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Digital Polizei-Informatik: Der Freund des Helfers

Am Schweizer Polizei-Informatik-Kongress tauschen 600 Polizisten ihre Erfahrungen mit digitaler Technik aus. Doch es geht auch ums Geschäft: Rund 30 IT-Firmen bieten ihre Produkte an. Der Laie fühlt sich angesichts der Monitorwände in eine Fernsehserie versetzt.

Detailaufnahme Polizist, der an der Brust ein Funkgerät trägt.
Legende: Kommunikation in allen Formen: Zwischen Einsatzzentrale und Polizist, Blitzkasten und Fotoarchiv. Peter Buchmann / SRF

In einem Saal im dritten Stock des Wankdorf-Stadions mit Blick auf das Spielfeld: Nach und nach trudeln Kongress-Teilnehmer aus verschiedenen Schweizer Polizeikorps ein – überwiegend Männer, alle in Zivil. Sie stehen in kleinen Gruppen beim Kaffee, lachen und plaudern, viele sprechen Französisch.

Basar für Polizisten

600 Polizisten tauschen beim Schweizer Polizei Informatik Kongress (SPIK) in Bern ihre Erfahrungen aus. Am Rande des Saales haben etwa zwei Dutzend IT-Firmen ihre Stände aufgestellt und erklären den Interessierten ihre Produkte.

Philippe Lebre, zum Beispiel, arbeitet für ein internationales Software-Unternehmen, das auf digitale Karten spezialisiert ist. Die Einsatzzentralen der Polizei brauchen solche Karten, um etwa während einer Demonstration den Überblick zu behalten. Auf Video-Wänden kann der Einsatzleiter dann sehen, wo sich der Demonstrationszug und seine Polzisten gerade aufhalten.

Foto einer Einsatzzentrale auf einem Flachbildschirm, im Hintergrund das Stadion
Legende: Stand im Stade de Suisse: Vor der Kulisse des Stadions zeigt eine Firma ihre Monitor-Wände für Einsatzzentralen. Peter Buchmann / SRF

Auf solche Grossbild-Systeme ist die Firma spezialisiert, für die Peter Dürger arbeitet. Zu Dürgers Kunden gehören neben Polizeikorps auch Elektrizitäts- und Wasserwerke. Die Monitore können für verschiedene Medien verwendet werden: vom Text-Dokument über Bilder aus Strassentunneln bis hin zu live Video-Übertragungen aus Armee-Helikoptern oder Drohnen – sensitive Daten also.

Technologie für den Datenschutz

Damit diese nicht in die falschen Hände geraten, bietet Roger Bernhardsgrütter ein kleines Gerät an, das die Daten fortlaufend verschlüsselt. Sein Produkt kommt auch in Radarfallen zum Einsatz: Die Fotos von Autonummern werden von dem Mini-Computer verschlüsselt und dann per Funk in die Zentrale übermittelt.

Gut möglich, dass sie dort in einer Bilddatenbank archiviert werden, wie sie Adrian Martin anbietet – spezielle Software, die die Bilder etwa mit den Angaben des Ortes verknüpft.

Digitale Technologie im Einsatz

Auch die Spezialisten der Polizei gewähren einen Einblick in ihre Arbeit mit digitaler Technologie. Der stellvertretende Chef der Kripo Zug, Renée Grenacher, führt vor, wie seine Ermittler Beobachtungen, die sie etwa während einer Observierung gemacht haben, mit Hilfe von graphischen Symbolen erfassen. Das Computersystem ist in der Lage, den Polizisten auf Zusammenhänge hinzuweisen, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.

Auch das System der Kripo operiert unter strenger Berücksichtigung des Datenschutzes. Zugang zu Hinweisen hat nur, wer diese tatsächlich braucht. Deshalb kann Grenacher seinem System auch die Spesenabrechnungen eines verdeckten Fahnders anvertrauen.

Polizeialltag wie im Film

Für Laien erinnert das alles an Fernsehserien. «Es geht stark in diese Richtung. Tatsächlich sind wir nicht mehr allzu weit von der Forensik-Analyse entfernt, wie sie in CSI Miami gezeigt wird», sagt Daniel Thommet. Er ist ein erfahrener Informatiker und arbeitet schon lange mit der Polizei zusammen.

Und Dürger meint, dass seine Kunden sich auch durch die TV-Fiktion inspirieren lassen: Sie sehen eine Video-Einspielungsmöglichkeit im Film und fragen nach der Machbarkeit. «Technisch ist heute sehr viel möglich», so Thommet. Ein Hindernis: die strengen Datenschutzgesetze in der Schweiz. Und das sei auch richtig so, fügt er hinzu.

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