Bessere Navikarten: Wir alle machen mit

Rund 20 Prozent der Strassenläufe ändern sich – jedes Jahr. Navigationskarten sind schnell veraltet, wenn die Hersteller nicht gegensteuern. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Benutzer.

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Bildlegende: Diese Kamera knipst die Schweiz. (rew)

Navigationskartenhersteller wie das niederländische Unternehmen Tom Tom schickten noch vor wenigen Jahren Autoflotten auf die Strassen, in denen Mitarbeiter einfach die Umgebung beobachtete und entlang der abgefahrenen Strecke möglichst viele Details in ein Mikrophon rapportierte: «Rechts Hotel Sternen, links Garage Honda, Tankstelle, hier Einbahnstrasse, rechts Schranke …»

Die Tonaufnahmen wurden mit der jeweiligen Position während der Ansage versehen und so konnte der Geo-Researcher, zurück im Büro, auf den bereits vorhandenen Karten die neuen Informationen ergänzen. Ein aufwändiger Vorgang. Teuer und unzuverlässig, da abhängig von der Konzentration der Fahrer.

360-Grad Foto-Flut

Heute schicken die Kartenhersteller immer noch Autos «ins Feld» mit der Mission, das Kartenmaterial aktuell zu halten. Im Fokus steht dabei aber nicht mehr die Erfassung neuer Begebenheiten sondern die Überprüfung von Meldungen, dank denen Kartenhersteller ihre Karten wirtschaftlich effizienter aktuell halten kann. Tom Toms «Mobile Mapping Vans» sind mit GPS, Laserscannern und einer 360-Grad-Kamera ausgestattet, die alle acht Meter Fotos schiesst.

Die Daten werden im Auto auf einer Festplatte gespeichert, die nach der Mission im Kartenzentrum von Tom Tom in Polen auf einen Server überspielt werden. Nun können Mitarbeiteranhand der Fotos überprüfen, welche Meldungen pausibel sind und welche nicht.

Wir sind die Navigationskarte

Um an Meldungen zu gelangen, nutzt Marktführer Tom Tom zwei Quellen: Die Bewegungsdaten aus den Handynetzen und Benutzermeldungen. Pro Jahr erhält Tom Tom allein in der Schweiz fast 40'000 Meldungen von Besitzern eines ihrer Navigationsgeräte über Fehler im Kartenmaterial. Ein Drittel davon ist jedoch nicht brauchbar.

Zuverlässiger sind die Bewegungsdaten. Mit ihnen können die Karteningenieure automatisiert herausfinden, wo sich eine Strassensituation verändert hat. Fahren auf einem Streckenabschnitt plötzlich alle Fahrzeuge nur noch in eine Richtung, kann das bedeuten, dass dort eine Einbahnstrasse eingeführt wurde. Es kann aber auch sein, dass die Strasse nur temporär wegen einer Baustelle in einer Fahrtrichtung gesperrt ist.

Um den Sachverhalt zu klären, schickt Tom Tom einen der Spezial-Vans los – oder seit kurzem auch einen Auftrag an «Appjobber». Auf dieser Micro-Job-App erscheint dann eine Aufgabe, zum Beispiel «Ist diese Strasse eine Einbahnstrasse?». Ein Benutzer, der zufällig am Ort vorbeikommt, kann die Information überprüfen, 1,20 Franken verdienen und dazu beitragen, dass unsere Navigationskarten möglichst aktuell bleiben.

Beitrag auf DRS 3 vom 21.11.2012