährigen Tochter über Fortpflanzung erzählen muss.
  • Kommentar von Esther Tanner  (Esther Tanner)
    ich glaube nicht, dass Die Kinder so aufgeklärt werden wollen. ich denke eher es ist wieder einer der vielen Lügen der regierenden Erwachsenen ist, die uns wieder so ein dummes Zeug einreden wollen :(