Digitaler Kunst droht der Zerfall

Auch digitale Kunst altert. Und genau wie bei klassischen Gemälden muss auch bei modernen medialen Kunstformen der Fortbestand gesichert werden. Die Herausforderungen sind jedoch gross. Es bedarf dafür neuer Konzepte und technisch versierter Konservatoren.

Seit einem halben Jahrtausend blickt die Mona Lisa ihrem Betrachter von der Leinwand herab in die Augen. Ein Konservator sorgt dafür, dass sie dabei noch immer adrett aussieht.

Vieles was unsere digitale Kultur heute hervorbringt ist aber ungleich schwieriger zu erhalten als ein Gemälde oder ein Schriftstück. Das wird bei der digitalen Kunst besonders sichtbar. Es gilt aber auch für viele andere Werke der heutigen Populärkultur.

Den Zerfall aufhalten

Zusatzinhalt überspringen

Digitale Konservierung

Die Ausstellung «Digital Art Works. The Challenges of Conservation» geht Fragen nach dem Sammeln, Ausstellen und Erhalten computerbasierter Kunstwerke auf den Grund und lässt die Arbeit rund um die digitale Konservierung sichtbar werden.

Haus für elektronische Künste Basel: 18. Januar - 31. März

Das Haus für elektronische Künste Basel zeigt mit der Ausstellung «Digital Art Works. The Challenges of Conservation» die Resultate eines Forschungsprojekts, an dem sich Deutschland, Frankreich und die Schweiz beteiligen. Initiiert wurde das Projekt vom ZKM, dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe.

Die Ausstellung zeigt eindrücklich, wie vielfältig die Herausforderungen sind, wenn es um den Erhalt dieser Kunstwerke geht. Und wie rasch der Zerfall fortschreitet, wenn man ihn nicht aufhält.

Überspielen und Sichern

Eine Installation des koreanisch-amerikanischen Video-Künstlers Nam June Paik verdeutlicht gleich zu Beginn der Ausstellung, wo die grössten Probleme liegen. «Internet Dream» (1992) besteht aus 52 Röhrenmonitoren, die in wilder Folge Muster, Farben und verfremdete Video-Sequenzen miteinander mischen.

Bei der Konservierung des Werks stellten sich drei unterschiedliche Aufgaben. Zunächst musste das ursprüngliche Bildmaterial von einer Video-Laserdisk auf ein anderes Medium übertragen werden, da es die nötigen Abspielgeräte für solche Laserdisks längst nicht mehr gibt.

« Es ist die Frage, ob wir den vielen Verlusten, die zufällig entstehen, zusehen wollen, oder ob wir hingehen und eine Auswahl treffen – für die Dinge, die wir erhalten und überliefern wollen. »

– Bernhard Serexhe (Kurator)

Eine wesentlich schwierigere Aufgabe ist die Pflege der Röhrenmonitore, die bei Verschleiss ersetzt werden müssen. Sie werden heute nicht mehr hergestellt.

Ein Unikat nachbauen

Am meisten Sorgen bereitet den Konservatoren allerdings das Herzstück der Installation: Der Bildmischer, das Gerät also, das die verschiedenen Bildquellen nach einem Algorithmus des Künstlers zusammenmischt. Der Bildmischer ist ein Unikat.

Gelingt es nicht, ihn nachzubauen, um ihn bei Versagen ersetzen zu können, ist das Kunstwerk verloren.