Digital am Sonntag, Nr. 75: Ich weiss, was du anschaust, Sohn

Das Thema dieses Wochenende: Ein Vater findet in der Browser-History seines neunjährigen Sohnes pornografische Websites und beschreibt einfühlsam, wie er mit seinem Jungen darüber redet. Und: Farewell, Ellie Gibson!

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Lesen und nachdenken über Buben und ihren ersten Kontakt mit Internet-Pornografie. Gaetan Bally/Keystone, Avenue Q, Montage SRF

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Am Wochenende hat man Zeit. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesens- und bedenkenswert finden. Setzt euch zu uns in die bequemen Sessel dieser «chambre de réflexion digitale»!

Habt auch ihr einen Tipp? Sagt es uns.

Dave Eagle erzählt im Magazin «The Atlantic» eine sehr persönliche Geschichte auf äusserst einfühlsame Art:

Er entdeckt, dass sein Sohn, gerade mal Neun, schon ein paar Porno-Videos auf dem Internet gefunden hat. Der Vater hatte gemerkt, dass der Kleine irgendwas vor ihm versteckte. Und machte deshalb das, was man als Vater heute in so einem Fall tut: Er schaute sich die Browser-History des Sohnes an.

Eagle beschliesst, seinen Jungen zur Rede zu stellen – nicht, um ihn zu bestrafen, sondern um dem Kleinen das Gesehene irgendwie verständlich einzuordnen.

Der Text ist wunderschön geschrieben:

«  «I know you were looking at porn.» […] His eyes darted back and forth, as if looking for an escape hatch inside his own head. He was formulating a plan, something to get out of this situation, and then he stopped. His brow furrowed. «Wait,» he said, sitting back upright. […] «What's porn?» »

Dass sein Sohn schon Pornografie gesehen hat, bevor er überhaupt weiss, dass es dieses Wort gibt, verleitet Eagle aber nicht dazu, einfach das alte Klagelied über das Internet zu intonieren, das Unschuld zerstört. Sondern er versucht, auch die Vorteile dieser Entwicklung zu sehen. Denn die gleiche Technologie, die Pornografie so leicht verfügbar macht, ermöglicht es den Eltern auch, mit ihren Kindern leichter darüber zu sprechen:

«  Technology has allowed our 21st century boys to more easily access the kinds of things boys have always wanted to see, but it's also enabled the more vigilant parent to confront these topics head on. »

Denn Eagle erinnert sich daran, dass auch er schon in sehr jungen Jahren einen Playboy gehortet hatte – diese neue Welt aber ohne Wissen seiner Eltern erkundete. Dagegen hat er heute mit seinem Sohn nun die Möglichkeit, die Darstellung einzuordnen, ihn mit den Bildern nicht alleine zu lassen. Also beispielsweise auf seltsame Frauenrollen oder komplett realitätsferne Sexualität hinzuweisen.

P.S.: Farewell, Ellie Gibson!

Ich halte Ellie Gibson für eine der besten Game-Journalistinnen überhaupt. Heute hat sie ihren letzten Artikel auf Eurogamer veröffentlicht. Es sieht so aus, als zöge sie sich mindestens bis auf weiteres aus dem Games-Journalismus zurück. :'(

Hach! Um nicht allzu traurig zu sein, hier einige ihrer Artikel, die mich über die Jahre erfreut haben:

«  Obviously, this is the best idea for a video game ever. […] It's basically Grand Theft Auto with lions. […] Tokyo Jungle is more than just shagging and fighting. All right, so it is just shagging and fighting so you can unlock bigger animals to do more shagging and violenter fighting. »

Tokyo Jungle Review

«  Just like the original, [this game] is packed with references to bad breath and blow-up dolls. If you think that sounds hilarious, wait till you see the lampshade shaped like a penis!!! »

Leisure Suit Larry Reloaded Review

Und natürlich auch auf alle Links in ihrem Abschieds-Artikel klicken, da ist noch mehr Gold verbuddelt:

The worst games I've ever played, by Ellie Gibson