Review: «Disney Infinity 3.0: Twilight of the Republic»

Wir schwingen das Lichtschwert und lehren Darth Maul das Fürchten. Im Wissen, dass die Macht immer bei uns ist. «Disney Infinity 3.0: Twilight of the Republic» ist eine geglückte Adaption der Star-Wars-Filme als Familienspiel.

Mit «Disney Infinity 3.0: Twilight of the Republic» erweitert Disney seine Infinity-Reihe mit einen Erfolgsgaranten. Wer will schon nicht einmal selber in die Haut von Luke oder Anakin Skywalker, Han Solo oder Prinzessin Leia schlüpfen, um Darth Maul und anderen Bösewichten die Stirn zu bieten? Eine Runde im Millenium Falcon zu drehen?

Anakin und Ahsoka stehen als Plastik-Figuren auf einem Pad. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Anakin und Ahsoka auf dem Infinity-Pad SRF

Ich wollte es auf jeden Fall und meine drei Buben (7, 9 und 13) auch.
Die Star-Wars-Charaktere Anakin Skywalker und Ahsoka Tano sind dem Spiel als Sammelfiguren beigelegt.
Wir packen die Spielfiguren aus und setzen sie auf das Inifinity-Pad, das wir mit der Spielkonsole verbunden haben. Das Pad beginnt zu leuchten und die Spielfiguren wandern von der realen Welt hinüber in die Spielwelt. Sie tauchen auf dem Bildschirm auf. Wir sind ready.

Die Mission beginnt

Ich wähle Anakin als Spielfigur aus und soll nun eine Mission erfüllen. Auf dem Wolkenkratzer-Planeten Coruscant werde ich mitten in das Geschehen geworfen und muss mich sogleich gegen die ersten Droiden-Kämpfer behaupten. Sie lassen sich zum Glück noch ohne schwierige Angriffs-Kombos erledigen. Mein Lichtschwert zerteilt sie mit wenigen Hieben.

Doch eine Überwachungsdrohne hat mich entdeckt. Ich folge ihr mit waghalsigen Sprüngen über die Strassenschluchten und stecke bereits mitten im Abenteuer. So führt mich das Spiel von einer Action zur nächsten und verpackt die einzelnen Szenen in eine übergeordnete Geschichte. Diese führt mich über verschiedene Planeten und Schauplätze hinweg schlussendlich zu meinen grossen Gegenspieler, dem Sith Lord Darth Maul.

Die richtige Stimmung eingefangen

Schon in den ersten Spielszenen fällt auf, wie sorgfältig die Charaktere designt und animiert sind, wie stilvoll die Welten denen der Star-Wars-Filme nachempfunden sind.

Startrampe und Sternkarte. Lovely. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Uuuh! Wir dürfen zum ersten Mal mit einem Raumschiff losfliegen. screenshot

Einen kurzen Augenblick wähne ich mich in einer Episode aus «Star Wars: The Clone Wars». Die Comic-Ästhetik des Spiels orientiert sich ganz offensichtlich an der Trickfilm-Serie. Sie tut das aber mit dem richtigen Mass: Alles ist ein wenig heller, bunter und freundlicher, der Ausdruck der Figuren noch etwas kindlicher. Und es ist schlicht und einfach richtig schön hier.

Die Handlung ihrerseits bedient sich an Versatzstücken aus den Star Wars Episoden I bis III. Trotz diesem stilistischen und inhaltlichen Flickwerk gelingt es dem Spiel erstaunlich gut, die Stimmung der Star-Wars-Saga einzufangen. Nicht zuletzt wohl auch wegen des sehr geschickt eingesetzten Original-Soundtracks.

Ein familientaugliches Erlebnis

Die wechselnden Schauplätze und tollen Szenerien täuschen ein wenig darüber hinweg, dass ich genau betrachtet nicht viel mehr mache, als Lichtschwertkämpfe zu führen und Luftschlachten zu fliegen.

Blick aus dem Cockpit des wendigen aber etwas unterbewaffneten Naboo-Fighters. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Luftschlacht um das Droiden-Kontrollschiff. screenshot

Auch wenn spektakulär anzuschauen, geht es bei letzteren lediglich darum, gegnerische Raumschiffe ins Visier zu manövrieren und zum richtigen Zeitpunkt die Laserkanone abzufeuern. Dazu kommen ab und an ein paar anspruchsvollere Flugmanöver und Sprungsequenzen, mehr nicht.
Macht aber nichts, weil die Geschichte immer trägt und kurze Zwischensequenzen die Handlung stets weitertreiben.

