HTTP/2 macht das Internet schneller

HTTP spielt eine zentrale Rolle im Netz: Der Web-Standard legt fest, wie wir Daten austauschen. 15 Jahre nach der Einführung der letzten Version kommt nun das überarbeitete HTTP/2. Was bringt uns das?

Mann in Anzug ohne Hose steht vor einer vorbeifahrenden U-Bahn in Mexico-City. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mobile Internet-Nutzer: Stehen mit abgesägten Hosen da, denn sie warten am längsten auf das schnellere HTTP/2. Reuters

Im «Hyper Text Transfer Protocol» (HTTP) ist festgelegt, wie ein Browser mit einem Server kommuniziert. Jedes mal, wenn wir zum Beispiel eine Webseite öffnen, kommt das Protokoll zur Anwendung.

Like it's 1999

Zusatzinhalt überspringen

HTTP/2 auf SRF 4 News

HTTP/2 ist auch Thema in der Rubrik «Digital» auf SRF 4 News am Freitag, dem 20. Februar um 11:55.

Die aktuelle HTTP-Version wurde 1999 eingeführt. Damals war die Internet-Welt noch eine andere: Wir sassen am PC und schauten uns Webseiten an, die heute primitiv scheinen. Heute ist das mobile Internet für viele selbstverständlich: Am PC lesen wir im Browser nicht nur Texte, wir bearbeiten auch komplexe Dokumente übers Netz. Und schon in naher Zukunft können wir im gleichen Browser auch noch Bilder editieren, die wir irgendwo auf der Welt abgelegt haben. Die Basis für viele dieser Aktivitäten ist das HTTP-Protokoll. Dafür war der Standard aber nicht ausgelegt. Die Veränderungen der letzten 15 Jahre schrien deshalb nach einer Überarbeitung.

Das ändert sich

Festgelegt hat den neuen Standard eine Arbeitsgruppe der «Internet Engineering Task Force». Und das sind die wichtigsten Neuerungen, vereinfacht zusammengefasst:

  • Webseiten effizienter Laden
    Eine Webseite setzt sich aus vielen Einzelteilen zusammen, von kleinen Text- bis zu grossen Bild-Dateien. Oft kommt es vor, dass mit dem bisherigen Standard nach einem Seitenaufruf eine Webseite blockiert bleibt, weil der Browser im Hintergrund ein grosses Bild herunterlädt. Neu können nun mehrere Dateien gleichzeitig heruntergeladen werden, und die kleinste kommt zuerst an. Der Browser kann dann schneller Inhalte anzeigen und wird nicht durch grosse Dateien blockiert.
  • Komprimierung
    Mit jeder Webseite lädt der Browser Zusatzinformation herunter, die der Nutzer nicht sieht – Anweisungen an den Browser. Diese sogenannten «Header» können beträchtliche Grössen annehmen. Um Netzwerk-Ressourcen zu sparen, wird diese Zusatzinformation neu mit einem eigens dafür ausgetüftelten Verfahren komprimiert.
  • Webseiten automatisch aktualisieren
    Im alten HTTP-Standard gibt es keine Möglichkeit, um eine Webseite zu aktualisieren, ohne dass der Nutzer das selbst veranlasst. Habe ich zum Beispiel am Morgen eine Seite mit Börsenkursen geöffnet und möchte mich am Mittag über den aktuellen Stand einer Aktie informieren, so muss ich die ganze Seite nochmals vom Server laden. Neu hat der Anbieter einer Webseite die Möglichkeit, ganz gezielt Daten an den Browser zu schicken – in diesem Fall die veränderten Börsenkurse. Der Vorteil: Das spart Zeit und Netzwerk-Ressourcen, da nicht mehr die ganze Seite geladen werden muss. Und der Nutzer bleibt immer auf dem aktuellen Stand, ohne dass er aktualisieren muss.

HTTP/2 kommt

Zusatzinhalt überspringen

HTTP/2 und die Browser

Firefox 36 und Chrome 40 setzen HTTP/2 teilweise um. Der Firefox 36 erscheint in den nächsten Tagen. Der Explorer von Windows 10 versteht ebenfalls HTTP/2. Es ist jedoch nicht bekannt, wann Microsoft HTTP/2 auf die anderen Windows-Versionen bringt. Keine Panik: Auch mit einem alten Browser kann man noch lange surfen!

Wer von den Vorteilen des neuen Standards profitieren möchte, braucht einen HTTP/2-tauglichen Webbrowser (siehe Box). Doch damit nicht genug: Auch die Anbieter von Web-Inhalten müssen umrüsten. Vor allem die Grossen in der Branche dürften dazu motiviert sein, denn dank Effizienz können sie Geld sparen. Eine Studie der Suchmaschine Bing hat gezeigt: Würden alle Anfragen um 10 Millisekunden beschleunigt, so könnte der Betreiber Microsoft innerhalb eines Jahres 250‘000 Dollar einsparen.

Wer möchte, wird also schon bald in den Genuss eines schnelleren Internets kommen, – wenigstens im Büro oder zu Hause. Denn dort, wo uns HTTP/2 am meisten nützen würde, müssen wir uns am längsten gedulden: unterwegs auf dem mobilen Internet. Die HTTP/2-tauglichen Mobil-Browser lassen noch etwas auf sich warten.