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Die ausgedruckten Metallteile des Colt 1911.
Legende: Mehr als dreissig Teile aus Stahl- und Nickellegierungen. Solid Concepts
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Digital Die Metall-Pistole aus dem 3-D-Drucker

Waffen aus dem 3-D-Drucker müssen nicht aus Plastik sein. Das demonstriert ein texanisches Unternehmen und druckt einen Colt 1911 aus Metall. Dabei geht es nicht um Politik, sondern das Potential der Technologie.

Im Mai diesen Jahres hatte ein Schuss aus einer Pistole für Aufregung gesorgt. Denn die krude Waffe mit dem Namen «The Liberator» war aus Kunststoff – ein junger Texaner hatte sie mit einem 3-D-Drucker ausgedruckt.

Er demonstrierte damit nicht nur, dass es überhaupt möglich war, aus Kunststoff einen Lauf zu produzieren, der dem Druck einer explodierenden Patrone standhielt. Sondern er stellte auch die 3-D-Datei, den digitalen Bauplan, ins Internet. Kurze Zeit später wurde die Datei auf Druck der Behörden wieder entfernt – hatte sich aber natürlich längst verbreitet.

Nun sorgt erneut eine Pistole aus dem 3-D-Drucker, Link öffnet in einem neuen Fenster für Aufsehen. Wieder ist sie aus Texas, von einem Unternehmen namens Solid Concepts. Diese Pistole ist weder krud noch aus Kunststoff: Alle Teile der Waffe ausser den Federn sind ausgedruckt, und zwar in Metall.

Ernstzunehmende Waffe

Die Pistole ist eine Nachbildung des Colt 1911, Link öffnet in einem neuen Fenster, einer weit verbreiteten Handfeuerwaffe mit einem bewährten Design und langer Geschichte. Griff, Schlitten, Hahn und vor allem das heikelste Teil, der Lauf, sind aus Stahl gefertigt.

Mit dieser Pistole wurden laut Solid Concepts rund fünfzig Schüsse abgefeuert, mit dem Kaliber .45 ACP, Link öffnet in einem neuen Fenster. In einem Video des Unternehmens ist zu sehen, dass die Pistole erstaunlich präzise schiesst.

Dazu verfügt der Colt über ein Magazin, lädt also halbautomatisch nach. Das ist ein grosser Schritt gegenüber der «Liberator»-Pistole, die ein kleineres Kaliber verschoss und bei der jede einzelne Patrone von Hand in den Lauf geschoben werden musste.

Während «The Liberator» also mehr die Demonstration einer Idee war, ist dieser 3-D-Drucker-Colt eine ernstzunehmende Waffe – lediglich langfristige Zuverlässigkeit hat das Unternehmen nicht bewiesen.

Nicht politische, sondern technologische Demonstration

Die Vorführung der «Liberator»-Pistole im Mai und vor allem auch die Veröffentlichung der Baupläne war ein politischer Akt eines Extremisten. Es war erklärtes Ziel, den Staat herauszufordern und den Behörden letztlich die Kontrolle über die Herstellung und den Vertrieb von Waffen zu entziehen.

Den Herstellern des 3-D-Drucker-Colts geht es um etwas ganz anderes: Solid Concepts will mit der Aktion beweisen, dass 3-D-Drucker heute schon in der Lage sind, so stabil und präzise zu fertigen, dass damit auch der Lauf einer Pistole gefertigt werden kann. «It's a common misconception that laser sintering isn't accurate or strong enough, and we're working to change people's perspective», schreibt , Link öffnet in einem neuen FensterKent Firestone von Solid Concepts auf einem Firmenblog.

Industrielles 3-D-Drucken

Um diese deutlich besseren Materialeigenschaften zu erreichen, verwendet Solid Concepts ein ganz anderes Verfahren als das der 3-D-Drucker für zu Hause und auch der Drucker, der den «Liberator» fertigte. Während diese billigen Drucker einen Kunststofffaden erwärmen und ähnlich wie ein Zuckerbäcker ein Objekt Schicht um feine Schicht aufbauen, setzt Solid Concepts auf eine Technologie, die nicht von Amateuren, sondern in der Industrie eingesetzt wird.

Das Verfahren heisst «Laser Sintering» oder «Selektives Laserschmelzen, Link öffnet in einem neuen Fenster». Dabei wird ein Pulver mit einem Laser gezielt erhitzt, wobei es schmilzt und danach fest erstarrt. Wie bei den Kunststoff-Druckern geschieht das Schicht um Schicht.

