Digitale Inhalte schenken: Von ganz einfach bis geht gar nicht

Bücher, Musik, Games, Apps und Filme gibt's digital. Es liegt also nahe, dass wir sie auch in dieser Form verschenken. Schön wäre es, wenn das auch mit ein, zwei Mausklicks funktionieren würde. Doch das tut es nicht bei allen Anbietern.

Sechs Weihnachtspakete mit Logos von Spotify, Itunes, Netflix, Steam, Spotify und Google Play. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schöne Bescherung mit digitalen Inhalten. Wikimedia / Screenshots

Noch vor kurzem hatten es Grosseltern, Tanten und Onkel leicht: Sie konnten dem Kind einfach eine CD oder ein Buch schenken – und alles war gut.

So auch bei mir: Ich erhielt von meiner Verwandtschaft in den 1970er-Jahren mit schöner Regelmässigkeit eine neue Ausgabe der «Was ist was»-Serie. Will ich selber heute meinem Göttibub Wissen schenken und zwar so, dass er es digital auf seinem Tablet anschauen kann, muss ich wissen, wie das funktioniert. Denn mit Ausnahme von Apple bietet keiner der grossen Buchhändler eine «Schenken»-Funktion an.

Platzhirsch Amazon: Fehlanzeige

Versandhandelspionier Amazon ist in Sachen neuer Dienste anderen Anbietern oft voraus. Umso erstaunlicher finde ich, dass es gerade beim Platzhirsch im Bereich elektronischer Bücher nicht möglich ist, digitale Inhalte auch zu verschenken.

«Gegenwärtig können Sie Kindle-Inhalte ausschliesslich in Form eines Geschenkgutscheins verschenken» informiert die FAQ-Seite des Kundendienstes. Der Empfänger des Geschenkgutscheins kann das Gutscheinguthaben dann auf seinem Amazon-Konto gutschreiben und damit im Kindle-Shop einkaufen.

Das Bild zeigt ein dickes Buch und einen E-Reader Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Buch schenken? Noch hat hier die gedruckte Version die Nase vorn. Flickr (Cristian Eslava)

Nun gut: Dann kann ich meinem Göttibub auch einfach eine 20er-Note in die Hand drücken!

Auch die Schweizer Buchhändler Thalia, Orell Füssli und Ex Libris kennen keine Schenken-Funktion in ihren Online-Läden. Bei Ex Libris sei aber eine Weiterentwicklung geplant, sagt Firmensprecherin Marie-Christine Schindler. Das Schenken von Büchern sei sehr beliebt – man gehe deshalb davon aus, dass dies auch bei E-Books der Fall sein werde.

E-Books: So funktioniert es doch

Für alle, die schon heute ein E-Book verschenken möchten, gibt es dennoch eine Möglichkeit. Sie ist nicht sexy, aber tauglich: Nach dem Kauf eines E-Books erhalte ich vom Shop eine E-Mail mit einem Download-Link.

Wichtig ist, dass ich das Buch nun nicht herunterlade, weil es dann mit meiner Adobe ID verknüpft würde: also zu meinem Eigentum und damit unschenkbar. Stattdessen leite ich das E-Mail mit dem Download-Link einfach an die Person weiter, der ich das Buch schenken möchte.

Hat der Beschenkte das E-Book zum ersten Mal selbst aufgemacht, kann ich als Käufer es nicht mehr öffnen. Voraussetzung ist, dass der Beschenkte einen Adobe ID-Account besitzt. Nun kann er mein E-Book-Geschenk auf bis zu sechs Geräten installieren und mit seiner eigenen Adobe ID zum Lesen frei schalten.

E-Books schenken ist also möglich. Doch ich würde das meinem Göttibub derzeit nicht zumuten – und vor allem nicht seinen Eltern, die sich mit der Adobe ID herumschlagen müssten. Vielleicht interessiert er sich aber sowieso bald mehr für Games. Und ich als Götti käme dann um die Plattform Steam nicht mehr herum.

Spiele per Mausklick verschenken

Steam hat als eine der ersten gezeigt, wie wir Spiele in Zukunft kaufen, nämlich digital, ohne physische Datenträger und Verpackung.

Zwei Buttons auf Steam, «für mich selbst kaufen» und «als Geschenk kaufen». Letzterer pulsiert. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Schenk' mich!» ruft das Game – der Käufer muss nur noch klicken. Screenshot

Wie bei Amazon erwarte ich also auch bei diesem Pionier, dass ich beim Thema Schenken nicht enttäuscht werde. Anders als bei den E-Books von Amazon werde ich das hier auch nicht.

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Ausnahme: Apple schenkt alles

Apple hat im iTunes-, iBooks- und App Store eine «Schenken»-Funktion eingebaut, die sogar eine zeitliche Zustellung des Geschenks erlaubt. Wichtig: Im Store muss eine gültige Kreditkarte hinterlegt sein, weil ein Geschenk nicht mit noch vorhandenem Guthaben gekauft werden kann. Der Beschenkte benötigt zudem einen Store-Account des selben Landes.

Schenken macht bei Steam Freude. Wenn ich ein Spiel «als Geschenk» kaufe, landet es unaktiviert in meinem Account und der Beschenkte erhält eine Email mit meiner Grussbotschaft. Er kann das Spiel nun in seinem Account aktivieren und dann verschwindet es bei mir. Der Beschenkte hat das Spiel – ich habe es bezahlt.

Ähnlich funktioniert das Prinzip bei Apple: Hier kann ich aber nicht nur Spiele kaufen und verschenken, sondern auch Filme, TV-Serien, E-Books, Musik und Apps (siehe Kasten).

Da ich aber meinem Göttibub ein Android-Gerät schmackhaft gemacht habe, muss ich mein App-Geschenk nun im Playstore von Google suchen.

Google Play schenkt sich das Schenken

Ich gucke in die Röhre: Google Play Store verweist als Geschenk auf Gutscheine, mit denen der Beschenkte sein Guthaben aufladen kann. Praktisch: Die Gutscheine gibt's an fast jeder Kasse, jedem Kiosk und jeder Tankstelle – das ideale «last minute»-Geschenk also für Vergessliche. Das bin ich aber nicht. Und überhaupt: Gutscheine mag ich nicht.

Als trendiges Vorbild will ich meinem Göttibub ohnehin keine Besitztümer mehr schenken. Musik oder Filme besitzen – egal, ob digital oder analog – das ist vorbei! Streaming ist die Zukunft und so könnte ich ihm eigentlich ein Netflix und Spotify-Abo schenken.

Screenshot von Spotify mit Wahl des Geschenkbetrags. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zeit ist bei Spotify ein Geschenk. Screenshot

Das ist bei beiden Anbietern möglich und schnell erledigt – funktioniert aber einmal mehr nur mit Gutscheinen (E-Cards). Was ich neben den Gutscheinen nicht so mag, ist die Idee, dass ich so zum unbezahlten Marketinggehilfe einer der Anbieter werde könnte: zum Anfixer, der seinem Göttibub einen Gutschein für ein halbes Jahr Netflix oder Spotify-Droge schenkt – und der kommt danach nicht mehr los vom Stoff.