Review: «Cat Goes Fishing»; oder, Über das Angeln

In «Cat Goes Fishing» angelt eine Katze immer grössere Fische. Es ist toll – und für uns der Anlass, grundsätzlich über Angeln in Games zu sprechen.

«Cat Goes Fishing» sagt schon fast alles. Eine Katze, immer links im Bild, angelt. Die Maus klicken und im richtigen Moment loslassen wirft die Angel aus; erneutes Klicken zieht sie wieder ein.

Obwohl Katzen ja Fische mögen sollen (woher kommt eigentlich dieses Klischee? Katzen sind doch bekanntlich wasserscheu), frisst sie ihren Fang nicht. Sondern verkauft ihn – oder wirft ihn als Köder wieder aus, um einen grösseren Fisch zu fangen.

Die Katze sitzt in einem Boot. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: I'm on a boat!!! Screenshot

Das Spiel gibt uns Aufgaben vor; einen bestimmten Fisch fangen beispielsweise. Mit dem verdienten Geld können wir uns bessere Angelruten kaufen, Zubehör wie ein Radargerät oder Raketen, die uns, an der Angel befestigt, weiter auswerfen lassen. Wer fleissig spart, kann sich schliesslich gar ein Boot leisten.

Nur ein Klick

Die Grundmechanik ist toll: Wir lassen den Köder absinken und manövrieren durch geschicktes Einziehen im richtigen Moment um die Fische herum, die wir gerade nicht fangen wollen. Das ist die Hauptschwierigkeit: einen Weg finden, um die kleinen, wertlosen Viecher fernzuhalten und den fetten Fang zu erwischen.

Dass «Cat Goes Fishing» das Erstlingswerk eines Dreierteams aus North Carolina ist, sieht man dem Spiel an – alles etwas minimal und unpoliert. Doch die Katze ist niedlich und das Game-Design gelungen. Es fordert gerade genug, um immer noch einmal auszuwerfen; ist aber gleichzeitig so ruhig, dass man nebenher gut Podcasts hören kann.

Oder darüber nachdenken, warum ich so gerne in Spielen angle.

Angeln ist super

Jaja, echte Fischer denken jetzt: «So was doofes, zum Angeln muss man in die Natur!» Damit habe ich keine guten Erfahrungen gemacht: Schon als kleiner Junge musste ich erfahren, dass der kleingeschnittene Cervelat im Sandeimerchen nicht den besten Köder abgibt, jedenfalls nicht für Fische (der Hund, der den Inhalt des Eimers in Sekunden hinunterschlang, freute sich dagegen sehr).

In Spielen jedoch habe ich dutzende Stunden mit Angeln verbracht. In «Animal Crossing: New Leaf» war es meine Lieblingsbeschäftigung. In «Elder Scrolls Online» habe ich mit einer Spielfigur geangelt, die ich liebevoll «meine dicke Katze» nannte. Oh ja, die Vorahnung ist beinahe unheimlich! Eines meiner liebsten Smartphone-Spiele ist das grossartige «Ridiculous Fishing». Und dann ist da noch «World of Warcraft», der Höhepunkt meiner Fischer-Karriere.

Entspannen

Denn Angeln ist ein perfekter Game-Loop: laufend kleine Belohnungen, aber anspruchslos genug, um einen entspannten Zen-Zustand zu erreichen.

  • Das Auswerfen und/oder das Einziehen der Angel erfordert minimales körperliches Geschick, gutes Timing.
  • Dennoch ist die Tätigkeit selbst regelmässig, gleichförmig, ruhig, entspannt.
  • Die kleine Geschichte «Uh uh uh, gleich beisst etwas an, noch nicht, uh uh, ah, jetzt!» erzeugt stets von Neuem sanfte Spannung.
  • In die Tiefe gehen ist freiwillig: Wir lernen, welche Fische es wo und wie zu fangen gibt und füllen unser Fangbuch aus.
Die Katze trägt einen sommerlichen Strohhut und hat einen Turgeon an der Angel. Wert: $4000. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Angeln mit Hut ist immer gut. Screenshot

Angeln ist wie Solitaire: Wir spielen es dann, wenn wir uns nicht anstrengen oder fordern wollen. Einfach ein bisschen die Finger beschäftigen, Zeit totschlagen.

«Cat Goes Fishing» versteht das total. Entspannung, klare, einfache Ziele, Routine und eine Katze, die herzig miaut, wenn wir einen guten Fisch fangen.

Ein Kommentierer bei Steam beschreibt es so: «Great when I’m too stoned to play Counter Strike».

«Cat Goes Fishing» ist für PC, zum Download bei Steam. Das Haikiew ist hier.