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Digital Doppelt dicht: «Mobile ID» macht das Handy zur Identitätskarte

Wenn wir online Bankgeschäfte und die Steuererklärung erledigen oder einkaufen, müssen wir uns mit Benutzernamen, Passwort und weiteren Sicherheitscodes anmelden. Das kann mühsam sein. Nun soll es per Handy einfacher werden.

Eine Identitätskarte mit Mobile-ID-Logo.
Legende: Zum Glück ist die «Mobile ID» keine neue Karte im Portemonnaie – aber die klassische ID bleibt eben auch dort. Bildmontage (id.ee/Swisscom/Reto Widmer)

«Mobile ID» ist ein zweistufiges Anmeldeverfahren, eine so genannte 2-Faktor-Authentisierung, Link öffnet in einem neuen Fenster. Das ist keine Revolution; wir kennen die Prozedur bereits vom Online-Banking. Dort ist es üblich, dass wir neben Benutzernamen und Passwort eine Sicherheitszahl eingeben müssen, die zum Beispiel von einem Lesegerät generiert wird, in das wir unsere Bank-Karte gesteckt haben.

Wieso aber umständlich ein Karten-Lesegerät mit sich herumtragen, wenn es auch mit dem Handy geht, dem Gerät, das wir immer dabei haben?

Das ist der Ansatz von «Mobile ID, Link öffnet in einem neuen Fenster», das in der Schweiz von Swisscom angeboten wird. Es ist ein Identifizierungsverfahren, das über das Mobiltelefon funktioniert. Und zwar so: Der Benutzer meldet sich im Internet bei einem Dienst an, seinem E-Banking zum Beispiel – wie gewohnt mit Benutzernamen und Nummer.

Nun erscheint auf dem Mobiltelefon eine Meldung, dass eine Login-Anfrage stattgefunden hat. Um die Anmeldeprozedur abzuschliessen, muss der Benutzer nun sein «Mobile ID»-Passwort eingeben – nicht direkt auf der Website, sondern am Smartphone. Dann drückt er ebenfalls auf dem Handy auf «Senden» – und schon erscheint die Startseite seines E-Banking-Portals.

Ohne Swisscom geht nichts

Postfinance bietet die Loginmöglichkeit via «Mobile ID» seit einigen Monaten an. Um den Dienst zu nutzen, benötigt der Kunde unter Umständen eine neue SIM-Karte, die speziell gesichert ist, «Mobile ID» unterstützt und vom Netzbetreiber geliefert wird.

Bis jetzt war dies nur Swisscom; nun aber sind auch Orange und Sunrise im Boot. Sie werden ihren Kunden diese spezielle SIM-Karte bald ebenfalls anbieten.

Geld verdienen mit Logins

Der «Mobile ID»-Dienst wird in jedem Fall von Swisscom abgewickelt, für die sich ein interessantes Geschäftsmodell auftut. Einen Franken pro Monat und Benutzer verlangt Swisscom nämlich – nicht direkt von uns, sondern von Dienstleistern, die «Mobile ID» anbieten wollen. Also zum Beispiel von Postfinance. Das Unternehmen wiederum verrechnet ihren Kunden für «Mobile ID» vier Franken im Jahr, gibt also einen Drittel der Kosten an uns weiter.

Das ist der Haken. Ob sich die mobile Identitätskarte durchsetzen wird, wird zu einem grossen Teil davon abhängen, ob die Kundschaft bereit ist, für die Logins selbst zu bezahlen – oder wie weit Dienstleister diese Kosten übernehmen. Verdienen werden auf jeden Fall Swisscom und zu einem kleineren Teil die beiden Partner Orange und Sunrise.

Keine Swisscom-Erfindung

«Mobile Signature» heisst die Technlologie zu «Mobile ID». Sie ist vom Mobile Electronic Signature Consortium definiert worden. Finnland und Estland haben am meisten Anwendungen, in denen der Dienst integriert ist. In der Schweiz können Banken, Shop-Betreiber oder Steuerverwaltungen das Identifizierungsverfahren für bei Swisscom «mieten».

10 Kommentare

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  • Kommentar von Mary, Bonnet
    Wie kann mann so blauäugig sein und glauben diese Daten werden "vertraulich" behandelt? Telecom Konzerne behandeln unsereTelefon Nr. auch "vertraulich" dennoch können viele bestätigen dass, sie auf ihre privaten Nummern belästigt werden und können sich dabei nicht erklärten wie solche Firmen, an ihre privaten Telefonnr kommen. Fakt ist die Daten werden an sogenante Parter Agenturen verkauft.ich bin zuversichtlich dass, wir in Zukunft viele negative Schlagzeile über diese "Mobile ID" hören werden
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  • Kommentar von Fabian Gut, Solothurn
    Raiffeisen bietet mit PhotoTan schon lange ein Authentifizierungsverfahren mit Smartphone. Mittlerweile arbeitet die App sogar mit der e-Banking App zusammen, so dass ich auf dem Mobiltelefon nicht einmal mehr den Code von Hand eingeben muss. Und das alles gratis. Abgesehen davon gibt es auch Sicherheitsbedenken: Das gleiche Passwort für alle Logins? Das ist keine gute Idee.
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  • Kommentar von Hans Meier, Bern
    @S. Zulauf Also wenn sie da nicht Äpfel mit Birnen verglichen haben,bei Natels und anderen Gadgets kann der mündige Bürger immer noch selbst entscheiden, ob er es dabei haben will oder nicht - bei einem Implantat wären wir hingegen dank RFID-Scanner, Mobilfunkantennen und dergleichen allzeit und überall der allgegenwärtigen Überwachung durch den Staat und Konzerne ausgeliefert. Und so ein Szenario hätten die Sicherheitsfanatiker aus den U$A und deren Lakaien in der Schweiz wohl nur allzu gerne.
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