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Digital Musiker machen Apps. Apps machen Musik

Boris Blank reiht sich mit «Yellofier» in eine stetig wachsende Liste von Musikern ein, die statt einer neuen Platte eine App herausgeben. Die Musik wird damit nicht mehr nur wiedergegeben, sie entstehen immer auf’s neue.

Der Video-Clip hat der Pop-Musik in den 80er-Jahren eine ganz neue Ausdrucksform verliehen. Und auch wenn die interaktive Musik-App wohl kaum das Erbe des Video-Clips antritt, so eröffnet sie den Musikern wie auch dem Publikum ungeahnte neue Möglichkeiten des Ausdrucks und der Interaktion.
Der «Yellofier» von Boris Blank spielt fast auf der ganzen Klaviatur dieser Möglichkeiten.

Vom glorifizierten Pop-Video bis hin zum Tonstudio

Das Spektrum an inhaltlichen Vorgaben und technischen Möglichkeiten der von Musikern entworfenen Apps ist breit. Hinter den namhaften Vertretern stecken fast ausschliesslich Pioniere der Pop-Musik. Vor Boris Blank haben sich schon das Gesamtkunstwerk Björk, die Produzenten-Legende Brian Eno und die Deutschen Elektro-Avantgardisten von Kraftwerk an ihre eigene App gewagt. Wie viel vom Inhalt unveränderlich bleibt und wie viel Interaktion die App dem Nutzer überträgt, ist dabei jeweils sehr unterschiedlich.

So lässt das Björk-Album «Biophilia» dem Benutzer in seiner digitalen Form kaum Spielraum, die Musik selbst zu beeinflussen. Die Interaktion spielt sich bei Björk fast gänzlich auf der grafischen Ebene ab. Der «Yellofier» von Boris Blank bewegt sich am anderen Ende dieses Spektrums. Die App setzt dem Nutzer keine Grenzen, sondern fordert ihn im Gegenteil dazu auf, kreativ zu werden. Sie baut eine Brücke

zwischen Autor und Publikum, in dem sie dem Benutzer die Möglichkeit gibt, selbst geschaffene Klänge auf sozialen Kanälen mit Yello oder auch dem Rest der Welt zu teilen. Der Yellofier ist Spielzeug, mobiles Studio, Musik- und Marketinginstrument in einem.

Die Nase im Wind mit Brian Eno

Schon fast als Proto-App könnte man «Bloom» des Star-Produzenten Brian Eno (U2, David Bowie, Talking Heads, Coldplay) bezeichnen. «Bloom» stammt aus dem Jahr 2008, also aus der Zeit als Apple mit dem iPhone noch konkurrenzlos im Smartphone-Markt dastand.

Im heutigen Vergleich wirken die Möglichkeiten der App bescheiden; sie erzeugt lediglich einen Piano-Klangvorhang aufgrund von Bildschirm-Berührungen. Der endlose Loop, der daraus entsteht, hat allerdings eine harmonische und rhythmische Ausstrahlung, die noch immer fesselt.

Die Entwicklung der letzten fünft Jahre hat uns vom verträumten Piano-Loop bis zum 4-Spur-Stepsequenzer mit automatischem Audiosampling gebracht.
Und noch sind die formalen und technischen Möglichkeiten längst nicht ausgeschöpft. Wir dürfen darauf gespannt sein, auf welche Art Musiker ihre Werke in Zukunft mit moderner Technologie erlebbar und neu erschaffbar machen werden.

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