Review: «Lego Star Wars: The Force Awakens»

Rätseln, Dinge kaputt hauen und neu zusammenbauen, etwas kämpfen, viel sammeln und freischalten, am besten zu zweit – das ist die bewährte Formel der Lego-Spielserie. Auch «Lego Star Wars: The Force Awakens» weicht davon nicht ab, und das ist gut so.

Als kleiner Junge machte ich nichts lieber als mitten in einem grossen Lego-Haufen zu sitzen, nach Teilen zu wühlen, etwas zu bauen und dazu eine Geschichte zu erfinden.

Den letzten Star-Wars-Film «The Force Awakens» habe ich zweimal gesehen und beim zweiten Mal noch besser gefunden als beim ersten Mal. Die Kritik am Film, man habe einfach ein «Best of» der ersten Trilogie abgeliefert, kann ich zwar nachvollziehen. Im Kino war mir das aber total egal, vor allem weil ich die neuen Figuren Rey, Finn, Poe Dameron und Kylo Ren grossartig finde.

Setzt man diese beiden Leidenschaften zusammen, kommt dabei «Lego Star Wars: The Force Awakens» heraus. Wie für mich gemacht, müsste man meinen.

Ist es aber streng genommen nicht. Jedenfalls nicht im Szenario «erwachsener Star-Wars-Fan spielt alleine». Am besten ist das Spiel nämlich nicht allein, sondern zu zweit auf dem Sofa. Entweder mit dem Partner oder der Partnerin, wenn beide «Star Wars» mögen und «The Force Awakens» gesehen haben. Oder noch besser generationenverbindend: Kind spielt mit Mami, Papi, Götti oder älterem Geschwister.

Video: Guido spielt «Lego Star Wars: The Force Awakens» (Let’s Play)

Parodie des Films

Im Gegensatz zu früheren «Lego Star Wars»-Spielen wird hier nur die Geschichte eines einzelnen Films nacherzählt und parodiert, nicht die einer ganzen Trilogie oder TV-Serie. Im Gegensatz zu anderen Kritikern fand ich die Geschichte deswegen aber nicht zu dünn. Erstens, weil die Parodie gelungen ist, besser und bissiger als «Stormtrooper mit Glacé in der Hand fällt im Hintergrund um» (wie das in andern Lego-Games auch schon war). Und zweitens, weil mir die Rätsel-Abschnitte ohnehin wichtiger sind als die Geschichte.

Denn alle Figuren sind zwar von den echten Schauspielern des Films gesprochen. Doch die visuellen Nuancen von John Boyega, Daisy Ridley, Oscar Isaac oder Adam Driver können die Lego-Figürchen halt beim besten Willen nicht liefern.

In das richtige Lego-Figürchen schlüpfen

Kylo Ren öffnet die Türe zu seinem Zimmer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Man beachte die Darth-Vader-Poster im Hintergrund. Screenshot

Stattdessen ist es die gewohnte Lego-Spielmechanik, die den wichtigsten Reiz des Spiels ausmacht. Wir sind meist mit zwei bis vier Figuren unterwegs, wie in einem Rollenspiel. Alleine oder zu zweit steuern wir je eine Figur. Per Knopfdruck können wir in eine andere schlüpfen. Jede Figur hat eigene Fähigkeiten. Rey kann klettern, Finn einen Enterhaken werfen, der Droide BB-8 elektronische Schlösser öffnen, Chewbacca Granaten schleudern. Wir versuchen, die richtigen Knöpfe zu drücken, um verschlossene Abschnitte zu erreichen oder Gegner zu bekämpfen.

Ausserdem hauen wir überall die (natürlich aus Lego-Steinen gebaute) Szenerie kaputt, um aus den Steinen neue Teile zusammen zu bauen und so beispielsweise eine Machine zu reparieren.

In jedem Level gibt es ausserdem optionale Abschnitte oder Rätsel, die wir nur mit bestimmten Figuren lösen können. Die schalten wir im Laufe des Spiels frei und können dann mit ihnen noch einmal zurückkehren und Neues finden und sammeln.

So viel sammeln!

Im Hintergrund ein abgestürzter Star Destroyer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Finn zieht mit seinem Enterhaken. Screenshot

Es geht also nicht nur darum, die Geschichte des Films einmal durchzuspielen – sondern vor allem, möglichst viele Figuren und Flugzeuge freizuschalten und Gegenstände zu sammeln. Mit 18 linearen Levels, fünf offenen Abschnitten, 40 Gefährten und über 200 Figuren gibt es für die Komplettisten jede Menge zu tun.

Mir persönlich war das zu viel, ich habe dafür weder die Zeit noch die Ausdauer. Doch ich bin sicher, dass die jüngeren Star-Wars-Fans das Sammeln, die simple Grundstruktur und die Menge schätzen.

Eine gute Neuerung

Neu ist, dass wir ab und zu aus der Deckung auf Gegner schiessen. Mechanisch ist das nicht besonders gut gelungen und ich hätte wohl darauf verzichten können. Diese Abschnitte sind aber kurz und nicht allzu häufig, sie stören deshalb nicht.

Viel besser ist die zweite Neuerung: sogenannte «Multi-Builds». Wenn wir etwas kaputt hauen, erhalten wir neue Lego-Bausteine. Diese können wir zu etwas Neuem zusammenbauen. In früheren Versionen war dies jeweil genau ein vorbestimmter Gegenstand.

In «The Force Awakens» kann man stattdessen oft zwischen zwei oder drei verschiedenen Gegenständen auswählen. Das macht die Rätsel komplexer und damit interessanter: Zuerst dort ein Rohrbruch schliessen, um den Wassertank zu füllen. Dann das Rohr wieder kaputthauen und dort einen Schalter einbauen, um den Wassertank zu verschieben. Dann diesen Schalter zu einer Wasserkanone umbauen, die ein Feuer löscht, das uns den Weg versperrt hatte.

Am besten zu zweit

Rey und ein Ewok im Wald. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zu zweit auf Endor unterwegs. Screenshot

Das alles kann man alleine spielen. Jederzeit kann aber eine zweite Person einen Kontroller in die Hand nehmen und sofort mit einsteigen. Also helfen, wenn jemand nicht weiterkommt, oder einfach zu zweit einen Abschnitt erkunden. Diese Flexibilität ist nach wie vor die grösste Stärke der Lego-Spiele.

Rätseln und erkunden, Dinge auseinanderhauen und neu zusammenbauen, etwas kämpfen, viel sammeln und freischalten, alleine oder zu zweit – das ist die bewährte Formel dieser Serie. Damit ist «Lego Star Wars: The Force Awakens» natürlich mehr vom Gleichen. Doch es ist eben alles sehr gut, nicht zuletzt auch wegen der parodierten Geschichte.

«Lego Star Wars: The Force Awakens» gibt es für so ziemlich jede Plattform: Playstation 3 & 4, Xbox 360 und One, Wii U und PC. Ausserdem portable (nur leicht abgespeckte) Versionen für 3DS, Vita und iOS.