Der lange Weg zum neuen Fernsehen

Youtube will Fernsehen werden und setzt dabei auf Partner wie das Kanal-Netzwerk Machinima. Jetzt sucht Machinima nach Kapital; die Rede ist von bis zu 70 Millionen Dollar. Nur: Trotz mehr als zwei Milliarden Videoaufrufen im Monat ist der Dienst nicht profitabel.

Ein Computerbildschirm zeigt die YouTube-Seite Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Viel Zuschauer, wenig Ertrag: Video-Netzwerke wie Machinima haben es noch nicht geschaft, ihr Millionenpublikum in klingende Münze zu verwandeln. Keystone

Machinima (sprich: «Mäschinima») ist heute einer der beliebtesten Youtube-Kanäle überhaupt: Das Netzwerk, das die Videos tausender von Partnern sammelt, hat mehr als 8 Millionen Abonnenten. Mehr als 2 Milliarden Machinima-Videos werden jeden Monat angeschaut und jeder Vierte der 18 bis 35-Jährigen, die sich online Videos anschauen, soll zur Machinima-Kundschaft gehören.

Viel Geld für Premium-Inhalte

Zahlen, die auch YouTube-Besitzerin Google haben aufhorchen lassen: 2012 hat sich Google an Machinima beteiligt. Ein konsequenter Schritt vor dem Hintergrund, dass Google Youtube zur TV-Alternative aufbauen will. Schliesslich gehört es – zumindest in den USA – für grosse TV-Netzwerke zum guten Ton, sich an Produktionsfirmen zu beteiligen.

Für seine Pläne, aus Youtube das Fernsehen der Zukunft zu machen, nimmt Google viel Geld in die Hand. Für seine «Original Channel Initiative» hat der Internet-Riese schon über 300 Millionen Dollar aufgebracht. Das Geld soll nicht nur dazu dienen, die einzelnen Kanäle besser zu vermarkten; Google greift seinen Video-Lieferanten auch bei Produktion und Marketing unter die Hände. Das Ziel: mehr professionelle Video-Inhalte statt herzige Kätzchen und tollpatschige Kinder – YouTube als ernst zu nehmende Alternative zum traditionellen Fernsehprogramm also.

Von Millionen und Milliarden

Nun sucht Machinima in einer zweiten Investoren-Runde nach noch mehr Geld. (Die Rede ist von 70 Millionen Dollar, die zu den 35 Millionen vom letzten Jahr noch dazu kommen sollen. Damit will das Unternehmen seine Inhalte noch weiter ausbauen und nicht mehr nur als Games-Kanal wahrgenommen werden. Geplant ist etwa eine Zusammenarbeit mit «Alien»-Regisseur Ridley Scott, der für Machinima zwölf Science-Fiction-Kurzfilme produzieren soll.

Machinima ist nicht das einzige Kanal-Netzwerk, das sich bei Youtube zum Fernsehkanal 2.0 werden will. Mit Fullscreen oder Maker Studios gibt es weitere Anbieter, deren Videos jeden Monat mehr als 2 Milliarden Mal aufgerufen werden. Und mit Kanälen wie denen von Jash (Tim & Eric, Sarah Silverman et al.) oder Vice werden auch Comedy und Sex, Gewalt und Drogen abgedeckt.

0.0025 Dollar pro Videoaufruf

Allerdings: Kaum einer dieser Kanäle arbeitet bis heute mit Gewinn. Nicht zuletzt weil YouTube von den Werbeeinnahmen der Videoseiten 45 Prozent für sich behält. Kommt dazu, dass Werbung im Internet tendenziell wenig einbringt und die Kanal-Netzwerke zusätzlich noch einen Teil ihrer Einnahmen zum Teil an die Inhalte-Lieferanten weitergeben müssen.

Bei Machinima kamen 2012 deswegen trotz Milliarden von Video-Aufrufen nicht mehr als geschätzte 40 Millionen Dollar Umsatz zusammen. Das Netzwerk könne damit nicht profitabel sein, heisst es. Auch andere Netzwerke leiden darunter, dass ihnen ein Videoaufruf oft nicht mehr als 0,0025 Dollar an Werbeeinnahmen bringt.

Ohne YouTube keine Publikumsmassen

Es ist also nicht einfach, eine grosse Zahl von Youtube-Zuschauern in einen grossen Geldtopf zu verwandeln. Trotzdem halten Kanäle wie Machinima, Fullscreen oder Maker dem Dienst von Google die Treue. Ohne YouTube wäre es auch für beliebte Angebote nicht möglich, dieselben Publikumsmassen zu erreichen.

Doch die Kanäle suchen nach alternativen Einnahmequellen – zum Beispiel,indem sie ihre Videos über die eigene Webseite oder die eigene Smartphone-App anbieten. Dort bleiben ihnen nicht nur die gesamten Werbeeinnahmen, sie können einzelnen Werbekunden auch entgegen kommen und etwa das Seitendesign deren Wünschen anpassen.

Machinima-Zukunft als Wegweiser

So schnell wie sich das Google wohl erhofft, wird Youtaube dem traditionellen Fernsehen also nicht den Rang ablaufen. Daran ändern auch die «Original Channel Initiative» und die damit verbundenen Millionen-Investments wenig.

Wie es mit Youtube als TV-Ersatz weitergeht, wird nicht zuletzt die neue Finanzierungsrunde von Machinima zeigen: Bringt das Kanal-Netzwerk die erhofften Millionen zusammen und schafft es, mit selbst produzierten Inhalten doch Gewinn zu schreiben, dürfen auch andere Youtube-Kanäle mit Zuversicht in die Fernsehzukunft schauen.