Review: «Broforce»

Superhelden im Zwölferpack, Dauerfeuer und Granatenregen, Explosionen im Sekundentakt: «Broforce» ist eine einzige Übertreibung. Aber es ist auch ein perfektes Jump-and-Run-Spiel, bei dem Geschicklichkeit und Strategie wichtiger sind als der Schauplatz.

«GO GO GO!!» Donnergleich brüllt mich die Stimme eines unsichtbaren G.I. an. Der Helikopter setzt mich in feindlichem Territorium ab und ich bin auf mich alleine gestellt. Ich, das ist ein Haufen Pixel, in dem man einen Super-Actionhelden wie Rambo oder Indiana Jones erkennen kann – gerade noch so. Diese herzige Pixel-Grafik mag gar nicht so richtig zu dem machogetränkten Soundtrack und der martialischen Rahmenhandlung passen. Oder doch? Auf jeden Fall hat sie mir sofort den Zugang zu Bro Force eröffnet.
Ich mag Pixel.
Und die dürfen auch mal so richtig ballern.

Jump and Run? Sidescoller? Shooter? Von allem etwas.

Denn geballert wird von Beginn weg. Ich steuere meine Figur mit der Tastatur von links nach rechts durch die Levels und schiesse mir dabei den Weg frei.

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Bildlegende: SAVE! Einen Gefangenen befreien gibt ein Extra-Leben. screenshot

Frei von gegnerischen Soldaten, Terroristen und jeder Menge Kriegsgerät. Einer gegen alle wie in den Filmen «Rambo» oder «Die Hard». Doch das hier ist kein Shooter. Es ist ein sehr dynamisches Jump-And-Run-Spiel bei dem es in erster Linie darum geht, im richtigen Moment loszurennen, zu springen und zu schiessen. Genau so wie etwa bei «Super Mario Bros», nur dass die Gegner hier besser bewaffnet sind.

Je länger ich spiele, desto mehr Charaktere – Bros genannt – schalte ich mir im Spiel frei. Meine hypermaskuline Truppe besteht aus Parodien von Terminator, Robocop, Zorro, Baracus, James Bond, Conan, dem Barbaren und vielen anderen.

Zusammen mit den Heavy Metal Guitarren am Ende eines geschafften Levels und der donnernde G.I.-Stimme, die mich anfeuert, unterstreichen diese testosterongefüllten Charaktere die Ironie, die in Broforce steckt. Das Spiel ist eine einzige Übertreibung. Eine, die richtig Spass macht.

Jedem Bro seine Force

Jeder meiner Helden ist individuell bewaffnet. Mit einer Hauptwaffe, die man nie nachladen muss und einer zweiten Spezial-Waffe mit nur ein paar wenigen Schuss.

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Bildlegende: Wir haben einen neuen Bro freigeschaltet. screenshot

Jede Waffe oder Angriffsmethode hat dabei eine unterschiedliche Reichweite und Geschwindigkeit und richtet unterschiedlich grossen Schaden an. Von Faustschlägen bis hin zu Raketenwerfern oder Laserwaffen.

Die Entscheidung, mit welcher Figur ich spiele, liegt allerdings nicht bei mir. Zu Beginn eines jeden Levels schlüpfe ich zufällig in die Haut eines meiner Bros und muss aus seinen Fähigkeiten das Beste machen.

Zu dem einen Leben, mit dem ich jeweils in ein Level starte, kommen weitere hinzu, sobald ich auf gefangene Bros stosse und sie befreie. Doch im selben Moment schlüpfe ich erneut in eine zufällig gewählte Haut: In die des befreiten Bros nämlich. Das kann sehr ärgerlich sein, wenn man zum Beispiel den Terminator mit Maschinengewehr gegen Indiana Jones mit Peitsche tauschen muss. Just in einem Moment, wo sich lohnende Ziele in der Ferne böten. Manchmal braucht es deshalb Mut und Kalkül, um einen Gefangenen links liegen zu lassen und auf das Extra-Leben zu verzichten. Dafür behält man dann die für diese Spielsituation ideale Figur.

Druckwellen, die Pixel verbiegen

An Munition, Sprengkörpern und auch schwerem Kriegsgerät mangelt es in Broforce wirklich nicht. Hat man die ersten paar einfachen Levels überstanden, detonieren Pixel im Sekundentakt.

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Bildlegende: WE HAVE EXPLOSIVE screenshot

Die charmante Retro-Ästhetik steht dabei im Kontrast zu den dynamischen Animationen der Figuren und Waffen, den satten und reichhaltigen Sounds und den visuellen Effekten. Wenn einzelne Waffen feuern oder grosse Ladungen detonieren, wackelt schon mal der ganze Bildschirm und die Pixel verformen sich wie von einer Druckwelle erfasst.

Taktik vs. Massaker

Ob wir uns in Broforce taktisch verhalten, indem wir Hindernis um Hindernis und Gegner für Gegner vorsichtig auschalten, oder ob wir in Kamikaze-Art in vollem Lauf und aus vollen Rohren schiessend ins Gefecht werfen, ist uns überlassen. Beide Strategien führen irgendwann ans Ziel und beide haben ihren eigenen Reiz.

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Bildlegende: Schwer getroffen... screenshot

Und obwohl wir in beiden Fällen ein eigentliches Massaker anrichten, geht es bei Broforce nie darum, möglichst viele Gegner zu erledigen. Es geht darum, die einzelnen Parcours möglichst elegant zu bewältigen, so wie wir das von anderen Jump-And-Run-Games kennen. Dazu gehört bei Broforce halt auch ein glühender Gewehrlauf.

«Broforce» läuft auf Windows & Mac (Steam). Für Linux existiert eine kostenpflichtige Beta-Version (Humble).