Digital am Sonntag, Nr. 33: Was wird aus Nintendo?

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

Bewegung

Nintendo geht es nicht so gut, darüber herrscht Einigkeit. Die Konsole für das Sofa, die Wii U, verkauft sich schlecht. Und die tragbare Konsole 3DS ist von Smartphones und deren günstigen Spielen so unter Druck, dass Nintendo nun eine Variante ohne 3D, die 2DS, herausbringt – um Kosten zu sparen und damit den Preis senken zu können. So etwas tut man nicht, wenn es gut läuft. Die Frage ist nun: Wie schlimm steht es um Nintendo? Und: Was sollen sie tun? Die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus. Der bekannte Apple-Fanboy John Gruber titelt «Nintendo in Motion» und empfiehlt folgendes:

«  Make two great games for iOS. […] If it works out, keep making more iOS games. […] If it fails, chalk it up as a failed experiment. […] In the meantime, get to work on a next-gen homegrown Nintendo handheld. »

Krise

John Siracusa, der immer mal wieder für Ars Technica schreibt, titelt schon etwas dramatischer: «Nintendo in Crisis». Er findet den Vorschlag von Gruber allerdings untauglich. Denn Nintendo ist eine Hardware-Bude, kein reiner Spielentwickler. Ich teile diese Meinung: Nintendo ist eine Spielzeug-Firma; sie baut Konsolen und dann tolle Spiele für diese Konsolen, um diese Konsolen zu verkaufen. Folglich findet Siracusa, dass Nintendo nur eine Karte spielen kann, was riskant ist:

«  Better to stick with hardware platforms that it controls. [… But: ] if the market for dedicated gaming hardware disappears, I fear it's game over for Nintendo as we know it. »

Tod

Diese Aussicht lässt den anderen bekannten Apple-Fanboy MG Siegler vom Tech-Blog Techcrunch schon einmal hyperventilieren: «The Death Of Nintendo Has Been Greatly Under-Exaggerated» ist seine knallige Schlagzeile. Er weist auf ein Problem hin, dass viele Nintendo-Fans wohl unterschätzen:

«  There is no question that Nintendo’s strength is in its games. But that strength is being over-emphasized by those who grew up playing those amazing Nintendo games. »

Er selbst ist sich nicht sicher, ob seine Vorschläge gut sind:

«  My best advice is to team up with a current tablet/smartphone manufacturer and make the best — and I do mean the best — hardware for gaming. »

Was ich für einen Wunschtraum halte, denn das tönt für mich mehr nach Sony als nach Nintendo, die immer schon auf eher günstige Hardware gesetzt haben. Vergleicht man die Nintendo 3DS mit der Playstation Vita von Sony, wird das deutlich.

Aus Sieglers zweiten Vorschlag spricht dann die pure Verzweiflung:

«  Or they need to sell to Apple. I still believe Nintendo could thrive as a game studio allowed to run independently under a larger parent — think: Pixar inside of Disney. If Apple wants software to move hardware, it's hard to imagine a better buy. »

Der Apple-Oberlogistiker Tim Cook als Scheff von Nintendo-Übervater Shigeru Miyamoto? Niemals.