Smartphones: Revolution für Sehbehinderte

Touchscreens, ein Alptraum für Blinde? Nicht beim Smartphone: Der Fribourger Gymnasiast Jonas Pauchard ist dank der neuen Technologie im Alltag viel unabhängiger geworden.

Wenn Jonas Pauchard vor dem Schrank steht, muss er sich nicht mehr auf eine bestimmte Anordnung der Kleider verlassen, um zu wissen, welche Farbe welches Stück hat: Er kann mit der Kamera seines Smartphones ein Kleidungsstück scannen – und dann teilt ihm die Stimme aus dem Handy mit, welche Farbe es hat. Der Kleiderscanner ist nur eine von vielen Funktionen, die grosse Unabhängigkeit in den Alltag des 21-Jährigen gebracht hat: Ohne sein Smartphone geht er nie mehr aus dem Haus – es ist für ihn heute Hilfsmittel Nummer eins.

Früher Schreckgespenst

Das sah vor wenigen Jahren ganz anders aus. Berührungsempfindliche Anzeigen, zum Beispiel an Bancomaten, waren ein Alptraum für sehbehinderte Personen, weil sie schlicht nicht zu bedienen waren. Dann aber kam das iPhone und mit den neueren Geräten die eingebaute Sprachausgabe. Dank der Kombination dieser Sprachausgabe mit teils speziellen Apps für Blinde hat sich der Touchscreen vom Schreckensbild zum unverzichtbaren Helfer gemausert.

Jonas kann sich damit zum Beispiel durch die Strassen navigieren lassen und Kreuzungen «spüren», Textmitteilungen und E-Mails schreiben in einer Geschwindigkeit, die jeder sehenden Personen ziemlich nahe kommt, oder ohne fremde Hilfe herausfinden, auf welchem Gleis im Bahnhof Bern sein nächster Zug nach Fribourg abfährt.

Und das alles zum Preis eines iPhones und einiger Apps:Im eher abgeschotteten und hochpreisigen Markt für Blinden-Hilfsmittel ist das schon beinahe gratis.
Das iPhone hat bewiesen, dass sich Touchscreens und Sehbehinderung nicht ausschliessen – nun stehen andere Hersteller von Touchscreengeräten und auch Smartphones mit anderen Betriebssystemen als iOS unter Zugzwang.