Ist der Bitcoin-Erfinder enttarnt?

Ein australischer Computer-Experte soll der geheimnisvolle Erfinder der Digitalwährung Bitcoin sein. Doch selbst die Journalisten, die die Identität des Mannes enthüllt haben, sind nicht sicher, ob die Spur nicht eine aufwendige Fälschung ist.

Eine Fotomontage zeigt eine Portraitfoto von Craig Steven Wright auf einer Bitcoin-Münze. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ist er's oder ist er's nicht? Es gibt Zweifel, ob Craig Steven Wright tatsächlich die digitale Währung Bitcoin erfunden hat. Reuters/Fotomontage SRF

Der australische IT-Spezialist und Berater für Computersicherheit Craig Steven Wright soll der Mann hinter der digitalen Währung Bitcoin sein. Das vermuten zumindest das Magazin «Wired» und die Website «Gizmodo». Sie stützen sich auf «geleakte» E-Mails und Kopien alter Blogeinträge von Wright. Darin fänden sich eine E-Mail-Adresse mit dazugehörigem PGP-Schlüssel – eine einmalige digitale Signatur – sowie eine weitere E-Mail-Adresse, die mit dem Erfinder des Bitcoins in Verbindung gebracht werden.

Bitcoin ist eine anonyme und nicht regulierte Digitalwährung, die seit dem Jahr 2009 benutzt wird. Von ihrem Erfinder war bis jetzt nur der Name bekannt – Satoshi Nakamoto, der als Pseudonym gilt. Diverse Journalisten haben in den vergangenen Jahren erfolglos versucht, die wahre Identität des mysteriösen Gründers aufzudecken.

Wenige Stunden nach dem Erscheinen der Berichte fand eine Durchsuchungsaktion bei Wright statt. Sie hänge mit Ermittlungen der australischen Steuerbehörde zusammen und sei nicht von den Veröffentlichungen ausgelöst worden, berichtete die englische Zeitung «The Guardian» vom Ort der Razzia.

Dokumente weisen auf einen Partner hin

Erste Hinweise auf Wright waren im November aufgetaucht, als eine Quelle aus dem Umfeld des Australiers Dokumente an Dritte weiterleitete. Darunter etwa die angebliche Dokumentation eines Gesprächs, das Wright mit den australischen Steuerbehörden geführt hatte. Damals gab er bekannt, er habe den Bitcoin seit 2009 betrieben.

Neben Wright soll auch der amerikanische Experte für Computerforensik Dave Kleiman an der Entwicklung der Währung beteiligt gewesen sein. Diverse Dokumente würden darauf hinweisen. Laut «Gizmodo» starb Kleiman, der nach einem Motorrad-Unfall auf den Rollstuhl angewiesen war, völlig verarmt im Jahr 2013.

Echtheit der Beweise wird angezweifelt

Sowohl «Wired» wie auch «Gizmodo» räumen ein, dass sie die Echtheit der ihnen zugespielten Dokumente nicht bestätigen können. Der «New York Times»-Reporter Nathaniel Popper schrieb bei Twitter, auch er habe die Unterlagen vor einigen Wochen angeboten bekommen. Wegen Zweifeln an der Authentizität habe er aber auf eine Berichterstattung verzichtet.

«The Guardian» sprach mit Leuten, die sich als Bekannte von Wright ausgaben. Diese bezweifelten stark, dass der 44-jährige tatsächlich Satoshi Nakamoto ist. Hinter vorgehaltener Hand gingen einige davon aus, dass es sich bei der Geschichte um einen ausgeklügelten Schwindel handle. Auch die Webseite «Motherboard» meldet starke Zweifel an, dass es sich bei Craig Steven Wright tatsächlich um den wahren Satoshi Nakamoto handelt.

Der beste aller Kandidaten

Tastsächlich ist Wrights Name bislang in der Diskussion um die wahre Identität von Satoshi Nakamoto nie aufgetaucht. Doch der Australier ist seit längerer Zeit in Geschäftsprojekte rund um den Bitcoin involviert. Im letzten Jahr erklärte er öffentlich, die erste Bitcoin-Bank der Welt eröffnen zu wollen. Wright ist auch Besitzer zweier Supercomputer, deren Rechenleistung für Bitcoin bezogene Projekte eingesetzt werden.

Zusammen mit Wrights Äusserungen in Blogs, Mailinglisten und sozialen Medien ergibt sich für «Wired» deshalb das Bild eines Mannes, der ungleich mehr als alle bisherigen Kandidaten dafür in Frage kommt, der Mann hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto zu sein.

Fast eine halbe Milliarde Dollar

Die Frage nach dem Bitcoin-Urheber ist auch deshalb spannend, weil ihm ein Schatz von 1,1 Millionen Einheiten der Digitalwährung zugerechnet wird. Er wäre nach aktuellem Kurs über 460 Millionen Dollar wert.

«Wired» erklärte, in den zugespielten Unterlagen finde sich ein Dokument, in dem sich Wrights Partner Dave Kleiman bereiterkläre, die Kontrolle über einen Fonds mit 1,1 Millionen Bitcoin zu übernehmen. Experten gehen davon aus, dass nur der Erfinder des Bitcoins – Satoshi Nakamoto – sich ein Bitcoin-Paket in dieser Grösse zulegen konnte.

Sollte sich der Besitzer des Paketes entschliessen, seine Bitcoins allesamt auf den Markt zu werfen, würde das den Wert der Währung stark sinken lassen. Im Moment scheint das Vertrauen in den Bitcoin aber ungebrochen. Nach der Publikation der Berichte von «Wired» und «Gizmodo» ging sein Kurs heute nach oben.