Digital geht baden: Der Unterwasser-Kamera-Test

Kameras und Wasser sind natürliche Feinde. Wir stiften Frieden und packen die Kameras in Unterwassergehäuse. Welches funktioniert am besten?

Viele fotografieren heute mit ihrem Smartphone. Drum liegt es nahe, das Telefon einzupacken, um damit auch unter Wasser fotografieren zu können. Entsprechend wasserdichte Hüllen gibt es günstig, so ab 30 Franken.

Doch diese Smartphonehüllen sind nicht wirklich für Unterwasserfotografie gedacht. Sie sollen eher am Strand oder beim Wandern das Smartphone vor Wasser und Dreck schützen. Entsprechend sind sie häufig nur bis 1 Meter Tiefe dicht.

Smartphone-Hülle: Untauglich

Ausserdem bestand die von uns verwendete Hülle aus Silikon, das auch bei der Aussparung für die Linse nicht völlig klar ist – Fotos werden deshalb alle milchig. Und der Touchscreen funktioniert zwar über Wasser auch mit der Hülle – unter Wasser aber nicht mehr.

Das bedeutet, dass man zwar ein Video über Wasser starten kann, Fotos unter Wasser auslösen geht aber nicht (der seitliche Auslöseknopf ist durch die Hülle verdeckt).

Spiegelreflex im Sack

Am anderen Ende der qualitativen Skala steht die Spiegelreflex-Kamera. Wer die in eine harte Kunststoffhülle packen will, muss dafür einige Tausend Franken ausgeben, was nur für Profis sinnvoll ist. Günstiger sind weiche Hüllen: Einen bis 20 Meter Tiefe wasserdichten Sack mit Aussparung für das Objektiv gibt es ab 350 Franken.

Eine Spiegelreflexkamera in weicher Hülle liegt auf einem Kiesboden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Spiegelreflexkamera in weicher Hülle: Theoretisch hohe Bildqualität, aber umständliche Bedienung, Funktionen eingeschränkt, kein Licht. Tiefe: bis 20 Meter. SRF

Der Sack erschwert aber die Bedienung der Kamera sehr. Z.B. ist es schwierig, an einem Zoom-Objektiv zu drehen. Je tiefer man taucht, desto mehr wird die Luft im Sack zusammengepresst. In 20 Metern Tiefe liegt der Sack eng am Gehäuse der Kamera an, was dazu führen kann, dass Knöpfe der Kamera nicht mehr gedrückt werden können oder unabsichtlich gedrückt werden.

Ausserdem ist der Sack zu klein, um darin ein Blitzgerät unterzubringen (grössere Säcke gibt es, aber die sind deutlich teurer). Je tiefer man taucht, desto weniger Licht steht zur Verfügung. Das bedeutet, dass Farben verschwinden: Statt rotgelben Fischen fotografiert man blaue Sauce.

Ausschnitt und Schärfe sind Glückssache

Das grösste Problem ist allerdings der Ausschnitt. Bei Spiegelreflexkameras schaut man in der Regel durch den Sucher. Das geht unter Wasser nicht mehr, denn wir tragen eine Taucherbrille (um unter Wasser überhaupt scharf zu sehen). Und mit der auf der Nase kommen wir nicht mehr nahe genug an den Sucher heran.

Unterwasserfoto eines beinvoran ins Wasser tauchenden Mannes. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Spiegelreflex in weicher Hülle: Scharf und schöne Farben, wenn genug Licht vorhanden. Mehrfachaufnahmen erwischen das Eintauchen perfekt. Ausschnitt... SRF

Wenn die Spiegelreflex-Kamera einen «Live View»-Modus kennt (das Bild auf dem Display anzeigen wie bei Kompaktkameras), sollte man diesen verwenden – oft ist dann aber der Autofokus viel langsamer. Deshalb bleiben Ausschnitt und Schärfe oft Glückssache.

Immerhin können Spiegelreflex-Kameras in der Regel Mehrfachaufnahmen machen – einmal abdrücken und viele Bilder in Folge aufnehmen. Das erleichtert es, bei schnellen Bewegungen den richtigen Moment zu erwischen und später das beste Bild auszuwählen.

