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In Beatenberg treffen sich diese Woche die Highspeed-Telegrafen zur Weltmeisterschaft im Morsen. Und «Highspeed» ist nicht übertrieben: Die besten schaffen mehr als 200 Morsezeichen pro Minute. Wir waren bei den Vorbereitungen dabei und haben den Morsern auf die flinken Finger geschaut.

Ein altmodischer, hölzerner Morseapparat. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Punkt, Punkt, Strich Der Morseapparat wurde 1838 vom Amerikaner Samuel Morse patentiert. Flickr/Groume

Zu den 10. High Speed Telegraphy Weltmeisterschaften werden Teams aus 16 Ländern erwartet. Neben Nachbarstaaten wie Deutschland und Italien sind das vor allem Mannschaften aus Ländern des ehemaligen Ostblocks. Kein Wunder: Im Osten ist die Highspeed Telegrafie ein beliebter Sport auch bei jungen Menschen.

Bei der Highspeed Telegrafie geht es darum, Morse-Code so schnell als möglich selbst zu verschicken und extrem schnell gemorsten Code zu empfangen und korrekt zu zu notieren. Der Weltrekord für die am schnellsten übermittelte Nachricht liegt bei 216 Zeichen in der Minute – der Laie hört da nur noch «Piiieeep».

Video: Unbegabter Amateur trifft Weltmeister

 KeinWunder: Um die extrem schnellen Zeichenfolgen überhaupt auseinanderhalten zu können, muss das Gehör schon in jungen Jahren darauf geschult werden. Entsprechend die Schnellmorse-Dominanz der Osteuropäer, die schon als Kinder mit dem «Radiosport» beginnen.

Ein Könner wie Weltmeister Nikolai Gelyasevich hört denn auch nicht mehr einzelne Morse-Zeichen, sondern nimmt den Morse-Code als eine Art Melodie wahr. Er hört und morst ganze Wörter, statt einzelne Buchstaben.

Das Internet, bevor es das Internet gab

Am Anfang stand der 1838 patentierte Morse-Apparat des Amerikaners Samuel Morse. Auf ihn geht auch das Morse-Alphabet zurück: Ein Binärcode aus Punkten und Strichen (kurze und lange Stromstösse), die für Buchstaben und Ziffern stehen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann es bald aus unzähligen Fernmeldedrähten zu Piepsen und das Morsegerät wurde zu einer Art Internet avant la lettre.

Nicht nur beim Gebrauch des neuen Kommunikationsmittels, auch bei der technischen Infrastruktur gibt es Parallelen: Wie beim Internet waren auch für das Funktionieren der Telegrafie dicke Kabel nötig. 1858 wurde darum das erste transatlantische Kabel von Grossbritannien nach Amerika erfolgreich verlegt – ein Ereignis, das auf beiden Seiten des Ozeans mit Jubel und Feuerwerk gefeiert wurde.

Die Begeisterung ging so weit, dass man das Gefühl hatte, nun breche bald der Weltfrieden aus. Schliesslich bringe die neue Technologie die Nationen einander näher – und wer seine Streitereien per Dialog in Morsezeichen aus der Welt schaffen kann, der braucht keine Kriege mehr zu führen.