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Legende: Audio Väter bei der Geburt: «Sie ist die Königin und ich ihr Diener» abspielen. Laufzeit 17:55 Minuten.
Aus Input Story vom 30.01.2019.
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Väter bei der Geburt «Ich hätte besser weniger genau hingeschaut»

Die einen erzählen von einem Traum. Die anderen von einem Trauma. Die meisten Väter dürften die Erinnerung an die Geburt ihres Kindes irgendwo dazwischen einordnen.

«Vor allem die erste Geburt ist schwierig gewesen», erzählt Ralf*. Es sei nicht einfach, den Menschen, den man am meisten liebe, unter so grossen Schmerzen zu sehen. Ralf ist Mitte 40 und Vater dreier Kinder.

Ich hätte besser weniger genau hingeschaut.
Autor: Ralf*Vater

Eine Geburt habe etwas Brachiales: Zu sehen, wie der Kopf herauskommt, die Nabelschnur durchzuschneiden – das blutige Bündel in der Hand zu halten, das alles sei wunderschön gewesen. Aber auch zu viel für ihn: «Ich hätte besser weniger genau hingeschaut», sagt Ralf.

Gewisse Bilder hat Ralf nicht aus dem Kopf bekommen. Gewaltige Bilder, die sich auf ihn, aber auch auf die Beziehung zu seiner Frau und Mutter seiner Kinder ausgewirkt haben.

«Ich wollte die schönen Bilder nicht mit traumatischen Bildern überdecken»

Andri lebt mit seiner Frau und den vier Kindern in einem kleinen jurassischen Dörfchen. Zwei seiner drei leiblichen Kinder sind zu Hause auf die Welt gekommen. Beim dritten Kind zeichneten sich Komplikationen ab, darum gab es einen Termin für einen Kaiserschnitt im Krankenhaus.

«Input»: Was Väter brauchen

Die stündige Hintergrundsendung «Input» widmet sich den Vätern. Sie erzählen von ihren Erfahrungen - und eine Geburtsbegleiterin zeigt, was es braucht, damit Väter gestärkt ins Abenteuer Kind starten können.

Die Hausgeburten hat Andri in wunderbarer Erinnerung – und er hatte seine Aufgaben: Die Hebammen rufen, ein nasses Tuch zur Erfrischung oder einen Riegel zur Stärkung reichen.

Der dreifache Vater Andri Capaul mit Sohn
Legende: Andri, dreifacher Vater SRF / Reena Thelly

Der Gedanke an einen Kaiserschnitt war zu viel für ihn. Er blieb bei der Geburt deshalb zu Hause und kümmerte sich um die anderen Kinder. «Ich wollte die schönen Bilder nicht mit traumatischen Bildern überdecken», sagt Andri.

Wenn die Bilder von der Geburt sich auf den Sex auswirken

Bei Ralf haben sich die Erinnerungen an die Geburt auf die Sexualität ausgewirkt. Es sei schwierig gewesen, nicht dauernd das Bild der Geburt im Kopf zu haben. Es wäre wohl besser gewesen, wäre er während der Geburt irgendwann hinter seine Frau gestanden und nicht vor sie. Das habe ihm damals niemand gesagt bei der Geburtsvorbereitung.

Sorgen und Ängste ansprechen

Andri fehle nichts, auch wenn er bei der Geburt seines dritten Kindes nicht dabei war. Auch für seine Frau habe es gestimmt, ohne ihn ins Spital zu gehen. Sie sei nicht der Typ, der Massagen oder eine Hand zum Halten brauche. Bei der Geburt sei sie gerne bei sich und brauche vor allem die Hilfe ihrer Hebamme.

Bei der Geburt ist sie die Königin und ich bin der Diener.
Autor: AndriVater

Andri und seine Frau haben über ihre Geburten gesprochen. Über Freuden, aber auch über Ängste. Für Andri ist klar – es ist ihr Körper. Sie entscheidet, was sie braucht. Die Rollen seien klar: «Bei der Geburt ist sie die Königin und ich bin der Diener».

«Andere Väter haben mich nicht verstanden»

Auch Ralf haben Gespräche mit seiner Frau geholfen. Er habe ihr von den Bildern erzählt, die in intimen Momenten überhand gewinnen und die Sexualität stören.

Darüber zu reden hat viel Druck genommen.
Autor: Ralf

«Meine Frau war sehr verständnisvoll», sagt Ralf. «Das hat sehr geholfen. Darüber zu reden hat mir viel Druck genommen.»

Lange Zeit fühlte sich Ralf mit seinen Gedanken allein. Seine Frau habe ihn verstanden. Andere Väter hätten von wunderbaren Geburten erzählt und ihn nicht verstanden. «Erst im Nachhinein habe ich im Gespräch mit guten Kolleginnen von ähnlichen Erlebnissen erfahren», sagt Ralf.

Väter bei der Geburt: Die einen erzählen von einem Traum. Die anderen von einem Trauma. Die meisten dürften die Erinnerung an die Geburt ihrer Kinder irgendwo dazwischen einordnen. So wie Andri und Ralf.

Was es braucht, damit Väter gestärkt ins Abenteuer Kind starten können, gibt es in der Sendung Input zu hören. Am Sonntag, 3.2.2019 um 20 Uhr auf Radio SRF 3.

*Name geändert

5 Kommentare

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  • Kommentar von werner zuercher  (Werner Zuercher)
    Was für Weicheier und Warmduscher sind doch diese modernen Männer geworden! Geburt ist das natürlichste der Welt! Die Geburtsschmerzen der Frau sind bei weitem nicht so groß, wie die seelischen Schmerzen, wenn der Mann lügt, betrügt und sich vor der Verantwortung als Vater und Ernährer seiner Familie drückt! Leider ist genau das dass größte Problem der Gesellschaft, die am Ende der Fahnenstange angekommen ist!
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  • Kommentar von Max Blatter  (maxblatter)
    Nun ja! Mein Ältester ließ sich Zeit; die Geburt zog sich vom Morgen bis in die Abendstunden hin. Zuletzt war ich nahe dran, den Gynäkologen durchzuschütteln und anzuschreien - doch dann ging's doch noch voran. - Bei der zweiten Geburt rief mich die Hebamme gegen drei Uhr nachts an, es gehe los, aber ich könne mir schon noch Zeit lassen. Was ich dann, in Erinnerung an die erste Geburt, auch tat: Ich stärkte mich mit einem ausgiebigen frühen Frühstück - und wäre fast zu spät gekommen ...
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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Zur Geburt des 1. Kindes bin ich aus dem WK angereist. Auf dem KP musste ich, weil es Freitag Morgen war, der KP-Ordonnanz zuerst noch erklären, wie er den Urlaupspass richtig ausstellen muss, so dass ich nicht am Samstag Morgen zum Abtreten in den Wochehend-Urlaub wieder dort sein musste. Am Zielort gings steil bergauf von der Bushaltestelle und es war heiss. Die Geburt ging gut, aber der Arzt hat komisch geschaut, ich mit hochgekrempelten Ärmeln in Uniform und so. Nix von Trauma.
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