Ein Vorteil des Verfahrens ist, dass auch Gegenstände aus Metall (Stahl, Aluminium, Titan und andere) oder Keramik erstellt werden können. Und dass man geometrisch mehr Freiheiten hat und feinere Details präzise fabrizieren kann. Diese 3-D-Drucker sind allerdings teure, komplexe Maschinen und entziehen sich damit dem Zugriff von Privatpersonen. In der Industrie werden sie aber eingesetzt, etwa im Flugzeugbau, der Automobilindustrie oder für Möbel.

Bei dem 3-D-Drucker-Colt geht es also nicht um die Bewerbung politisch extremer Ansichten. Das Unternehmen besitzt die in den USA nötigen Lizenzen, um Waffen oder Waffenteile herzustellen. Und stellt die präzisen Druckpläne der Waffe auch nicht öffentlich zu Verfügung.

Stattdessen ist der Colt ein Beispiel, das eine grössere Entwicklung illustriert: die fortschreitende Digitalisierung von Objekten.

Digitalisierung von Objekten

Nicht die Drucker, die Objekte auf irgendeine Weise ausdrucken, sind nämlich die entscheidende Entwicklung. Sondern das Erstellen von digitalen Bauplänen, die das Ausdrucken erst ermöglichen; also eine präzise, digitale Beschreibung eines physischen Objektes.

Hier gibt es Parallelen zu Digitalisierungs-Schritten in anderen Bereichen. Denn bei der Digitalisierung passiert immer das Gleiche: Durch den Wechsel von analoger zu digitaler Produktion wird diese Produktion einfacher. Dadurch sinkt die Eintrittsschwelle: Alle, die produzieren wollen, können auch.

Bei immateriellen Gütern wie Musik oder Nachrichten hat sich diese Digitalisierung schon vollzogen und alles gehörig durcheinander gewirbelt: Medienlandschaft oder Musikindustrie sind aufgrund digitaler Produktion und Distribution komplett verändert worden, oft auch in nicht vorhersagbarer Weise.

3-D-Drucker im industriellen Einsatz sind nun daran, Fabrikationsmethoden gleichermassen tiefgreifend zu verändern. Dabei geht es nicht in erster Linie um die günstigen Drucker, mit denen wir zu Hause kleine Plastikfigürchen ausdrucken oder eigenen Schmuck designen. Stattdessen können nun Unternehmen ganz anders Produkte entwickeln: Prototypen oder Kleinstserien sind schnell produziert und können laufend modifiziert werden, ohne gleich einen ganzen Produktionsprozess umstellen zu müssen.

Neue industrielle Revolution?

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Der 3-D-Drucker-Evangelist Chris Anderson erläutert in diesem aufschlussreichen Podcast-Interview, warum er diese Technologie als transformativ einschätzt.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Dr. Doolittle , Erde
    Digitale Beschreibung eines physischen Objektes??? Mechaniker arbeiten seit Jahrzehnten mit digitalen Modellen (meist Dateiformate aus CAD Zeichnungen) und benutzen sie mittels CAM direkt zur Fertigung auf CNC Maschinen die glücklicherweise massiv schneller sind als 3D Drucker...
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    1. Antwort von Guido Berger (SRF)
      Natürlich. Vor Websites und Blogs haben Profi-Drucker ja auch schon digital gearbeitet. Deren Software war aber noch sehr teuer, also nicht für alle verfügbar. Das gleiche hier: 3D-Software kostete ein Vermögen, jetzt gibt es sie gratis. Deshalb schreibe ich «fortschreitende Digitalisierung»: Weil sie schon in vollem Gang ist, nicht weil sie jetzt erst beginnt.
  • Kommentar von kari huber , surin
    Positiv daran ist, dass der Innovationszyklus immer schneller wird, sodass man kaum noch bestehende Produkte verkaufen kann, weil immer bereits jemand etwas Besseres in der Pipeline hat. Und einen Job werden auch mit diesem Fortschritt immer weniger Menschen haben. Damit schrumpft der Nachfragemarkt, und die Menschen beginnen darüber nachzudenken, was sie wirklich brauchen. Der Zukunfts-Markthit wird low-tech sein: Sauberes Wasser!
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  • Kommentar von kari huber , surin
    Und einmal mehr wird eine Illusion erzeugt. Zwar sieht es so aus, als ob nun jeder clevere Bastler seine eigenen Produkte herstellen und dadurch reich werden könne. Auch in der Informatik war es so. Und wer ist reich geworden? Einige wenige Grosse, wie Microsoft, Apple, Google, SAP und Oracle. Obwohl jeder Betriebssysteme und Super-Anwendungen entwickeln kann. Weil es für die Vermarktung Unmengen an Geld braucht, das ein "Kleiner" eben nicht hat.
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