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Digital EM-Training: Ein Fussball mit Bluetooth und Sensoren

Dank elektronischem Innenleben misst der Micoach Smart Ball Geschwindigkeit, Drall und Flugbahn eines Schusses. Und seine App lässt uns wissen, was wir noch besser machen können. Wir haben den elektronischen Trainer getestet – in der Hoffnung, es dank ihm noch ins Schweizer EM-Kader zu schaffen.

Youtube-Video

Ich, Jürg Tschirren, habe vor gut 20 Jahren zum letzten Mal einen Fussball gekickt. Mein Kollege, SRF-3-Produzent Manuel Rothmund, steht dagegen wöchentlich auf dem Rasen. Mal schauen, was ihn der Micoach Smart Ball von Adidas noch wird lehren können. Mich wohl jede Menge.

Ein Mann hält einen Fussball in die Kamera.
Legende: Der Micoach Smart Ball von Adidas ist mit Sensoren und Bluetooth ausgerüstet und kostet rund 200 Franken. SRF

Der rund 200 Franken teure Ball ist in seinem Inneren mit Bewegungssensoren und einem Bluetooth-Modul ausgerüstet. Damit soll er uns die richtige Schusstechnik für unterschiedliche Spielsituationen beibringen. Das gilt allerdings nur für stehende Bälle – also wenn sich der Ball vor dem Schuss nicht bewegt. Wie bei einem Freistoss etwa oder einem Corner.

In der App, die schnell und unkompliziert mit dem Ball verbunden ist, sehen wir nach dem Schuss dann Details zur Fluggeschwindigkeit des Balls, zu seinem Drall und seiner Flugbahn. Das ist lustig, wenn man sich zum Beispiel mit Freunden darin messen will, wer den stärksten Schuss hat. Als Trainingshilfe nutzen die Daten dem Anfänger – also mir – aber wenig. Und auch geübtere Fussballer wie Manuel verlassen sich bei der Beurteilung eines Schusses lieber auf ihr Auge.

Lebensweisheiten des virtuellen Trainers

Doch die App hält auch vielversprechendere Funktionen wie «Werde besser» bereit. Dort müssen wir spezifische Situationen meistern. Etwa den Ball perfekt treffen, mit besonders viel Kraft schiessen oder an der gegnerischen Mauer vorbei zielen. Hier zeigt uns die App im Anschluss, ob wir den Ball am richtigen Ort getroffen haben und wie sich seine Flugbahn im Vergleich zum Schuss eines Profis verhält.

Zwei Männer schauen gebannt auf ein Smartphone.
Legende: Die App zeigt Daten zu Geschwindigkeit und Drall des Balles sowie dem Höhenverlauf seiner Flugbahn an. SRF

Als zusätzliches Feedback werden ausserdem nach jedem Schuss die Tipps eines virtuellen Trainers eingeblendet. Manchmal erinnern sie an Kalendersprüche. Etwa wenn der Coach sinniert: «Ein guter Schuss mit 80 Prozent Aufwand ist besser als ein schlechter mit 100 Prozent.».

Andere Hinweise, etwa den Ball und das Ziel bei der Schussabgabe nicht aus dem Auge zu lassen, wirken dagegen eher beliebig.

Fortgeschrittene trainieren besser mit normalen Bällen

Auch hier gilt: Solche Tipps mögen für absolute Anfänger interessant sein. Doch wer sich nachhaltig verbessern will, kommt um einen Trainer in Fleisch und Blut nicht herum. Nur ein solcher kann unsere Bewegungen genau beobachten und gezielt auf Schwächen eingehen. Zwar bietet die App auch die Möglichkeit, einen Trainingspartner unsere Schussabgabe filmen zu lassen. Die Auswertung der Bilder bleibt dann aber uns überlassen. Ein Anfänger ist da schnell überfordert.

Ein Mann schiesst einen Fussball in ein Tor, ein anderer steht neben ihm und filmt mit dem Smartphone.
Legende: Die App kann auch Trainings-Schüsse aufzeichnen. Die Auswertung bleibt aber uns selbst überlassen. SRF

Und auch ein Fortgeschrittener wie Manuel trainiert statt mit Smart Ball und App besser mit normalen Fussbällen – von denen er sich für den stolzen Preis von 200 Franken, den ein Smart Ball kostet, gleich einen ganzen Sack kaufen kann.

So kann er dann seine Schüsse in kurzer Reihenfolge abgeben und sich den Bewegungsablauf leichter einprägen, ohne nach jedem Versuch erst den Ball zurückholen zu müssen.

Sich mit Freunden messen

Der Smart Ball hat seine Berechtigung wohl am ehesten als Spielzeug. Eben wenn es darum geht festzustellen, wer den stärksten Schuss hat. Um sich mit Freunden zu messen hält die App denn auch sogenannte «Challenges» bereit. Bei der «Power Challenge» zum Beispiel versuchen zwei Spieler, den Ball mit einer bestimmten Geschwindigkeit zu treten. Jeder hat fünf Versuche; wer öfter im vorher festgelegten Bereich liegt gewinnt.

Bei der «Profi Challenge» dagegen versuchen wir – wie der Name schon sagt – zu schiessen wie ein Profi – etwa mit Drall an der gegnerischen Mauer vorbei. Die App gibt dabei vor, welche Kennzahlen unser Schuss erreichen muss. Und wir versuchen, Geschwindigkeit und Drall möglichst danach auszurichten. Ob das als Trainingshilfe genügt, es in letzter Minute noch ins EM-Kader zu schaffen, darf aber bezweifelt werden. Auf mich warten wohl eher 20 weitere fussballlose Jahre.

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