Airdog: Drohnen-Verfolgungsjagd auf der Skipiste

Action-Helmkamera war gestern. Jetzt gibt es Drohnen, die uns an einer unsichtbaren Leine folgen und uns wie von einem sehr langen Selfie-Stick aus dauernd filmen. Unser Test in Adelboden hat gezeigt: Die Technologie funktioniert.

Es gibt kaum eine Technologie, die so vielfältig ist, wie es Drohnen sind: Einerseits sind sie ein Spielzeug – kleine Quadrocopter, zu haben ab wenigen Franken.
Andererseits fliegen sie als unbemannte Flugzeuge in Kriegsgebieten bewaffnete Einsätze und ersetzen Militärjets.

Drohnen sind nicht nur vielfältig, sie sorgen auch für kindliche Begeisterung – oder für grosses Unwohlsein. Nach dem Absturz einer ziemlich schweren Film-Drohne hinter dem Skirennfahrer Marcel Hirschner überwiegt derzeit wohl eher das Unwohlsein.

Mich fasziniert die Technologie schon seit einigen Jahren. Seit dem Jahr 2009, um genauer zu sein.

Vor sechs Jahren: Drohne steuern fast unmöglich

2009 war das Jahr, in dem ich zum ersten Mal Kontakt mit einer Drohne hatte. Es war ein Quadrocopter mit Namen «450 ARF». Das Fluggerät kostete um die 500 Franken, allerdings ohne Fernsteuerung und Akku. Dieses (zwingend notwendige) Zubehör gab es im Geschäft für ein paar hundert Franken zusätzlich zu kaufen.

Viel konnte die Drohne damals nicht. An Bord hatte die «450er» neben den vier Motoren mit Propellern eine elektronische Steuerung mit Neige-Sensoren. Dadurch konnte der Quadrocopter einigermassen selbständig stabil in der Luft schweben. Aber nur, nachdemman das Fliegen einige Stunden geübt hatte.

Einfach so «out of the box» gabe s vor fünf Jahren keinen Kunstflug zu sehen, sondern bloss ganz viele Abstürze, wie dieses Video aus unserem Archiv zeigt.

Heute: Wozu überhaupt noch steuern?

Nur sechs Jahre nach meinem Drohnen-Desaster können viele Drohnen ganz alleine fliegen: Der Besitzer definiert einfach auf einer digitalen Karte das Ziel, das die Drohne anfliegen soll – den Rest erledigt das Hightech-Spielzeug von selbst.

Das Bild zeigt die gelb-violette Airdog-Drohne (Quardocopter) auf einem Tisch des Bergrestaurants Tschentenalp. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auch ein Flughund braucht mal Pause: Die Airdog-Drohne im Restaurant der Bergstation Tschentenalp. Reto Widmer / SRF

Selbständig fliegen kann auch die Drohne, der ich vor einigen Tagen begegnet bin. Sie geht dabei noch einen Schritt weiter. Airdog, der «Flughund», ist über Funk mit einem kleinen Kästchen verbunden, das ich etwa an meinem Oberarm befestigen kann – es erinnert an ein Blutdruckmessgerät.

Über einen Knopf am Kästchen kann ich nun der Drohne den Befehl zum Starten geben und einstellen, in welcher Höhe und in welchem Abstand zu mir sie ausharren soll. Wenn ich mich bewege, bewegt sich die Drohne mit mir mit – und hält dabei immer denselben Abstand und dieselbe Höhe ein. Das ist ein Quadrocopter an einer virtuellen Leine.

Raffiniert – und funktioniert (siehe Video oben). Aber ist das auch sicher?

Eingeschränkter Aktionsradius: Mehr Sicherheit

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Immer mehr zugedrohnt

Über Plattformen wie Kickstarter sind neben dem Airdog in letzter Zeit auch andere autonome Quadrocopter finanziert und entwickelt worden. Hexoplus etwa, ein Multikopter mit sechs Propellern. Und auch Action-Cam-Platzhirsch GoPro wird in Kürze eine eigene Drohne anbieten.

Ich mag Hunde und so hatte ich auch vom Airdog keine Angst. Ich konnte die Drohne in Adelboden testen. Eine Walliser Firma bietet im Skigebiet der Tschentenalp in Zusammenarbeit mit den Bergbahnen in der aktuellen Saison erstmals einen Service mit einer selbst fliegenden Drohne an. Skifahrer können sich so auf der Piste während der ganzen Fahrt filmen lassen.

Damit die Drohne nicht in Skilift-Masten oder andere Objekte fliegen kann, weicht sie einem fest einprogrammierten Weg nicht ab. Er liegt am Rande der Skipiste, wo sich keine (oder nur wenige) Skifahrer aufhalten. Während der Fahrt richtet die Drohne ihre Kamera immer auf den Skifahrer aus, der die virtuelle Leine am Oberarm trägt.

Soweit so sicher. Was aber, wenn die Drohne wirklich einmal abstürzen sollte?

Absturz: Möglich, aber immer unwahrscheinlicher

Die Wahrscheinlichkeit eines Absturzes ist gering. Menschliches Versagen an der Fernbedienung ist ausgeschlossen, weil die Drohne selber fliegt. Wenn der Akku zur Neige geht, merkt das die Drohne und fliegt rechtzeitig zum Startort zurück. Bleibt noch der Ausfall eines Motors oder eines Propellers, zum Beispiel bei einer Kollision mit einem grossen Vogel. In diesem Fall fällt der Flughund wie ein Stein vom Himmel.

Bei der nächsten Drohnen-Generation könnte sogar diese Gefahr weiter reduziert sein: Ein Team der ETH hat einen Algorithmus entwickelt, dank dem eine Drohne auch nach dem Ausfall eines Propellers sicher landen kann. Eingebaut ist die Software noch in keiner Drohne, man sei aber derzeit in Lizenzverhandlungen, heisst es. Künftige Drohnen werden also auch bei einem technischen Ausfall einigermassen «gebremst» landen können.

Dann werden die Hobby-Flughunde noch zahmer sein – leichter als die 12-Kilo-Drohne, die Skirennfahrer Marcel Hirschner beinahe traf, sind sie schon heute. Airdog und vergleichbare Drohnen sind mit ihren etwa 2 Kilogramm Gewicht mehr Chihuahua als Dogge. Aber auch eine solche Leichtgewicht-Drohne kann natürlich Schaden anrichten, wenn sie vom Himmel fallen sollte.

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