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Digital Was wir von Chat-Robotern lernen können (ausser fluchen)

Die Idee hinter der Sprachlern-App Duolingo ist so simpel wie überzeugend: Sprachen lernen wir am einfachsten, wenn wir sie benutzen. Damit wir auch ohne menschliche Partner üben können, hat die Gratis-App den ersten Chat-Bot zum Sprachen lernen ins Leben gerufen. Wir haben ihn ausprobiert.

Bots schlüpfen in die Rolle vom Koch, dem Flugbegleiter oder dem Kellner.
Legende: Chat-Roboter als Sprachcoachs Duolingo setzt als erste Sprachapp Chat-Bots zum Lernen ein. Duolingo

Fünf bis zwanzig Minuten Sprachtraining täglich, und das in so vielen unterschiedlichen Disziplinen wie möglich: Das ist das Prinzip von Duolingo. Die App erinnert einem immer wieder daran, das Verstehen, Sprechen und Schreiben zu üben. Im Gegenzug gibt es Erfahrungspunkte und eine Statistik, mit der man vor den eigenen Freunden angeben kann.

Seit kurzem stehen in der englischen iOS-Version zudem Bots zur Verfügung, die auf Französisch, Deutsch oder Spanisch mit uns den Dialog üben. Dazu schlüpfen sie in unterschiedliche Rollen. Vom Kellner bis hin zum Zoowärter ist viel Abwechslung dabei. Nur lässt die Flexibilität der Bots zu wünschen übrig.

Die Dialoge erinnern viel mehr an die Textaufgaben aus dem Übungsheft in der Schule. Kreativität ist nicht gefragt, denn die Bots können kaum vom vorgesehenen Skript abweichen und kennen zum Teil nur sehr wenige Antwortmöglichkeiten. Als wir beispielsweise im Restaurant «un verre du vin rouge» bestellen wollen, lässt der Bot diese Antwort nicht zu, von etwas frecheren Antworten wie «Tequila! S'il te plaît» ganz zu schweigen.

Damit sie diese verstehen können, verbietet uns die App ausserplanmässige Antworten. Das Spiel ist bald durchschaut, die meisten Punkte gibt es immer dann, wenn wir brav den Satz unserer Vorredner wiederholen.

Doch wir fragen uns: Warum mit einem Computer plaudern und nicht mit einem richtigen Menschen?

Aus Scham schweigen

Luis von Ahn, Geschäftsführer und Mitbegründer der App, hat gegenüber dem Guardian, Link öffnet in einem neuen Fenster verraten, dass der Wunsch, beim Sprachen lernen in einen Dialog zu treten, eigentlich schon immer da war. Er kam schon früh auf die Idee, Sprachtandems zu bilden, etwa zwischen einer Englisch sprechenden Person, die Französisch lernen will, und einer Französisch sprechenden Person, die ihr Englisch verbessern möchte.

In der Praxis habe das jedoch nie richtig funktioniert. Der Informatiker vermutet, dass drei Viertel der Testpersonen sich schämten, in einer fremden Sprache mit jemandem zu sprechen. Allerdings hätten die anderen, die nicht unter diesen Hemmungen litten, sehr von den Dialogen profitiert, meint von Ahn.

Je weniger man sich mit Peinlichkeiten aufhalte, desto besser würde man eine Sprache lernen. Auch darum ist das Konzept der Chat-Bots für von Ahn so interessant.

Auch Bots haben nie ausgelernt

Damit die Chat-Bots in Zukunft mehr Antworten zulassen, müssen sie diese vorher verinnerlichen. Dies kann auf zwei Arten geschehen: Entweder speisen die Macher weitere Dialogmöglichkeiten ein, oder die Bots lernen aus dem Dialog dazu.

Die Macher von Duolingo haben sich für einen Zwischenweg entschieden. Sie speichern alle Antworten, die von den Nutzern eingegeben werden – auch wenn diese nicht zugelassen sind und wieder gelöscht werden müssen. Anschliessend werden die Antworten von den menschlichen Duolingo-Mitarbeitern auf ihre Plausibilität geprüft und allenfalls im nächsten Update eingebaut.

Vom Teenager zu Hitler in 16 Stunden

Tay's Twitter Account. Ihr erster Tweet: Helllllooooo world!! Mit Emojis versteht sich!
Legende: TayTweets «Tay» war einer 19jährigen Amerikanerin nachempfunden, die durch Interaktion mit realen Menschen dazugelernt hat. Screenshot

Was passiert, wenn man die menschlichen Kontrolleure auslässt, zeigt der neuste Chat-Bot von Microsoft: «Tay» ging am 23. März 2016 als selbstlernendes Chat-Programm auf gleich mehreren Plattformen online. Doch das Internet ist ein dunkler Ort – und so lernte «Tay» bald, den Holocaust zu leugnen und Donald Trump als einzige Hoffnung für America zu sehen.

Nur 16 Stunden später schickte Microsoft seinen Chat-Bot wieder offline. Kurz darauf kamen dann doch wieder menschliche Kontrolleure zum Einsatz, um diverse Tweets zu löschen, die «Tay» automatisch abgesetzt hatte. Denn in rund 96'000 Tweets fanden sich neben vielen belanglosen Nachrichten auch solche, die zum Völkermord aufriefen oder sehr sexistisch waren.

Darum wird Duolingo wohl auch in Zukunft nicht auf ihre Mitarbeiter als Kontrolleure verzichten – und wir müssen geduldig abwarten, bis diese Bots Stück für Stück dazulernen.

Was taugt der SRF-Bot «Janino»

Die beiden Bots. Jana ist eine Frau mit roten Haaren und Nino ist ein schwarz haariger Mann mit Ziegenbart.
Legende: SRF

Auch das SRF hat kürzlich seinen eigenen Bot ins Leben gerufen. Jana und Nino helfen im Hinblick auf die Abstimmungen im Februar. Doch was taugen die beiden? Und wo kann man die gleich selber ausprobieren?

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