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Digital am Sonntag Digital am Sonntag, Nr. 59: Innovation

In diesem digitalen Wort zum Sonntag betrachten wir die Innovation in zwei grossen Technologie-Unternehmen: Nach welchen Prinzipien bringt Apple neue Produkte auf den Markt und wie funktioniert das sagenumwobene Google X-Lab?

Symbolbild: Mann und Frau beim Zeitung lesen.
Legende: Lesen und nachdenken über: Innovation bei Apple und bei Google. Keystone

Der erfahrene Technologie-Kolumnist Walt Mossberg macht sich für «Recode» Gedanken, Link öffnet in einem neuen Fenster über Apple, zweieinhalb Jahre nach dem Tod von Steve Jobs. Er wägt ab zwischen zwei Positionen: Auf der einen Seite die Pessimisten, für die Apple mit dem Tod von Jobs jegliche Kreativität verloren hat. Auf der anderen die Optimisten, für die es keine Anzeichen gibt, dass dem Konzern die Ideen ausgegangen sind; sie heben vielmehr die positive finanzielle Lage von Apple hervor.

Spiderman und iPad

Mossberg meint, dass Steve Jobs den Apple-Produktezyklus von amerikanischen Film-Studio abgeschaut hatte: Auf einen weltweiten Erfolg folgt die Fortsetzung – «The Amazing Spider-Man» beispielsweise wird mit «The Amazing Spider-Man 2» ausgeschlachtet.

And this is why Apple, unique in many ways among tech giants, is the most like a movie studio: Steve Jobs built it that way.
Autor: Walt MossbergTechnologie-Kolumnist

Doch wie im Kino erwartet das Publikum auch von Apple in regelmässigen Abständen wieder etwas Neues, Bahnbrechendes. Mossberg ist überzeugt, dass Apple bald mit einer solchen Überraschung aufwarten wird. Er rätselt aber, in welche Richtung es gehen könnte – Fitness, TV, Finanz-Transaktionen?

Der erfahrene Kolumnist schlägt sich auf die Seite der Optimisten. Doch selbst ein alter Hase wie Mossberg kennt keine Details und räumt deshalb gleich wieder ein, dass es sich bloss um eine Vermutung handelt. Der Konzern aus Cupertino – für Mossberg das einflussreichste amerikanische Unternehmen der letzten 15 Jahre – lässt sich nicht so leicht in die Karten blicken.

Google X: Das Denken der Zukunft

Auch Google forscht und entwickelt hinter verschlossenen Türen, im sagenumwobenen Google X-Lab etwa. Doch der Konzern spielt mit der Geheimnistuerei und öffnet die Türen zur Forschungsabteilung immer wieder so weit, dass es für eine Schlagzeile reicht: Google Glass, autonome Fahrzeuge, Internet für die Armen.

Dem Journalist und Buchautor Jon Gertner hat der Suchmaschinen-König so viel von seiner Forschungsabteilung gezeigt wie keinem Journalisten zuvor – davon ist wenigsten Gertner selbst überzeugt. In einem langen Artikel für «The Fastcompany», Link öffnet in einem neuen Fenster berichtet er von seinen Eindrücken und zeichnet ein faszinierendes Bild der Google-Forschungsstätte. Er beschreibt Kriterien, die ein Google-X-Projekt erfüllen muss: Es muss eine grosse Zahl Menschen betreffen, es muss sich wie Science-Fiction anhören aber dennoch in den nächsten Jahren realisierbar sein.

Once upon a time, corporate labs invested a chunk of their R&D budget in risky, long-term projects, but an increasing focus on quarterly earnings, and the realization that it can be exceedingly hard to recoup an investment in far-off research, ended almost all such efforts.
Autor: Jon GertnerAutor des Buches «The Idea Factory: Bell Labs and the Great Age of American Innovation»

Gertner erzählt von den Schwierigkeiten beim Denken in die Zukunft und welche Rolle das Scheitern spielt. Die Google-Forscher arbeiten in einem Klima, in dem Scheitern nicht mit einer Niederlage gleichgesetzt wird. Stattdessen setzen sie alles daran, ein Projekt möglichst schnell zum Abstürzen zu bringen, um möglichst früh zu erfahren, ob sich eine Investition in eine Idee lohnt. Ein schönes Bild dafür: Wie die Google-Führung im Garten des X-Labs auf einer Slackline balanciert und dabei immer wieder herunterfällt. Die Message an die Belegschaft: Scheitern ist normal.

Nach der offiziellen Verlautbarung versucht Google in seinem Forschungslabor grosse Probleme der Menschheit zu lösen, zum Beispiel weniger Verkehrstote dank autonomer Fahrzeuge. Gertner hinterfragt diesen Idealismus und weist auf Googles handfeste Interessen hin: Wer im Auto nicht steuern muss, hat mehr Zeit, die er sich im Internet vertreiben kann. Die Google-X-Projekte haben zudem das Potential für weitere lukrative Geschäftsfelder neben der Suchmaschine.

Geheim und öffentlich geheim

Bei der Lektüre der beiden Artikel von Mossberg und Gertner wird einem wieder einmal bewusst, welchen gewaltigen Einfluss die Erfindungen von Apple und Google seit rund zwei Jahrzehnten auf unser Leben haben – auf die Art, wie wir kommunizieren zum Beispiel.

Und der Strom an Innovationen wird nicht so schnell abreissen, denn beide Konzerne verfügen über riesige finanziell Mittel. Doch was sie mit uns vorhaben, darüber lassen sie uns im Dunkeln; Apple mit normaler, Google mit einer gezielten Geheimhaltung.

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