Digital am Sonntag, Nr. 53: Die Pflege des digitalen Bildes

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

Eindruck schinden statt engagieren

Es ist heute so einfach wie noch nie, sich für etwas zu engagieren. Hier ein Klick, dort ein Like und schon hat man etwas Gutes getan. Schon länger gibt es skeptische Stimmen, welche die Nachhaltigkeit oder gleich die Wirksamkeit solchen Engagements anzweifeln. Nun fasst Leonhard Dobusch im Netz-Aktivisten-Blog «Netzpolitik» die Ergebnisse zweier Studien zusammen, die diese Skeptiker bestätigen.

So zeigt eine erste Studie, dass lediglich 0,24 Prozent der 1,2 Millionen, die sich online gegen den Darfur-Konflikt im Sudan einsetzten, dann auch tatsächlich Geld spendeten. Eine zweite Studie vermutet, dass das Like für einen guten Zweck nicht nur altruistisch ist. Vielmehr gehe es darum, dem Umfeld seine Gesinnung zu demonstrieren. Dobusch fasst zusammen:

«  Bei Aktivismus auf Facebook oder andernorts geht es […] darum, vor Freunden und Bekannten Eindruck zu schinden – die AutorInnen sprechen von «impression management». Und eine Sache via digital-öffentlichem und sichtbarem «Klick» zu unterstützen, erfüllt diesbezüglich seinen Zweck und erfordert kein weiteres Engagement. »

Getty: Fotos einbetten statt kopieren

Die grosse Fotoagentur Getty Images wagt einen erstaunlichen Schritt: Ab sofort ist es möglich, Fotos von Getty legal und kostenlos zu nutzen. Und zwar, indem man einen Embed-Code nutzt. Macht das beispielsweise ein Blogger, wird das Foto wie gewünscht im Artikel angezeigt. Es wird aber nicht vom Server des Blogs, sondern von Getty direkt ausgeliefert. Und es enthält automatisch eine Bildlegende, die auf Getty zurückverweist und die korrekte Quellenangabe enthält.

Das ist erstaunlich, weil Foto-Agenturen in der Regel versuchen, zu verhindern, dass jemand ihre Fotos benutzt, ohne sie zu lizensieren. Doch das ist ein aussichtsloser Kampf. Wasserzeichen lassen sich entfernen. Oder Fotos können statt von der Agentur auch von einer Website kopiert werden, die sie lizenziert, bezahlt und damit das Wasserzeichen entfernt hat.

Getty wählt nun einen Weg, auf den vermehrt auch andere Inhaltsproduzenten setzen. Statt jede einzelne Kopie verkaufen zu wollen, setzt man stattdessen auf Streaming. Denn eingebettete Fotos sind technisch vergleichbar mit dem Streaming eines Songs über Soundcloud oder Spotify und der Verbreitung eines Videos über einen eingebetteten Youtube-Player. Der Vorteil: Der Inhaltsproduzent kontrolliert die Verbreitung weiterhin, die Views kommen alle auf dem eigenen Server an. Und die können dort zu Geld gemacht werden, mit Werbung oder mit den gesammelten Nutzungsdaten.

Neue Einkünfte für Inhaltsproduzenten, legale Nutzungsmöglichkeiten für Leute mit kleinem Budget: ein klassisches Win-win. Doch Russell Brandom weist im Tech-Blog «The Verge» auf eine mögliche Nebenwirkung hin: Sollte Getty in Zukunft an ihrer Embed-Politik etwas ändern, stünden plötzlich viele alte Artikel ohne Bilder da.

«  Embeds […] are already a crucial part of the modern web, but they've also enabled a more advanced kind of link rot, as deleted [content] leaves holes in old blog posts. If the new embeds take off […] they'll extend that […] decay to the images themselves. On an embed-powered web, a change in contracts could leave millions of posts with no lead image. »