Digital am Sonntag, Nr. 41: Alles für immer erledigt

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

Schnüffeln und angreifen

Nicholas Weaver erinnert in «Wired» daran, dass NSA und GCHQ nicht nur das Netz durchschnüffeln, sondern auch Angriffs-Fähigkeiten aufgebaut haben. Mit Software unter dem Codenamen QUANTUM können die Spione gezielt Kommunikation von Individuen unterdrücken oder umleiten, also zensurieren. Oder vermeintlich anonyme Benutzer identifizieren und nachverfolgen. Oder die Kontrolle einzelner PCs übernehmen.

Die Auflistung zeigt, wie schnell die imaginäre Grenze zwischen passivem Abhören und aktivem Angreifen verwischt. Weaver will sich deshalb nicht darauf verlassen, dass die Politik diese Grenze setzt, und schlägt stattdessen Verschlüsselung als Standard vor – ein Vorschlag, gegen den wohl jede Strafverfolgungsbehörde der Welt Sturm laufen wird.

«  The only self defense from all of the above is universal encryption. Universal encryption is difficult and expensive, but unfortunately necessary […] if we are to defend ourselves from the entities that have weaponized the backbone. »

Spielen im Irak

Simon Parkin schreibt im Magazin «The New Yorker» über Yousif Mohammed aus dem Irak. Mohammed gehört zu den weltbesten «Battlefield 3»-Spielern. «Battlefield 3» spielt auch im Irak, ein Level ist der Heimatstadt von Mohammed nachempfunden.

Ausgehend von Mohammed zeichnet Parkin ein Bild der Spielkultur dort, wo es kaum andere Unterhaltungsmöglichkeiten gibt. Games sind sozial – gerade Multiplayer-Spiele wie «Battlefield», weil sie Kontakte über Landesgrenzen hinaus ermöglichen und so Isolation durchbrechen.

Und dass man zum Spielen nicht nach draussen gehen muss, wird nicht wie hierzulande als ein Nachteil gesehen. Im Gegenteil:

«  His parents […], like Western parents, worry about shooting games and the possibility that they could encourage violence. But […] Mohammed's parents supported the hobby, because it kept him inside and safe. […] Video games have become a way to keep a generation away from the capricious bombings that have made the streets some of the most perilous in the world. »

Die einfachen Antworten

Randall Munroe, «das Superhirn hinter dem Supercomic XKCD» (Digital am Sonntag Nr. 32), hat die Fragen beantwortet, die beim Auftauchen jeder neuen Technologie gestellt werden. Und die immer genau gleich beantwortet werden können:

«  Will [___] make us all geniuses? No. Will [___] make us all morons? No. Will [___] destroy whole industries? Yes. Will [___] bring about world peace? No. Can't we go back to a time when – No. »

Als einer, der auch oft Fragen dieser Art beantwortet, muss ich eingestehen: Eigentlich hat Munroe damit meinen Job erledigt, für alles für immer.