Digital am Sonntag, Nr. 27: Dostojewski – für Analphabeten happig

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein, meint auch Ober-Grummel Charlie Brooker. Gaetan Bally/Keystone

Der mürrische Comedian

Der Comedian Charlie Brooker ist einer meiner persönlichen Helden. Weil er ein grossartig bissiger Kommentator ist, besonders wenn es um Massenmedien, Hypes oder selten hinterfragte Gemeinplätze geht. Die kurze Serie «Nathan Barley» ist nach wie vor die beste Analyse des Start-Up- und New-Media-Zirkus. Die Episoden von «Black Mirror» über digitale Trauer oder Life Logging (ich habe hier schon geschwärmt) sind ebenso scharf beobachtet wie beängstigend düster.

Brooker ist aber nicht nur eine Ausnahme, weil er so gut ist, sondern auch, weil er sich immer wieder zu Games äussert und sich da besser auskennt als die meisten, deren Stimme ähnlich weit trägt wie seine. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass das Blog Rock Paper Shotgun in ihrer «Gaming made me» ein Interview mit Brooker führen konnten. Cara Ellison gelingt es dort, Wahrheiten wie die folgende aus Brooker herauszuholen (Teil 1, Teil 2):

«  My theory is that video games are like speaking Esperanto. Videogame players are like people who learnt Esperanto years ago. […] And there's all these brilliant Esperanto-language films available […]. They only make sense if you know Esperanto […]. And we keep telling people how good they are. But there's this learning curve which is that you have to learn fucking Esperanto. »

Deckt sich gut mit einer Analogie, die ich immer gern mache: Komplexe Spiele seien wie ein Werk von Dostojewski. Das könne man einem Analphabeten auch nicht einfach vor die Nase knallen und sich dann wundern, wenn er es nicht so gut findet.

Die Zensur-Kirche

Dave Lee beschreibt für die BBC, wie die Church of Scientology immer wieder versucht, Kritiker oder ehemalige Mitglieder auf dem Internet daran zu hindern, ihre Ansichten zu verbreiten. Die Wikipedia bekomme das zu spüren (vergleichbar mit dem Fall, auf den ich hier hingewiesen habe): Scientology habe dort immer wieder kritisches zu löschen versucht. In einer Art Katz-und-Maus-Spiel ist die Anonymous-Bewegung als Reaktion auf diese Zensur-Versuche entstanden, und auch Scientology finde immer wieder neue Wege, die Verbreitung nicht genehmer Inhalte einzuschränken:

«  [T]he Church [is] seeking new ways to have «negative» content removed from the web. «They're kind of innovators in finding ways to censor the internet», said Dr Martin Poulter from the University of Bristol. »