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Aktuell SRF 3 Chefsache im Vatikan: «Ja, es gibt Gardisten-Groupies»

Wenn der Papst einen Leibwächter braucht, dann ist das ein Fall für den Chef. Daniel Anrig, Kommandant der Schweizergarde, übernimmt. Das mit den Groupies hat uns ein Gardist verraten.

Das erste Lächeln des Tages spart sich Daniel Anrig für nach der Frühmesse auf. Wir treffen ihn vor der Gardekirche San Martino e Sebastiano. Es ist Punkt 6 Uhr früh. Nach kurzem Gruss marschiert Anrig schnurstracks in die vorderste Bank der Kirche.

Sie ist klein. Vielleicht 5 Bankreihen. Darin finden zwei, drei Mal pro Woche Frühmessen statt. Sie dauert dieses Mal 40 Minuten. Im Schnellschritt marschiert Anrig aus der Kirche. Der Mann ist auf Zack. Das ist insofern bemerkenswert, als dass er einer der wenigen Cheffen ist, die bei der SRF 3 Chefsache nicht Morgenjogging als bevorzugte Hallo-Wach-Methode abfeiern.

Spazierfahrt durch 20'000 Gläubige

Daniel Anrig bei einer Zeremonie im Jahr 2009.
Legende: Strenger Blick: Daniel Anrig bei einer Zeremonie im Jahr 2009. Keystone

Ganz ohne Bemerkung zum Joggen geht’s dann zwar doch nicht. «Im April jogge ich gerne am Nachmittag. Dann sind die Bedingungen perfekt». Bis am Nachmittag wird er auch schon ein währschaftes Stück seiner To-Do-Liste abgehakt haben.

Ein selber gekochter Kaffee aus seiner Mokka-Kanne, eine Stippvisite beim Antrittsverlesen der Gardisten, und - nicht zu vergessen – ein Einsatz als Leibwächter für den Papst. Personenschutz heisst das heutzutage akkurat. An der Seite von Papst Franziskus macht er sich auf den Giro. So nennen sie im Vatikan die päpstliche Spazierfahrt im Papamobil durch die 20'000 Gläubigen, die den Petersplatz während dieser Generalaudienz bevölkern.

Jesus will Papst sprechen

Würde er wirklich für den Papst sein Leben hergeben? «Eine Grundvoraussetzung für den Job», sagt Anrig bündig. Wegen Männern wie ihm gibt es die Schweizergarde.

Weil Anno Domini 1506 klar war: Die Schweizer sind Papst-treu. Und sie sind auch noch unverwüstliche Haudrauf-Söldner, wenn es denn drauf ankommt.

Der Haudrauf-Aspekt hat sich gewandelt. Über 99 Prozent der Zwischenfälle sind heute verbal zu lösen. Wenn Menschen sofort einen Termin beim Papst verlangen. Weil sie Jesus persönlich sind. Dann kleiden Gardisten ein Nein in freundliche, aber bestimmte Worte.

Gardeköche gefeuert

Anrig gerät ins Schwärmen über den Gardisten-Beruf. Man nimmt es ihm ab. Nur selten denkt man daran, dass die Gardisten zwischenzeitlich Mühe bekundeten, ihren Sollbestand zu halten. Obwohl die Fremde lockt. Der Vatikan. Bella Roma. Und wie war das mit den Gardisten-Groupies? Ja, die gibt`s tatsächlich.

Bundespraesident Ueli Maurer begrüsst im Mai 2013 die 35 neuen Gardisten. In der Mitte Daniel Anrig.
Legende: Hoher Besuch: Bundespräsident Ueli Maurer begrüsst im Mai 2013 die 35 neuen Gardisten. In der Mitte Daniel Anrig. Keystone

Nur seien die halt nicht interessant, weil allein von der Uniform angezogen, diktiert uns Gardist Roland Kristan in den Block. Der Dienst ist streng. Für 25 Monate verpflichtet sich ein junger Gardist. Dafür gibt`s 1500 Euro monatlich. 100 Euro bezahlt er davon für Kost und Logis.

Für die Gardisten gibt es Penne alla arrabbiata, Spätzli und Rösti. Natürlich nicht alles zusammen. Aber alles lecker.

Nicht so wie in den 1960er Jahren, als die Gardeköche, die Barmherzigen Brüder aus Oberwil im Kanton Zug, gefeuert wurden, weil ihr Essen ungeniessbar war.

Leibwächter am Familientisch

An den Esstisch sitzt Kommandant Anrig übrigens nicht mit seinen Gardisten, sondern bei seiner Frau und seinen vier Kindern in seiner Kommandantenwohnung im Vatikan.

So schafft er eine für das Berufsleben nötige Distanz zur Truppe und geniesst das Familienleben. Zu erzählen gibt es viel am Familientisch. Nicht jeder Ehemann und Vater hatte gerade einen Bodyguard-Einsatz für den Papst.

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«Ich schwöre, treu, redlich und ehrenhaft zu dienen dem regierenden Papst Franziskus (…) bereit, (…), selbst mein Leben für Sie hinzugeben.»

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Hannelore Hobi , Rüti ZH
    Es ist eine Schande... was im Vorfeld dh. Gestern im SRF3 von einem Sprecher zwischen ca 15.00 - 16.00 Uhr als Werbung für diesen Tag gebracht wurde !! Stellenanzeiger vom Papst Franziskus für Gardisten: in bunten gelb-blau-roten Schalfanzügen mit Plusterhosen usw..Ein jeder Schweizer- Schweizerin ist stolz auf " SEINE" Gardisten in Rom, selbst wenn sie nicht röm-kath sind ! Empfehlenswert auch ein Besuch des Gardemuseums in Naters. ¨ÄCRITER ET FIDELITER ( TAPFER UND TREU ) heisst die Devise.
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    1. Antwort von F. Limacher , Zürisee
      Irrtum ... Wetten nicht jeder Schweizer ist stolz auf die Garde in Rom ?
  • Kommentar von Romano , Widnau
    Nutzlos ist dummes Geschwätz. Die Gardisten leisten einen 24h-Dienst für den Bruchteil eines Lohnes den sie in der Schweiz erhalten würden. Also ist es Ehrensache und Überzeugung. Es ist und es war eine Ehre, der Garde dienen zu dürfen. Tapfer und Treu
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  • Kommentar von Andreas Burkhard , Ebnat-Kappel
    Finde es sehr schade, dass einige Kommentare hier es offensichtlich an jedem Respekt gegenüber der Lebensart anderer missen lassen. Oder auch dass der Vatikan ausschliesslich etwas für Homosexuelle sei. Die Schweizergarde ist mit ihrer Disziplin und Pünktlichkeit ein besserer Botschafter für die Schweiz als sie liebe Damen und Herren, die alles, was ihrer Lebensauffassung widerspricht, in den Dreck ziehen wollen!! Ist doch toll, dass es noch Junge gibt, die sich für etwas engagieren! AeF
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    1. Antwort von Björn Christen , Bern
      @Burkhard - ich habe nicht gesagt, dass "der Vatikan ausschliesslich etwas für Homosexuelle sei." Ich habe geschrieben, dass es unter den dortigen Geistlichen sehr viele Schwule gibt. Der Papst selbst hat ja sogar von einer "Schwulen-Lobby" im Vatikan gesprochen. Es ist nun einmal Tatsache, dass die kath. Kirche mit ihrem Priesterzölibat der perfekte Ort ist, wo sich Schwule "verstecken" können, weil z.B. nie jemand fragt, warum man mit 40 immer noch keine Freundin hat.