Kompaktkameras: Weiche oder harte Hülle

Auch für Kompaktkameras gibt es die Sack-Lösung, schon sehr günstig ab 50 Franken. Solche weichen Hüllen sind allerdings meist nur bis einige Meter Tiefe dicht – also zum Schnorcheln, aber nicht zum Tauchen geeignet. Sie haben die gleichen Probleme wie die grösseren Säcke: Die Bedienung der Kamera ist kompliziert. Oft hat man kein Gefühl für den Auslöser, weiss also nicht recht, ob man überhaupt abgedrückt hat oder ist immer zu spät dran.

Unterwasserfoto eines beinvoran ins Wasser tauchenden Mannes. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kompaktkamera in weicher Hülle: Keine Chance, den Moment zu erwischen - zu langsam, Bedienung zu schwierig. Hülle und Bändel geraten ins Bild. SRF

Dazu passen diese Hüllen meist nicht exakt auf die Kamera. Sie verschieben sich gern, was dazu führen kann, dass undurchsichtige Teile der Hülle vor das Objektiv geraten und so das Bild zerstören.

Hüllen aus Hartplastik haben diese Probleme nicht. Sie lassen sich leicht bedienen, da jeder Knopf an der Kamera über einen entsprechenden Knopf am Gehäuse verfügt. Sie lassen in der Regel Platz für den eingebauten Blitz und ermöglichen deshalb auch tiefer unten schöne Farben. Solche Gehäuse können bis 40 Meter verwendet werden. Sie sind etwas teurer, kosten ab 200 Franken. Ausserdem müssen sie genau zur Kamera passen, nicht für jede Kamera ist ein Unterwassergehäuse erhältlich.

Statt Hülle eine wasserdichte Kamera

Mittlerweile gibt es einige Kompaktkameras, die auch ohne spezielle Hülle bereits wasserdicht sind. Zwar nur bis 10 Meter und gegen einen Aufpreis (ca. 50 bis 100 Franken mehr als eine vergleichbare Kamera). Die Bedienung einer solchen Kamera ist viel einfacher als die einer im Gehäuse, da jeder Knopf ganz direkt benutzt werden kann.

Da solche Modelle aber schwerer und grösser sind als eine vergleichbare Kamera ohne wasserdichtes Gehäuse, lohnt sich eine Anschaffung wohl nur, wenn man sehr oft am oder im Wasser ist (oder die Kamera ohne Sorge Kindern überlassen will). Für Tauchferien einmal im Jahr ist das Gehäuse praktischer, da man es für den Rest des Jahres nicht mit sich herumtragen muss.

Übung macht den Meister

Unter Wasser zu fotografieren ist erstaunlich schwierig. Das richtige Gerät ist dabei nicht einmal das wichtigste. Licht ist entscheidend für die Bildqualität: Je tiefer, desto weniger Sonnenlicht. Damit auf dem Bild nicht alles blau wird, brauchen wir also einen Blitz.

Eine Taucherbrille liegt auf einem Kiesboden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Taucherbrille: Damit nicht nur die Kameras, sondern auch wir unter Wasser scharf sehen. SRF

Dazu ist es unter Wasser schwierig, die Kamera ruhig zu halten, da wir ja keinen festen Stand haben. Schnorchler müssen schwimmen und bewegen sich deshalb; und auch Taucher bewegen sich leicht auf und ab. So ist es anspruchsvoll, überhaupt den richtigen Bildausschnitt zu erwischen und ein scharfes Bild zu machen. Wer also die tollen Unterwasser-Fotos aus «National Geographic»-Magazinen vor Augen hat, muss sich auf eine längere Übungszeit gefasst machen.

Übersicht

  • Smartphone-Hülle: 30 Franken, 1 Meter, milchig, nur Video
  • Kompakt-Kamera mit weicher Hülle: 50 Franken, einige Meter, umständliche Bedienung
  • Kompakt-Kamera mit harter Hülle: 200 Franken, bis 40 Meter, Blitz möglich, gute Bedienung
  • Wasserdichte Kamera: ab 50 Franken Aufpreis, bis 10 Meter, beste Bedienung, Zusatzgewicht
  • Spiegelreflex mit weicher Hülle: 350 Franken, bis 20 Meter, umständliche Bedienung, keine Anzeige, kein Licht

Anmerkung: Dieser Artikel wurde ursprünglich am 20. Juli 2012 publiziert. Aus meterologischen Gründen (Hitze!) haben wir ihn aus dem Archiv geholt.