Sexting – digitale Trophäen und ihre Gefahren

Das Verschicken von selbst gemachten Nacktbildern ist bei Jugendlichen weit verbreitet. Über die Gefahren wird dagegen nur wenig gesprochen. Eine nationale Kampagne von Pro Juventute klärt Jugendliche und ihr Umfeld nun über die Risiken von Sexting auf.

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Jugendliche tauschen Sex-Bilder

4:32 min, aus 10vor10 vom 21.10.2013
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Eine Nacktaufnahme von sich selbst ist dank Smartphone sekundenschnell verschickt. Löschen lässt sie sich im weltweiten Netz kaum mehr. Dieses Phänomen nennt man «Sexting» – gebildet aus den Wörtern «Sex» und «Texting». Pro Juventute hat zu diesem Thema eine Plattform im Web mit weiter führenden Informationen.

In der heutigen, digitalen, Zeit kommunizieren Jugendliche vornehmlich über ihre Smartphones. Mit Nachrichtenprogrammen wie WhatsApp tauschen sie sich pausenlos aus – und häufig werden dabei auch selbst fotografierte Nacktbilder oder pornografische Inhalte verschickt. Solche Fotos, die nicht jeder einfach erwerben kann, werden dabei vor allem unter Knaben als Trophäen behandelt und stolz weiter verschickt

Sexting ist weit verbreitet

Urs Kiener, Kinder- und Jugendpsychologe von Pro Juventute, sagt, dass von den 9 bis 14-jährigen Kindern bereits rund 20 Prozent Erfahrungen mit Sexting gemacht hätten. Bei den 15 und 16-jährigen seien es fast 40 Prozent.

Dennoch besteht laut Pro Juventute in der Schweiz dringender Aufklärungsbedarf über die neuen Risiken im Internet. Eine im Auftrag der Kinder- und Jugendorganisation durchgeführte repräsentative Umfrage zeigt: 8 von 10 Schweizerinnen und Schweizern wissen nicht, was Sexting ist. 7 von 10 Befragten gaben zudem an, mit den Jugendlichen in der Familie nie über die Risiken von Sexting zu sprechen.

Ein Motiv aus der Kampagne von Pro Juventute, die vor den Folgen von Sexting warnt: Eine junge Frau posiert leicht bekleidet für ihre Handykamera. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Motiv aus der Kampagne von Pro Juventute. Pro Juventute

Das Internet vergisst nicht

Über neue Technologien verbreiteten sich solche Bilder oft ungewollt und in Sekundenschnelle über das Internet. Weder Jugendliche noch Eltern sind sich laut Pro Juventute bewusst, welche Risiken damit verbunden sein können..

Oftmals vermische sich bei den Jugendlichen die private mit der öffentlichen Sphäre, sagt Urs Kiener von Pro Juventute. Sei ein Nacktbild erst einmal im Internet publiziert, könne Sexting zu einem hässlichen Cyber-Mobbing führen: «Für die Betroffenen ist es äusserst belastend, wenn Nacktfotos von ihnen im Netz auftauchen und weiter verschickt werden», sagt Kiener.