Das Gefühl, in einem richtigen Star-Wars-Abenteuer zu stecken, ist es wohl auch, was meine Kinder in den Bann zieht. Sie nehmen aufgeregt an diesem Abenteuer teil, übernehmen selber die Verfolgung des Kopfgeldjägers Cad Bane und räumen auch schon mal einfachere Gegner aus dem Weg.

Die Figur Darth Maul schaut grimmig drein. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine harte Nuss zum Schluss. screenshot

Spielfigur und Kamera gleichzeitig mit dem Controller zu steuern, überfordert allerdings vor allem die jüngeren beiden. Das Spiel verlangt auch nicht wenig von ihnen. Sie sollen mit ihrer Figur jederzeit mit dem Laserschwert angreifen, gegnerische Angriffe blocken, hochspringen, sprinten, etwas aufheben und die Macht einsetzen können. Dazu kommen später noch Angriffskombos, ohne die man die Boss-Fights gegen Gegner wie General Grevious oder Darth Maul nicht übersteht. Aber auch deswegen ist «Twilight of the Republic» ein ideales Familien-Spiel: Als Papa darf und muss man immer mal wieder den Controller selber in die Hand nehmen, dann wenn es brenzlig wird.

«  Papa, übernimm! Grievous greift an! »

So sitzen wir zu viert auf der Couch und der Controller wandert von einer Hand zur anderen. Je nachdem ob es zu Fuss die Gegend zu erforschen, ein Raumschiff zu steuern, oder einen Kampf zu bestehen gilt. Und auch wer nicht selber in das Spielgeschen eingreift, kann sich als Teil der Handlung verstehen, ihr wie in einem Film folgen.

Koop-Modus: mehr Spass, weniger Platz

«Twilight of the Republic» lässt sich im Koop-Modus auch zu zweit spielen. Dann kämpfen Anakin und Ashoka Seite an Seite. Da sich beide Spieler frei in der Welt bewegen können, ist das nur mit einem Split-Screen möglich, also einem zweigeteilten Bildschirm. Das macht das Spiel unübersichtlicher, weil die eine Hälfte die andere ablenken kann und weil Gegner von der Seite auf dem schmaleren Screen zu spät zu sehen sind. Vielleicht wäre ein Design mit mehreren Spielern auf einem einzigen, gemeinsamen Screen besser gewesen. Denn zu zweit und mit vereinter Jedi-Macht in den Kampf zu ziehen, ist sehr reizvoll.

Anakion und Ahsoka teilen sich den Bildschirm. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Multiplayer: Anakin und Ahsoka teilen sich den Bildschirm. screenshot

Kaum haben wir uns im Koop-Modus zurecht und eine gute Form des Teamworks gefunden, ist der Story-Modus von «Twilight of the Republic» aber auch schon zu Ende. Dies nach nur wenigen Stunden Spielzeit, also eindeutig zu früh. Natürlich böte das Spiel jetzt noch die Möglichkeit, versteckte Gegenstände zu finden, seine Fähigkeiten zu verbessern oder kleine Missionen zu erfüllen, doch der wichtigste Reiz des Spiels ist vorbei.

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Wenn wir Produkte testen, leihen wir sie aus und geben sie wieder zurück. Ist das nicht möglich, kaufen wir sie. Wir dürfen keine Geschenke annehmen.

Doch «Disney Infinity» ist ja ein Sammelfiguren-Spiel! Wer also mehr Star-Wars-Abenteuer erleben will, braucht nur neue Figuren wie etwa Han Solo und Prinzessin Leia zu kaufen. Damit schaltet man sich neue Missionen frei und darf endlich auch mit dem Millenium Falcon fliegen. Wer allerdings zwei dieser sogenannten «Playsets» kauft, gibt doppelt so viel aus wie bei anderen Spielen üblich.

Wie Skylander, Amiibo, Lego Dimensions

Sammelfiguren-Spiele sind denn scheinbar auch die Goldesel der Stunde. Die «Skylanders»-Serie von Activision oder die «Amiibo»-Figuren von Nintendo basieren auf dem gleichen Prinzip wie «Disney Infintiy». Auch dort schaltet man neue Bereiche und Figuren im Spiel frei, indem man weitere Sammelfiguren kauft. Und mit «Lego Dimensions» kommt soeben ein weiteres solches Spiel auf den Markt. Das Prinzip bedient die Bedürfnisse des jungen Zielpublikums offenbar perfekt: Figuren sammeln, die Figuren im Spiel zum Leben erwecken, mit ihnen neue Inhalte freischalten. Weh tut das nur dem Portemonnaie der Eltern.

«Disney Infinity 3.0: Twilight of the Republic» ist für Playstation 3/4, Xbox 360/One und Wii U.