Digital am Sonntag, Nr. 50: Pyjama-Party!

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

HADOKEN!

Matt Leone zeichnet für das Game-Blog die Geschichte des Prügelspiel-Klassikers «Street Fighter II» nach. Der Artikel beginnt gleich mit diesem tollen Abschnitt über ein Vorstellungsgespräch im Pyjama:

«  Artist Akira Yasuda showed up to a Capcom job interview dressed in pajamas and a tie. He left his portfolio at home, saying fans stole his work because it was too good. Asked why he chose pajamas, he replied he wanted to look presentable and that was the only thing he owned with a collar. […] Yasuda got the job. »

Und es wird ab da nur noch besser: eine wunderschön gestaltete Geschichte mit grossartigen Illustrationen und unzähligen Zitaten aller Beteiligten, über eines der wichtigsten Arcade-Spiele überhaupt.

Wenn Facebook den Hahn zudreht

Warum sind Artikel einer bestimmten Site – Upworthy – so viel viraler als andere? Also warum werden deren Artikel so viel öfter auf sozialen Netzwerken geteilt als andere? Diese Frage stellt der Finanz-Blogger Felix Salmon von Reuters. Und beantwortet sie, indem er vorrechnet, wie Facebook entscheidet, welche geteilten Artikel von Freunden im Newsfeed angezeigt werden.

Upworthy versucht, Web-Videos so weiter zu verbreiten, dass sie viral werden. Und sei besonders gut darin, Schlagzeilen zu schreiben, die man klicken will: So genannte «curiosity-gap headlines», die ein kleines Rätsel aufbauen, das erst gelöst wird, wenn man darauf klickt. Und weil Facebook schaut, welche Artikel wie oft geklickt werden und dann annimmt, dass die oft geklickten wohl die sind, welche die Leute sehen wollen, zeigt es sie auch vermehrt im Newsfeed an.

Das Resultat ist aber eine Überbewertung der «curiosity-gap»-Artikel, und das kann nicht im Interesse von Facebook sein. Deshalb wettet Salmon, dass Facebook hier bald einen Riegel schieben wird:

«  At the moment, Facebook assumes that people click on exactly the material that they want to click on, and that if it serves up a lot of clickbaity curiosity-gap headlines, then it’s giving its users what they want. Whereas in reality, those headlines are annoying. [… They are] basically a way of hacking real-world friendships for profit, and there's no way Facebook is going to allow it to continue indefinitely. [… T]he massive advantage which Upworthy has […] is certain to go away. »

Der Artikel ist anspruchsvoll und die Diskussion über die Rechnung Salmons in den Kommentaren unter dem Artikel zeigt, dass man den Erfolg von Upworthy auch anders begründen kann. Doch wer jetzt glaubt, möglichst hastig die Social-Media-Strategie von Upworthy kopieren zu müssen, sollte sich zuerst die Mühe machen, den Artikel zu lesen und zu verstehen.