Wir rennen einen Penis

Claire Wyckoff aus San Francisco rennt Penisse. Als Ewigpubertäre finden wir das grossartig lustig. Deshalb sprechen wir mit ihr und suchen hier in Zürich einen Penis zum Spazieren. Und dazu eine Vagina, damit alles seine Ordnung hat.

«There is humor in running something that you shouldn't be running – that's kind of subversive», sagt Claire Wyckoff im Interview: «Penises are funny!»

Da rennt sie bei uns offene Türen ein! Wenn man irgendwo etwas hinmalen kann, dann muss man einen Penis malen. Das ist ein Naturgesetz.

Wenn Claire Wyckoff gerade nicht Penisse rennt und auf ihrem Tumblr-Blog veröffentlicht, arbeitet sie als Texterin für eine Werbeagentur. Sie trainiert für einen Halbmarathon im Oktober – und lustige Formen zu laufen, ist unterhaltsamer, als die immer gleichen Runden zu drehen.

So geht's

In diesem Fall malen wir so: mit einer App, die ein GPS-Signal aufzeichnet, beispielsweise «Tracks». Denn das ist nichts anderes als ein Stift, mit dem wir Linien auf die Leinwand einer Karte zeichnen können.

Penis in Wiedikon, auf der Karte geplant. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Penis in Wiedikon, auf der Karte geplant. screenshot srf

Doch einfach auf einem freien Feld eine Figur zu zeichnen, ist Claire und uns nicht anspruchsvoll genug. Deshalb diese Regel: Wir müssen uns auf Strassen bewegen. Also eigentlich nur noch die Penisse finden, die ohnehin schon überall herumliegen.

Somit ist der wichtigste Schritt für einen schönen Karten-Penis die Vorrecherche: Wir müssen Strassen finden, die einen Penis bilden. Rundungen für Sack und Eichel, parallel verlaufende Strassen für den Schaft. Die Proportionen müssen stimmen. In Zürich haben wir zwei schöne Exemplare gefunden, einen in Wiedikon, den anderen in Schlieren.

Die Penisse und die Vagina in Zürich

Penis und Vagina

Doch mit dem Penis allein waren wir noch nicht zufrieden. Auch eine Vagina musste her. Das war allerdings schneller gesagt als getan. Das bestverständliche Symbol für Vagina ist wohl ein zugespitztes Oval mit einem Strich in der Mitte. Und solche Strassen zu finden, ist nicht leicht. Auch scheint diese Form weniger Spielraum zu erlauben: Sobald die Proportionen und Rundungen nicht genau stimmen, erkennt man nichts mehr. Selbst in der Disziplin «Primäre Geschlechtsteile auf Karten zeichnen» scheint das Männliche zu dominieren.

Vagina beim Triemli, per GPS-Tracking gezeichnet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vagina beim Triemli, per GPS-Tracking gezeichnet. screenshot srf

Wir fanden dann doch noch eine schöne Vagina, an der Tramhaltestelle gleich beim Triemli.

Ein schönes Hobby

Penisse spazieren, Vaginas rennen: Es ist ein schönes Hobby. So könnten wir uns auch vorstellen, mehrmals den gleichen Penis zu spazieren, aber mit einem jeweils leicht abgeänderten Pfad. Um aus diesen leicht unterschiedlichen Bildern dann eine Animation zusammen zu setzen. Nur eine von bestimmt vielen kreativen Möglichkeiten.

So rufen wir denn mit Claire Wyckoff: «Go run some dicks, guys!»