Review: «Overcooked»

Wer gerne mit Freunden kocht, der sollte für die nächste Dinnerparty «Overcooked» bereithalten. Denn wenn die Küche in Flammen steht, Ratten die zubereiteten Hamburger klauen und ein Spaghetti-Monster die ganze Stadt bedroht, kommt eine ganz neue Dynamik in den sonst so gesitteten Kochabend.

Wenn die Pommes in der Fritteuse zu brennen beginnen, dein Freund der Waschbär im Rollstuhl zum Feuerlöscher eilt, dabei aber von der Eisscholle rutscht und du so Zeuge wirst, wie die ganze Küche in Flammen aufgeht, während du doch eigentlich nur den Abwasch übernehmen wolltest, dann bist du mitten in einer ganz normalen Runde von «Overcooked».

Ein chaotischer «Couch Co-Op»-Koch-Simulator, in dem man mit bis zu drei Freunden das Kommando in einer Küche übernimmt. Im Grunde ist das Spiel schnell erklärt: Bestellung ansehen, Gemüse schnippeln, ab auf den Herd und zack auf den Teller damit. Soweit so gut.

Viel mehr muss man über «Overcooked» eigentlich nicht wissen, ausser vielleicht noch, dass das Gemüse schnippeln von Level zu Level schwieriger wird. Nicht nur, weil die bestellten Menüs anspruchsvoller werden. Sondern auch, weil hungrige Ratten die Zutaten von den Tresen stehlen. Weil die Küche auf zwei fahrende Trucks aufgeteilt ist oder ein Erdbeben sie in Stücke reisst. Und als wäre das alles noch nicht genug, macht auch noch der immer lauter tickende Countdown einem das Leben schwer.

Let's Play: Wir spielen «Overcooked»

Gemüse hackend die Welt retten

«Overcooked» verfügt sogar über eine kleine Story. Ein hübscher Zusatz, den es nicht wirklich braucht, der aber dennoch witzig ist, sofern man ihn überhaupt bemerkt. Denn die Dialoge sind nicht vertont und die Grafik nicht unbedingt reizvoll. So klicken die meisten wahrscheinlich darüber hinweg, ohne mitzubekommen, dass man gerade dabei ist, Gemüse schnippelnd die Welt zu retten.

Denn Onion Town wird von einem bösen, gefrässigen Spaghetti-Monster bedroht. Als wir ganz zu Beginn des Tutorials versuchen, das Monster satt zu kriegen, wird schnell klar, dass wir dafür noch viel zu schlecht sind. Also reisen wir zurück ins Jahr 1993, damit wir die Finessen der hohen Küche verinnerlichen. Um am Schluss das nimmersatte Monster zu besänftigen und Onion Town zu retten.

Kleines Studio mit grossen Fans

Natürlich ist «Overcooked» kein Spiel, das man tagelang ohne Pause spielen will. Und alleine macht es keinen Spass. Doch dafür ist es auch nicht gedacht. Stattdessen geht es den Machern um Teamwork und ums Spielen mit Freunden.

Es ist ein simples Prinzip, welches die Macher in etlichen Levels konsequent verfolgen und ihre Idee so fast bis ins Absurde ausreizen. Das kleine Indie-Studio hinter der Idee besteht lediglich aus zwei Entwicklern, Phil Duncan und Oli De-Vine.

Fish und Chips für Pinguine werden in diesem Level gekocht. Dabei muss man aufpassen, dass man nicht selber von der Eisscholle fliegt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Overcooked Hier wird auf einer Eisscholle gekocht. Die ist nicht nur rutschig, die ist auch ziemlich klein und wer nicht aufpass... Ghost Town Games

Ghost Town Games heisst das neue Studio der ehemaligen Mitarbeiter von Frontier Developments. Sie machen aus der Not der knappen Ressourcen eine Tugend: Sie konzentrieren sich voll und ganz auf eine Aufgabe. Kein Online-Multiplayer, kein grossartiges Design, keine unnötigen Details – sondern eine lokale Co-Op-Erfahrung, bei der Teamwork und Spass an erster Stelle stehen.

Ein Konzept, das aufgeht. Auch, weil Team17 auf «Overcooked» aufmerksam wurde. Team17 ist Spezialist für Couch-Co-Op-Spiele und Erfinder der beliebten «Worms»-Serie, einem Klassiker dieses Genres. Selten genug gibt es da Nachwuchs, und so macht Team17-CEO Debbie Bestwick mächtig Werbung:

«  We’re huge fans of couch gaming, and have been specifically looking for a game in this genre with mass market appeal. It was instantly clear just how unique and hilarious the game is. »

Debbie Bestwick
CEO Team17

Was mir an «Overcooked» gefällt: Ich kann selbst meine Freunde, die eigentlich keine Videospiele spielen, von diesem Titel begeistern. In wenigen Sätzen ist das Prinzip erklärt und mit zwei Knöpfen und einem Joystick kommt man durchs ganze Spiel. Wie sagt man so schön: ein Spass für die ganze Familie.

LOS! Ran an die Zwiebel!

Ich hatte viel Spass mit «Overcooked». Man muss sich aber bewusst sein, dass es im Prinzip nicht mehr als ein Minispiel ist. Auch wenn es sich von Level zu Level in einem neuen Gewand präsentiert.

Etwas mehr Abwechslung als nur Kochen hätte ich mir gewünscht, beispielsweise noch ein paar andere Disziplinen. Wobei gerade bei Games mit vielen unterschiedlichen Minispielen (Mario Party, Rayman Raving Rabbids, etc.) diese oft nicht so gut durchdacht sind wie «Overcooked».

Und so darf sich jeder, der gerne mit oder gegen seine Freunden antritt auf diese neue und ausgeklügelte Couch Co-Op Herausforderung freuen.

«Overcooked» ist für Playstation 4, Xbox One, Microsoft Windows und kostet rund 15 Franken.