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Digital «littleBits Synth Kit»: Klänge kreieren und verstehen

Wie funktioniert ein Synthesizer? Mit den Modulen von littleBits stöpseln wir klingende Schaltkreise zusammen und lernen, wie elektronische Musik entsteht.

Elektronische Schaltkreise stecken in fast allen Geräten, die uns im Alltag begegnen. Doch wie sie funktionieren, verstehen nur die wenigsten. Das will das Unternehmen littleBits verändern. Wie die Gründerin Ayah Bdeir, Link öffnet in einem neuen Fenster in einer TED-Präsentation, Link öffnet in einem neuen Fenster ausführt, geht es ihr darum, Schaltkreise zugänglich und verstehbar zu machen, also Grundlagen zu vermitteln – uns Allgemeinwissen über elektronische Schaltungen spielerisch entdecken zu lassen.

Schaltkreise verstehen

Entsprechend didaktisch ist das littleBits-System aufgebaut. Es besteht aus kleinen Modulen, die jeweils eine einfache Funktion haben. Es gibt Schalter, Dimmer, Motörchen, Lämpchen oder verschiedene Kabel. Alles ist farbcodiert: Blau ist Strom, Pink ist Input, Grün ist Output, Orange sind Verbindungen. Und wie Legosteine lassen sich alle diese Module zusammenstecken, mit einer cleveren magnetischen Verbindung.

Das bedeutet, dass wir ohne Vorkenntnisse und ohne Löten sofort intuitiv kleine Schaltkreise zusammenstöpseln, beispielsweise ein blinkendes Lämpchen.

Die Module können gezielt einzeln gekauft werden; oder in vorausgewählten Sets, die eine breite Palette von Möglichkeiten bieten und in schön bebilderten Anleitungen Projekte vorschlagen. Nun hat littleBits in Zusammenarbeit mit dem japanischen Synthesizer-Pionier Korg eine Reihe von Modulen hergestellt, die sich im «Synth Kit, Link öffnet in einem neuen Fenster» zu einem analogen Synthesizer zusammensetzen lassen.

Das ist mehr als eine Spielerei für Synthesizer-Fans (auch wenn die beim Namen Korg wohl hellhörig werden). Denn elektronische Klangerzeuger stecken heute in fast jeder Form von Musik.

Selbstbau-Synthesizer

Und so nehmen wir einen Oszillator aus dem «Synth Kit» und schliessen die Batterie an, dazu einen kleinen Lautsprecher. Und schon erklingt ein Ton, dessen Höhe wir mit einem Drehregler verändern. Um den Klang zu gestalten, stöpseln wir einen Filter zwischen Oszillator und Lautsprecher. Um Melodien zu spielen, hängen wir entweder ein kleines Keyboard davor oder lassen einen Step-Sequenzer vier Töne in Endlosschlaufe abspielen.

Mit den zwölf Modulen im «Synth Kit» (ein zweiter Oszillator, dazu Zufallsgenerator, Delay, Hüllkurve oder ein kleiner Mixer) lässt sich mit genug Fantasie eine erstaunlich breite Palette von Klängen erzeugen. Mir haben beim Spielen höchstens ab und zu ein oder zwei weitere Kabelverbindungen gefehlt. Das würde nicht nur weitere Möglichkeiten öffnen, sondern das Gebilde liesse sich auch etwas bequemer anordnen.

Durchaus auch für Musiker

Für die Drehregler-Sportler der Live-Musiker-Fraktion ist die eigene Kreation etwas zu unstabil. Weil die Verbindungen nur mit recht schwachen Magnete zusammengehalten werden, fallen sie entsprechend leicht wieder auseinander. Das Problem ist aber erkannt: littleBits will bald ein Steckbrett , Link öffnet in einem neuen Fensterherausbringen, um die Module darauf fixieren zu können. Wer gerne werkelt, kann sich etwas ähnliches natürlich jetzt schon aus Karton oder Holz basteln.

Abgesehen von der mechanischen Instabilität kann ich mir den Steck-Synthesizer durchaus im Live-Einsatz vorstellen. Die Oszillatoren mit Sägezahn- oder Pulswelle und der Filter mit einer schönen Resonanz klingen analog-knackig. Was die Korg-Fans nicht überraschen dürfte, sind die Bauteile doch nah am Design des beliebten Monotribe-Synthesizers.

Auf dem Lautsprecher-Modul ist auch ein Kopfhörer-Ausgang verbaut – damit ist der Synthesizer leicht an anderes Gerät anzuschliessen. Weil es bisher keine weiteren Schnittstellen (z.B. MIDI) gibt, lässt sich das «Synth Kit» nicht präzise mit anderen Geräten synchronisieren. Das ist bei rhythmischer Musik natürlich eine wichtige Einschränkung. Bei Ambient oder Noise kann ich mir aber gut vorstellen, das Gerät in einer Performance einzusetzen. Dass man nicht nur den Synthesizer live manipuliert, sondern ihn auch gleich noch live umbaut, müsste reizvoll sein.

Während also Einsteiger schnell seltsame Klänge produzieren und gleich noch begreifen, wie diese entstehen, gibt es für Profis viel Spielraum für abgefahrene Kreationen. Dann aber vielleicht nicht mit einem, sondern zwei Sets, um mehr Filter und Sequenzer zur Verfügung zu haben. Besonders Ambitionierte finden im Sortiment von littleBits auch weitere Kabel, einen Puls-Generator oder ein kleines Mikrofon inkl. Line-Eingang.

Open Hardware: Frei verfügbare Schaltkreise

So ist das littleBits-Projekt auch ein Beispiel für die Idee der Open Hardware. Wie es der Open-Source-Bewegung darum geht, Software-Code frei zugänglich zu machen, will die Open-Hardware-Community Baupläne für elektronische Schaltungen frei verfügbar machen. Im Fall von littleBits bedeutet das, dass die Schaltpläne aller Module bei Github frei zugänglich, Link öffnet in einem neuen Fenster sind. Aufgrund dieser Pläne können Spezialisten dann zum Lötkolben greifen und beispielsweise einen Schaltkreis anlöten, der Synchronisation mit anderen Korg-Geräten ermöglichen würde.

Dass alle Schaltpläne frei verfügbar sind, bedeutet, dass auch Korg ihre normalerweise gut gehüteten Baupläne für die Oszillatoren, Link öffnet in einem neuen Fenster oder Filter , Link öffnet in einem neuen Fensteroffenlegen musste. Dass der japanische Hersteller hier offenbar keine Angst vor Kopierern hat, ist nicht selbstverständlich und darum bemerkenswert.

Ein bisschen lieferbar

Noch nicht viele «Synth Kits» wurden ausgeliefert. Ich habe Anfang November bestellt und Ende Dezember geliefert bekommen, direkt aus der Fabrik in Shenzen. Aktuell spricht die Website von «Pre-Order» und 6 - 8 Wochen Lieferfrist, Geduld ist also gefragt. Ausserdem beachten: zu den 160 Dollar pro Kit kommt noch anständig Zoll dazu.